Logbuch
DER PROPHET
Früher hatte ich mal die Ehre, mit dem FORSA-Chef, Professor Manfred Güllner, zusammenarbeiten zu dürfen. Der Mann ist Urgestein und sehr gut. Seitdem kann ich aus dem Vogelflug die Zukunft lesen. Annalena Baerbock wird Kanzlerin, Christian Lindner als Außenminister der Vize-Kanzler und Olaf Scholz (Finanzminister) die dritte Farbe der Ampel. Für Schwarz-Grün wird es nicht gereicht haben, weil die Union auf voller Front abschmiert.
Wir kriegen also Grün-Gelb-Rot; in dieser Reihenfolge. Armin Laschet bleibt in NRW; er spielt mit Martin Schulz aus Würselen künftig sonntags im Rheinischen Skat. Markus Söder kann vor Kraft nicht gehen, und zwar von Altötting bis Aschaffenburg, aber nicht weiter. Ich bin Demoskop, deshalb ist es nicht ganz fair, wenn ich nun wette, weil ich ja schon definitiv weiß, wie die Wahl ausgeht. Ich bin der Prophet im eigenen Land. Dank höherer Mathematik und der Vogelschau.
Wir errechnen das mit einem ultraneuen Computerprogramm, nicht mehr durch Befragungen. Das ist altmodisch. Das ging zu Zeiten, als die Menschen Meinungen im Kopf hatten und diese auf Fragen hin auch äußern konnten. Damit erfasst man aber nicht den Bauch des Wählers. Wir lassen heutzutage einen Rechner seine Kumpel bei Amazon und Lieferando und Twitter fragen; die Rechner tratschen nämlich untereinander und verraten sich geheime Algorithmen. Dann multiplizieren wir das mit „pi“ und teilen es durch Quadratwurzel aus „delta“; bumms, schon ist klar, wie die Wahl ausgeht. Man gleicht das dann zur Sicherheit noch mal mit dem Vogelflug ab. Das nennt sich wie bei den Virologen „Doppelblindstudie“. Der Laie staunt und der Fachmann freut sich. Ich habe sechs Flaschen Wein auf das Wahlergebnis AMPEL gesetzt; die sind so gut wie gewonnen. Prost!
Logbuch
DIKTATÜRCHEN
Ein Ermächtigungsgesetz für Merkel, das will ja niemand, also eine regelrechte Diktatur wegen Corona, aber jetzt muss ja mal durchregiert werden können. Wegen Corona gibt es jetzt NOTVERORDNUNGEN. So ein kleines DIKTATÜRCHEN, das soll es schon sein.
Ich lese eine Abhandlung von einem Engländer namens John Locke, ein älteres Stück von 1689. Darin begründet er die VIERTE GEWALT. Nein, nicht die alberne Selbsternennung von Journalisten; das ist eh ein Witz. Locke preist die „prärogative Gewalt“; das sei das Recht der Regierung, auch mal ohne Gesetze etwas für das Allgemeinwohl tun zu können. Oder auch gegen die Gesetze.
Dazu braucht es einen NOTSTAND, der die prärogative Gewalt rechtfertigt. Zum Beispiel eine Seuche. Huiii … dünnes Eis. Was wir im Moment erleben, ist ja schon die notorische Missachtung der Parlamente. Im Bund wie in den Ländern, vielleicht mit Ausnahme von Baden-Württemberg. Haben wir also eine Krise des Parlamentarismus? Nein. Wir haben eine Krise der VERWALTUNG.
Wer in Berlin lebt, hat verlernt von der öffentlichen Verwaltung überhaupt etwas zu erwarten. Oder deren politischer Leitung. Beispiel „Mietendeckel“; dieses kleine Stück DDR, das die Wohnsituation noch weiter verschärft hat. Es geht immer alles nur gerade so eben und mit Ach und Krach. Und vieles geht leider gar nicht. Das Staatsversagen ist vor Ort, im Alltäglichen ein Versagen der Verwaltung. Sie ist mit den Behörden insgesamt wie mit der Bundeswehr im Besonderen: bedingt abwehrbereit.
Und deshalb hilft ein klein wenig Diktatur auch nur ein ganz klein wenig. Die Generäle mögen in den Krieg ziehen wollen, der Truppe fehlt die Munition. Im wahrsten Sinne des Wortes, nichts im Rohr. Mein Impftermin ist in drei Wochen. Voraussichtlich. Vielleicht. Wer den Notstand beherrscht, der hat die Macht; hat der böse Carl Schmitt gesagt. Nun, ich weiß nicht so recht, wer das sein soll, in dieser Demokratur. Und dass Annalena das besser kann als Angela, das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Logbuch
COCKTAILS.
Böse Anrufe, weil ich im legendären RAFFLES an der Bar simplen Whisky zu mir genommen hätte. Man trinke dort SINGAPUR SLING. Unsinn. Ein albern süßes Mixgetränk. Ekelhaft. Das ist Nuttendiesel. Schauen Sie doch mal, wer das bestellt.
Wenn im Cocktail zum segensreichen Alkohol, also etwa Gin oder Rum, im Übermaß noch Likör sprich Sirup kommt, Fruchtsäfte mit Zucker, Molasse, dann wird das so was wie Haribo mit Prozenten. Welch ein Halbweltkult. Dann werden auch noch die Glasränder gezuckert und kandidierte Früchte aufgesteckt. Ein Obstsalat, aber kein Drink. Das bestellt der Gentleman nicht, auch nicht seiner Begleitung.
Ich erinnere aus Harry’s New York Bar den PETRIFIER, der zu sechs verschiedenen Rumsorten einen halben Liter Fruchtsäfte mixte. In der Karte stand er unter dem Rubrum „Nur zwei pro Gast“. Zurecht. Wer will schon einen ganzen Liter Sirup im Bauch. PETRIFIER heißt übrigens „Lähmer“; so war der auch. Und morgens Brummschädel plus Sodbrennen.
Ist doch klar. Der Zucker gärt im Magen nach und erzeugt im Gedärm Fuselöle und Methylalkohol. Da können Sie auch ungarischen Federweißer oder russischen Vodka trinken. Vielleicht lösen Sie im „Wässerchen“ von der Wolga noch eine Tüte Haribo auf. Dann haben Sie Ihren Singapur Sling. Thomapyrin bereithalten. Meine Meinung.
Logbuch
HOBBY.
Schon das Wort klingt betulich, ein Steckenpferd haben, dem englischen „hobby horse“ entlehnt, einem Kinderspielzeug. Man sieht vor seinem inneren Auge den Briefmarkensammler. Oder den Hobby-Gärtner, der im Hinterhof Möhren zieht. Noch schlimmer der Hobby-Koch, der sich etwas darauf einbildet, ein Ei auch poschieren zu können, und Freunde zu deren Leidwesen bekocht.
Ich sollte es erklären. Briefmarken waren kleine klebefähige Bildchen von Postillionen, um die einiger Kult getrieben wurde, obwohl es nur Quittungen für die Entrichtung von Transportkosten waren. Früher kam täglich ein Briefträger und übergab Prints an die auf Umschlägen verzeichneten Empfänger. Er zahlte übrigens auch Renten aus und zog die Gebühren für den ÖRR cash ein. Ich habe mein Studium als Post-Zusteller in den Semesterferien finanziert; man ging trotz Bafög Lohnarbeit nach. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Man ordnet das Hobby der Freizeit zu, die eine Einteilung ist, die die Fabrikglocke geschaffen hat, nämlich als Nische zwischen dem Diktat des Arbeitgebers und der notwendigen Nachtruhe. Man ging einem Spiel nach, entweder im sportlichen Sinne oder einem kulturellen wie der Musik oder der Frauen vorbehaltenen Handarbeit. Dem Hobby hing immer etwas Skurriles an; der Mensch durfte dabei halt Mensch sein; dabei neigt er zu Merkwürdigkeiten.
Womit wir bei den Bärtigen aus Trier sind. Karl Marx hat der Vorstellung der ENTFREMDUNG einige Aufmerksamkeit geschenkt. Die Fabrikarbeit war entfremdet, das künstlerische Spiel nicht. Der Gedanke ist eigentlich von Friedrich Schiller, der im Unterschied zu Goethe Marxist war. Der Mensch sei Mensch nur, wo er spielt. Ich hatte nie ein Hobby, dazu fehlte mir immer die Zeit.
Wie viele Manager habe ich gearbeitet, wozu ich Lust hatte; dabei unter einem selbstgewählten Konkurrenzdruck, so dass für Muße eigentlich keine Luft war. Es gab in den Aktiengesellschaften aber auch andere. Ich hatte Vorstandskollegen mit Flugschein und eigenem Doppeldecker oder einem Golfhandicap, das nur erwirbt, wer ganztags auf dem Green lebt. Ich kannte einen Controller, der jeden Montag mit der Werksfliege nach Spanien flog, golfte und ab Mittwoch dann wieder im Büro war. Von den Ex-Pats und ihren Hobbys am Ende der Welt gar nicht zu reden.
Kommen wir zur Studienberatung: Machen Sie, junger Mann, was sie dann sehr gut können. Für junge Frauen gilt das doppelt. Und machen Sie es bis zur Erschöpfung. Nur Deppen reden von der „work-life-balance“. Nur Verlierer haben ein Hobby.