Logbuch
BARBUSIG.
Nach allgemeiner Ansicht gehört der Mensch zu den SÄUGETIEREN. Der Begriff bezieht sich auf die initiale Ernährung des Neugeborenen durch die Milch der Mutterbrust; sie lässt ihren Säugling säugen. In den USA, wenn öffentlich, eine Straftat.
Ich frage mich, ob es schon eine SOZIOLOGIE des Säugens gibt. Darin wäre zum Beispiel das Ammenwesen abzuhandeln, bei dem sozial hochgestellte Mütter das „breastfeading“ anderen Frauen anvertrauen, die daraus eine Erwerbstätigkeit machen. Der Mythos des Vertauschens von Säuglingen entsteht in dieser Welt. Auch eine soziale Frage: die Brüste der strammen Bäuerin seien nahrhafter als die der anämischen Dame von Welt.
Auch das Gegenteil könnte gelten: die früher hohe Kindersterblichkeit könnte auf professionelle Vernachlässigung nach der Kommerzialisierung der frühkindlichen Ernährung deuten. Nach dem Physiologischen wäre über das Psychologische zu sprechen. Ob nicht gestillte Kinder eine wesentlich bessere Mutter-Kind-Beziehung haben gegenüber jenen, die mit der Flasche aufgezogen werden mussten. Überhaupt: Warum ersetzt der Begriff des Stillens irgendwann den des Säugens? Still machen? Weil die kleinen Monster alle Naselang brüllen? Lästigkeit als Evolutionsmerkmal. Tja, und dann der Schnuller…
Spätestens der Calvinismus verändert die Selbstwahrnehmung der Säugetiere; sie wollen die Sehnsucht nach der Mutterbrust nicht mehr wahrhaben. Vielleicht auch eine Folge des Patriarchalischen. Der Mensch als Jäger, sprich Fleischfresser, nicht mehr Milchbubi. Gleichzeitig entsteht kulturell ein FETISCH der großen Oberweite; vom bayrischen Dirndl bis zu Hollywood (man denke an die entsprechende Ikonographie der amerikanischen Pin Ups).
In den USA gilt heutzutage das öffentliche Stillen weitgehend als strafbewehrt, da auch die mütterliche Brust als Sexualorgan gilt, das dem strikten Verhüllungsgebot unterliegt. Nach anderen Kulturen frage ich erst gar nicht. In den Social Media (der USA) soll es einen Ikonoklasmus zu Brustwarzen geben; zu weiblichen, nicht aber zu männlichen. Man ist keusch. Aber jeder Halbwüchsige kann sich ein Sturmgewehr kaufen und damit den nächsten Kindergarten besuchen. Krank.
Ich rege eine SOZIOLOGIE des BARBUSIGEN an. Wer traut sich?
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DER GLAUBE.
Einen Gläubigen haben wir vor uns, wenn ein Geist, oder schlimmer noch eine Seele, von jedem Zweifel verlassen ist. Die Religion begrüßt das. Und der Nutznießer von Propaganda.
Unter dem Namen eines Freundes sehe ich zunehmend Kriegspropaganda im Netz. Das geht ja an, wenn er von dem Überfall auf die Ukraine ergriffen ist. Vieles wird stimmen; vielleicht alles. Aber er verliert jede kritische Distanz. Er will sie geradezu verloren haben. Ein glühender Mitkämpfer. Ich vermute daher, sein Account ist gehäckt und eine professionelle Desinformation wirkt unter seinem Namen. Vielleicht ein Roboter. Vielleicht der Bot eines Geheimdienstes.
Die Vermutung, dass Bots der Propaganda wirken, ist möglich, aber nicht leicht zu sichern; wohl gemerkt für diese oder jene Kriegspartei. In der Publizistik (der Wissenschaft) streitet man über die Zuverlässigkeit der Analyseverfahren, die Roboter entdecken. Mir ist das bei meinem Freund eigentlich schnurz; eher wäre es noch tragischer, wenn er wirklich inbrünstig glaubt, was sein Material in so großer Beharrlichkeit vermuten lassen will.
In der Religionsausübung gilt die INBRUNST als Glaubensbeweis, ein milder FUROR für etwas; zuweilen auch gänzlich unmild, eher Zorn als die Entschiedenheit des Wahnsinns. Bei meinem Störgefühl gegenüber einer KAMPAGNE löst die übergroße Entschiedenheit den Eingangsverdacht aus. Glaubensstärke ist ein irritierendes Signal. Ich habe da viel von einem Soziologen gelernt, der die „Binnenbindung“ (das, was zusammenhält) in SEKTEN untersucht hat. Es fehlt dort gesunder Zweifel und es herrscht eine kranke Selbstgewissheit.
Wenn ich meinen Freund darauf ansprechen würde, fürchte ich ihn zu verlieren, denn er wäre beschämt, auch wenn ich irre. Und so sehen wir betroffen, der Vorhang zu und alle Fragen offen.
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FUSSECK.
Aus dem rüden englischen Fabrikfussball der dortigen Rüstungsindustrie entwickelte sich eine kultiviertere Form dieses Mannschaftsspiels in Deutschland, nämlich der Rasenballsport. Er kommt ohne das ansonsten ja uferlose Marketing, sprich ohne jegliche Werbung aus.
Ich habe keine Ahnung von Fußball. Trotzdem merke ich in Leipzig, Sachsen, an, dass mir der örtliche Fusseck-Verein österreichisch inspiriert erscheint. Von einem einschlägigen Rechtspopulisten aus Salzburg. Ich erwähne beiläufig ein mir erinnerliches derartiges Gerücht. Und das in einer Vatertagsgruppe mit Vorsprung. Freunde, da war was los.
Also, die mit zwei roten Ochsen bebilderte Truppe im Stadion des Rasenballsports zu Leipzig geht dem Rasenballsport absolut AUTHENTISCH nach; hier spielen nur Sachsen und zwar solche aus der Stadt des Rasenballsports. Keine aus Dresden. Insofern sei das, lerne ich, mit BAYERN LEVERKUSEN vergleichbar. Ich dachte zwar, die Münchner hießen 1860; aber wer will sich schon mit angetrunkenen Fans streiten? Auf Vatertag. Zudem habe ich von Fußball eigentlich keine Ahnung.
Als ich aus beruflichen Gründen noch einen anderen authentischen Verein zu besuchen hatte (ich war in meinem Leben nur zweimal in einem Rasenballstadion), hatte mir meine damalige Sekretärin in meinen Tagesterminplan für die zweite Halbzeit geschrieben: „Achtung. VfL spielt jetzt auf das andere Tor!“ Sie wollte verhindern, dass ich wegen spontaner, aber falscher Begeisterung tot im Wolfsburger Kanal lande. Das andere Mal war ich bei Bayern Leverkusen, die in der Nähe von Köln spielten.
Und traf eine viril wirkende Dame namens Tante Käthe in der sogenannten VIP-Lounge, über die mir allen Ernstes erzählt wurde, dass ihr lockiges Haar darauf zurückzuführen sei, dass ihr gegnerische Spieler Speichel zur Verfügung stellen. Man nennt das „holländische Minipli“ im Rasenballsport, erzählt man mir. „Dauerwelle versus Minipli“: Ist das nicht ein Lied von den ÄRZTEN? Man könne aber auch drei Weizenbier trinken. Tja, die Bayern in Leverkusen; ich weiß nicht. Also, man sollte auch nicht alles glauben, was im Rasenballsport so erzählt wird.
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AFFENTHEATER.
Wer der Demokratie schaden will, diskreditiert das Parlament. Denn im Herzen einer Herrschaft des Volkes steht der Ort, wo seine Abgesandten sich darüber verständigen, was es denn nun wirklich will, das Volk, der Souverän. Das ist kein geringes Unterfangen und es braucht Würde. Das freie Wort frei gewählter Abgeordneter, die nur ihrem Gewissen verantwortlich sind. So ist der Kern unserer Verfassung gedacht.
Das galt mit der Ting-Eiche schon immer. Von der griechischen Polis über das römische Forum bis in die Nationalversammlung der Franzosen oder das englische Westminster: Es braucht einen Ort, wo aus dem Willen der Vielen im Wettstreit freier Auffassungen ein Gemeinwohl wird. Habermas nennt es deliberativ. Versteht kein Mensch, ist aber klug. Nur kein Affentheater.
Als unsere Diktatoren noch aus dem Adel kamen, sagen wir zu Zeiten von Wilhelm dem Zweiten, gab es Verächtliches aus Hochwohlgeborenem Munde: eine QUASSELBUDE sei das Parlament. Ihro Gnaden sprach gar vom REICHSAFFENHAUS. Böse, aber das gefällt mir, weil es Klartext ist. Joseph Goebbels gefiel es auch. Der nächste Zoo war dann Weimar! Das wiederum zeigt, an welcher Idiotie sich in Thüringen die CDU beteiligt. Man muss das mit den Augen des Publikums betrachten, nicht denen der Schauspieler.
Was Königsdisziplin der Demokratie sein sollte, Staatstheater, nicht Posse, das nutzen sie, die Christdemokratischen Schlaumeier um den Landesvorsitzenden Diederich Hessling, zu einer Pöbelei mit einem Greis der AfD. So füllt man deren Vorwurf zum Charakter der Altparteien mit Inhalt. Die Kanzlerkandidatin Alice Weidel ist im Wunderland: Es heben die „nützlichen Idioten“ (Lenin) der CDU sie auf den Thron. Oder Sarah Lafontaine-Wagenknecht (der ich das mit Lenin nicht erklären hätte müssen). Oder beide.
Die Schergen von Fritze Vor-März, dem Rocker aus Brilon, sind Deppen. Es folgt ein Hexensabbat. Wäre die grüne Fee im Auswärtigen Amt nicht so granatendumm, man hätte zur nächsten Bundestagswahl drei Epigoninnen von Mutti Merkel zur Wahl: Annalena, Alice und Sarah. „When shall we three meet again…“ Denn das ist das Merkelsche Erbe in Wahrheit, ein Zirkus, ein Zoo. Weimar wird wieder zur Walhalla. Read my lips.