Logbuch

KEIN KOMIKER.

Brecht sah sie in CARMEN und stellte ihr sofort nach, der Hund. Sie wurde, obwohl liiert, wiederholt schwach, wie man so sagt, in Augsburg.

Die Sängerin Marianne Zoff war fünf Jahre mit Bert Brecht verheiratet und danach fünfzig mit Theo Lingen. Bis zu dessen Tod. Lingen, der Komiker, hat die Tochter des Stückeschreibers mit der Sängerin, die Schauspielerin Hanne Hiob, adoptiert. Lobenswert.

Von Lingen stammt der Satz zu seinen Rollen: „Natürlich nehme ich den Dreck, den ich da spiele, nicht ernst.“ Man hatte ihn auf das komische Fach festgelegt. Gefällt mir.

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REICHSPOGROMNACHT.

Der FASCHISMUS ist nicht in fernen Zeiten vom Himmel gefallen oder aus einer fernen Hölle über uns gekommen. Und: „Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ (Brecht)

Vor gut achtzig Jahren also haben Deutsche in einem politischen Auftakt ihre Nachbarn, die sie für Juden hielten, deshalb bedroht, geschändet, enteignet, in die Vernichtung geschickt. Man wollte das Land ARISIEREN, zum Modell einer Volksgemeinschaft machen, die sich als HERRENRASSE verstand. An diesem deutschen Wesen sollte die Welt genesen.

Man verging sich an seinen Nachbarn, nicht alle, aber viele. Und alle schauten zu. Es konnte jeder wissen; es wusste jeder. Die PROPAGANDA war nicht heimlich; sie war unüberhörbar. Und wurde, wenn nicht bejubelt, so doch hingenommen. Zumindest das ist eine historische Schande. Die „Braunen“ waren unsere Nachbarn, die unsere Nachbarn zu vernichten anstanden. Ich sehe heute, immer noch oder wieder, Teile des Landes mit dieser Vorstellungswelt kokettieren. Scham und Zorn.

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KAFKA & LEGAL TECH.

Gespräch mit einem Experten namens Vir Romanus. Danach Nachdenklichkeit über UNGLEICHZEITIGKEIT. Ein Begriff von Ernst Bloch.

Szene Nummer Eins: Ein Aktenwagen, der schon bessere Tage gesehen hat, wird einen langen Gang herunter geschoben, prall gefüllte Aktendeckel verschwinden in Büros und andere tauchen von dort auf, ganz am Ende des Korridors ein einzelner Raum, in dem ein Faxgerät steht: es blinkt, Papier fehlt.

Szene Nummer Zwei: Ein Rundfunkwerbespot aus England sucht Besitzer eines bestimmten Autotyps, genauer eines Dieselmotors, und verspricht, wenn die Kanzlei beauftragt, eine kostenlose Klage bei Gewährung von 30 Prozent der dabei erwirkten Summe. Kein Risiko. Das Verfahren führt der Computer der Kanzlei automatisch. Er hat das schon tausendfach geübt.

Beide Szenen sind simultan. Die eine Welt trifft auf die andere.

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WENN MAN DAS NOCH SAGEN DARF.

Über den großartigen Schriftsteller Dashiell Hammett, der zu Recht als Begründer des amerikanischen Kriminalromans der „hardboiled school“ gilt, lese ich einen Satz des Bedauerns, der seinen Nachruhm schmälert. Es sei ihm nach den großen Romanen, die seinen Durchbruch brachten, kein wirklich großes Werk mehr gelungen; er habe sich mit Auftragsarbeiten für Hollywood über Wasser halten müssen.

Gebrochener Nachruhm. Das widerspricht unserer Erwartung an ein Genie, das im Alter im Zenit seines Ruhms stehen sollte. Man erwartet vom Greis noch ein „opus magnum“ und dann den Abtritt. Daran ist alles falsch, jedenfalls bei Hammett. Wir kennen von ihm den Dünnen Mann und den Malteser Falken, die berühmten Romane; er hatte aber zuvor Dutzende kleinere Stücke als Heftchenprosa verfasst.

Der Mann arbeitete nebenbei als Privatdetektiv. Oder umgekehrt, er verfasste Gelegenheitsprosa am Rand seiner Profession. Darin liegt seine Authentizität.

Hätte Raymond Chandler das Genre anschließend nicht groß gemacht und Humphrey Bogart der Figur ein Gesicht gegeben, wäre Hammett nicht als Urvater bekannt. Aber auch das ist nicht abträglich gemeint. Was seinen späteren Ruhm verhindert, ist nämlich amerikanische Innenpolitik unter dem Rechtspopulisten McCarthy. Er wurde als Linker verfolgt und von staatlichen Behörden geplündert. Hinter der verhinderten Karriere als Bestseller steht staatliche Verfolgung, die antikommunistischen Kampagnen seiner Zeit, der auch Brecht nur mit List entkam.

Sie sind wieder da, die McCarthys. Ich sehe sie auf Bühnen. Das musste mal gesagt werden. Und Hammett war ein Großer in bösen Zeiten. Salut!