Logbuch
DENGLISCH.
Man mische englische Wörter ins Deutsche, und schon hat man DENGLISCH. Das ist dann ein SOZIOLEKT, ein JARGON, der mit viel Liebe gepflegt wird. Mir fällt auf, dass ein Personalchef, den ich sehr schätze, seine Führungskräfte und damit seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „enablen“ will. Das hat man ihm wohl so aufgeschrieben. Es geht mir nicht um die Sache, die wichtig genug ist, sondern, gänzlich nebensächlich, um die Sprache. Genauer gesagt, das Sprechen.
Ich lerne, dass die alte pädagogische Vorstellung, dass man „Fähigkeit und Bereitschaft“ entwickeln will, im modernen Denglischen der „Personaler*innen“ vom englischen Verb „to enable“ in ein deutsches Tätigkeitswort überführten kann. Damit enabelt man sich dann zu Denglisch und zeigt New Leadership auch im New Normal. Fair enough.
Sprechen, das ist nicht nur Bezeichnung von etwas, Sprache ist ein Gemeinschaftsgut vieler unterschiedlicher Gemeinschaften, die sich nicht nur freuen, etwas Gemeinsames zu haben, sondern dies auch distinktiv einsetzen. Sprache ist auch Abgrenzung und Ausgrenzung. Man will, sich selbst als „ingroup“ feiernd, anderen zeigen, dass sie nicht (! ) dazugehören. Natürlich räumt das niemand von den Enabelten ein, aber es ist so. Darum nutzt der Onkel Doktor stolz Wörter, die aus dem Lateinischen oder Altgriechischen kommen. Hoffentlich ist er enabelt, uns gesund zu machen. Health-mäßig gesehen.
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NACH CORONA.
Wird man sagen können, was Corona, wenn es eines fernen Tages nicht mehr als Massenseuche tobt, verändert haben wird? Bei der Pest konnte man es. Sie fiel Mitte des 14. Jahrhundert auch über Hamburg her und lange mühte sich die Bürgerschaft mit ihrer Bekämpfung. Am Ende konnte man sagen, was anders war.
Man trennte das Abwasser vom Trinkwasser. Auch in den ärmeren Vierteln. Das Stichwort war HYGIENE. Schon das alte Rom hatte sich keinen Gefallen getan mit der Zusammenlegung von Küche und Toilette. Aber zumindest die Trinkwasserversorgung war damals perfekt. Über riesige Bauwerke wurde Frischwasser aus umliegenden Gebirgen in die Städte geführt (Aquädukt von aqua ducere, Wasser führen). Ich bin mal im Dartmoor über Kanäle spaziert, die Plymouth versorgt haben, damals eine mehrtägige Reise.
Das alte Hamburg nutzte für das Innerstädtische die Elbe und den Tidenhub für beides, das vermaledeite Abwasser und den Lebensspender Frischwasser. Das gefiel der Pest. Was also war nach der Pest anders? Küche und Toilette wurde getrennt, auch in den Armenvierteln.
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ROLLENTHEORIE.
Ich sehe im Fernsehen den Politiker KARL LAUTERBACH und bin fasziniert. Er spielt notorisch die Rolle des Medizin-Experte. Dafür wird der Lebenslauf schon etwas überstrapaziert. Er soll in den USA zum Professor für Epidemiologie ausgebildet worden sein. Das stimmt eher nicht; er ist in medizin- ökonomischen Fragen habilitiert und die Habilitationsschrift selbst nicht zugänglich; kann in den USA so eingerichtet werden. Das mit der Epidemiologie, das war seine Frau, von der er mittlerweile geschieden ist. Na ja, ob er oder seine Frau, was soll´s.
Wir alle spielen nur Rollen, im Theater des Lebens. Diese Vorstellung hat vor fünfzig Jahren sogar die SOZIOLOGIE beflügelt. Ein gewisser Ralf Dahrendorf machte sich daraus Hoffnungen, vom marxistischen Klassendenken wegzukommen. Er war ein liberaler Kopf und ein Denker des Liberalismus. Das war damals noch kein Schimpfwort, im Gegenteil. Ich erinnere seinen Pfeifentabak; man rauchte noch im St. Anthonyˋs College. Die ROLLENTEORIE hatte etwas von der Mobilität neuer Zeiten, eine gewisse Leichtigkeit, die befreiend wirkte.
Das erlauben uns heute die Sozialen Medien, leichterdings NEUE ROLLEN zu finden und kommunikativ, sprich inszenatorisch auszufüllen. Wenn da nicht die ewigen SPIELVERDERBER im Journalismus wären, die mit unerträglichem Ernst Doktorarbeiten und Lebensläufe prüften und rumpolemisierten. Als wenn es im Theater wichtig wäre, dass der Schauspieler Müller oder Schulze gar nicht „in echt“ der dänische Prinz Hamlet ist. Sondern aus Bielefeld in Westfalen kommt, nicht aus Dänemark. Spielverderber.
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ENERGIE & POLITIK.
Was uns ein sorgloses Leben versaut, ist, dass Politik ein schmutziges Geschäft ist; jedenfalls ENERGIEPOLITIK. Schon als Halbgebildeter weiß man zu viel. Etwa, wen ich an der Tankstelle reich mache. Oder warum LNG nicht helfen wird.
Erdgas gibt es auch flüssig. Wenn man Erdgas auf Minustemperaturen von -160 Grad Celsius herunterkühlt und diese Temperatur beständig beibehalten kann, dann verringert sich das Volumen auf ein Sechshunderstel, so wie es sich bei Abnahme der Kühlung wieder um den Faktor 600 ausdehnt. Der gewaltige LNG-Tanker mit den Kugelaufbauten ist kein Problem, solange man die Temperatur halten und jede Fremdeinwirkung verhindern kann. Raketen oder Kamikaze-Flieger unerwünscht. Ich werde mich nicht neben ein LNG-Terminal etwa im Hamburger Hafen in einen Liegestuhl legen und in Ruhe ein Holsten trinken.
Das LNG-Verfahren kann wirtschaftlich sein, wenn der Transportweg weiter als 2500 km ist; Wissenschaftler sprechen auch von mindestens 6000 km. Einmal um die Welt. Sonst gewinnt immer das Rohr, unter Umständen mit leicht verdichteten Erdgas. „Blick auf eine Erdgasleitung“ war für mich immer eine Idylle; gerne im Liegestuhl. Energetisch wird für das tiefgefrorene Flüssigerdgas etwa ein Viertel im Eigenverbrauch zu der dramatischen Kühlung verzehrt. Das zur Energiebilanz. Die Methanemissionen sollen im Übrigen beachtlich sein; Methan gilt als besonders klimaschädlich. Ferner: bei -160 Grad Celsius versprödet selbst Stahl wie Blätterteig. Keine Liegestuhl-Idylle.
Ich lese bei einem besorgten Hamburger, dass Rotterdam auf einen LNG-Terminal nicht scharf sei und die schwimmenden Bomben in der Bucht vor Tokio nicht erwünscht. Ein explodierender LNG-Tanker käme für seine nähere Umgebung einer mittleren Atombombe gleich, so die Sorge des Hanseaten. Es hat schon immer eine völlig irrationale Diskussion von Risiken der Energieversorgung gegeben. Die GRÜNEN sind politisch groß geworden mit dem Mythos der gefährlichen Castor-Transporte; das wollen sie vergessen machen, aber es war immer sachlich-fachlich Unsinn. Die Entsorgung von Kernbrennstoff, sprich von Atommüll, ist möglich und, wenn vernünftig betrieben, ein vertretbares Risiko, auch im Nahbereich. Vielleicht gilt das auch für den Betrieb eines LNG-Terminals. Ich bin nicht sicher, siehe Liegestuhl.
Was uns das Erdgas verleidet, ist das Kernproblem jeder IMPORTENERGIE, nämlich der IMPERIALISMUS des Herkunftslandes, jedenfalls jetzt Russlands, das einen Nachbarn brutal überfallen hat und eines wesentlichen Teils seines Territoriums kriegerisch berauben will. Norwegisches und holländisches Erdgas hat dieses Problem nicht. Es gibt gutes und böses Gas. Wir sind im Übrigen aus mehreren Gründen von der Politik gebeten, die Herkunft des LNG-Gases nicht zu erörtern; dem Wunsch folge ich.