Logbuch
DELENDUM.
Etwas vollständig vernichten zu wollen, das heißt im Lateinischen kurz und böse: DELENDUM. Der Lateiner hat es gern kurz. Wird dadurch aber nicht besser.
Von dem römischen Politiker CATO DER ÄLTERE ist der Satz bekannt, dass er der Meinung sei, Karthago müsse zerstört werden. Er hat diese Auffassung gleichlautend an jede seiner Reden angefügt. Vermutlich bis seine Zeitgenossen es nicht mehr hören konnten. Und ihm Recht gaben.
Wir reden über eine Zeit, in der im Mittelmeerraum zwei Weltmächte um ihre Vorherrschaft kämpften; die Römer auf der italienischen Seite und die Karthager auf der afrikanischen, zeitweise einschließlich der spanischen. Das konkurrierende Karthago war von Rom in Feldzügen geschlagen worden; Waffenstillstand herrschte in einem trügerischen Frieden, fand CATO DER ÄLTERE und plädierte dafür, den Gegner restlos zu schleifen.
Man kann den großen Römer wegen seiner Rhetorik schätzen, aber als Kriegsherr ist er ein furchtbares Vorbild, vielleicht sogar verachtenswert. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Gerade lese ich auf Twitter, dass der stellvertretende Außenminister der Ukraine, ein in Berlin berücksichtigter Herr Melnyk, sich für die 50 Milliarden Dollar bedanke, die sein Land bisher an Unterstützung gegen den russischen Überfall erhalten habe, aber das reiche nicht, mahnt er. Man brauche das Zehnfache.
Jetzt der Satz: Dies stehe ja, so Melnyk, in keinem Verhältnis zu den Kosten des Zweiten Weltkrieges. So, ist das so? Darf ich als Deutscher die Zeilen Bertolt Brechts wiederholen, die er nach 1945 den unbedingt Kriegswilligen seiner Zeit ins Stammbuch schrieb?
„Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.“
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AVOCADO.
Sind die „Klimakleba“ bei Verstand oder ist diese Nötigung der Bürger ein Akt eklatanter Doppelmoral? Es gibt einen neuen Druck der Straße, nämlich den der Straßensperrung. Aus edlen Motiven. Ich respektiere diese Respektlosigkeit; dies ist ein freies Land.
Die südamerikanische Birne namens Avocado (in der Sprache der Nativen wegen der optischen Ähnlichkeit das Wort für „Hoden“) sorgt für Empörung, weil sie nach wasserintensiver Zucht aus Chile mit dem Flieger kommt, bevor die grüne Aktivistin sie vom Supermarkt mit ihrem Diesel-PKW nach Hause fährt und aus der Einwegpackung löst. Dazu trinkt sie Tee aus Vietnam. So jetzt geschehen in England, sagen SUN und TIMES. Über das Pharisäertum.
Wo beginnen wir? Als Pharisäer gelten uns Christen nach der Maßgabe der Bibel besonders engstirnige Juden, mit denen sich Jesus gestritten hat. Sie gelten als SCHEINHEILIG. Nun, ich schließe nicht aus, dass der Nazarener selbst einer der ihren war. Aber gut, reden wir über die SCHEINHEILIGEN der Klima-Aktivisten, die zum Widerstand gegen unsere Ausrottung durch den Klimawandel aufrufen. Kleiner als „Ausrottung“ haben sie es nicht.
Die rechtspopulistische Boulevardpresse hat in England eine der Gründerinnen beim Avocado-Kauf erwischt. Ich mag diese grüne Schmiere aus der chilenischen Butterbirne eh nicht. Das gilt aber als vegan, Butterersatz für Grüne, mag sein. Ein Kollege dieser Freundin der Hodenfrucht in England, auch einer der Gründungsväter, hat auch hierzulande erklärt, dass der Holocaust zu vernachlässigen sei, verglichen mit den Folgen des Klimawandels. Nun, das ist nicht mehr beiläufig und kein Pharisäerstreit.
Man mag das Mittel der Nötigung als einen probaten Weg der politischen Überzeugungsarbeit empfinden, die Avocado-Esser nennen es „zivilen Ungehorsam“, wenn sie uns die Bewegungsfreiheit nehmen. Und die gute Butter durch das vegane Mus der Hodenfrucht ersetzen. Aber über die Verharmlosung von Völkermord verhandeln wir nicht, schon gar nicht als Deutsche über den an den Juden Europas.
Die Freunde der grünen Schmiere haben politisch eine offene Flanke in den Faschismus; ganz ähnlich wie die Verqueren aus der Querdenker-Szene. Ich selbst habe eh nichts gegen Diesel-Fahrer und Fans der guten Butter aus Kuhmilch. Ich nehme auch noch die Ausweitung der Demonstrationsfreiheit in die Nötigung hin.
Solange das Grüne nicht braun wird. Diese Grenze wird aber gerade überschritten: das geht nicht.
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RESILIENZ.
Dieses neue Modewort meint Erholungsfähigkeit, Widerstandskraft. „Was mich nicht umbringt, das macht mich nur noch stärker!“ Siehe SpaceX. Das ist clever und irre zugleich.
Wir sehen einen Traum des kalifornischen Oligarchen am Himmel zerplatzen und ihn jubeln. Fast wie bei Alexis Sorbas: „So schön habe ich noch nie etwas zusammenbrechen sehen!“ Nach vier Minuten ist das gigantische Starship, das die Menschheit auf Mond und Mars bringen soll, ins Trudeln geraten und wurde gesprengt. Die Rakete funktioniert auf flüssigem Sauerstoff und Methan; die Resilienz auf PR. Ausschließlich.
Der ambitionierte Bure ist vor allem eines, ein Propaganda-Genie. Er drückte auf zwei rote Knöpfe; der eine sprengt das Raumschiff, der andere die Wahrnehmung dessen als Versagen. Eine riesige PR-Maschinerie läuft an, die das Unglück in Euphorie wendet. Alle Fachleute sind begeistert, dass der raketenbewehrte Reisebus überhaupt abgehoben hat. Welch ein Erfolg! Ein bisschen Schwund ist ja immer.
Erinnert mich an das sogenannte autonome Fahren des Batterie-Autos des Buren. Leider konnte es noch nicht zwischen Brücken und querstehenden LKWs unterscheiden, weshalb es, vermeintlich autonom eine Brücke unterfahrend, eine Schüssel unter einen Trailer donnerte, den Fahrer köpfend. Sprich den Passagier auf dem Fahrersitz; tatsächlich gelenkt hat das Ding ja der Rechner, der daraus mittels Datentransfer lernt. Kopflos nur der Fahrer.
Es stimmt, die Software ist inzwischen schlauer. Beim Batterie-Auto wie beim Reisebus zum Mars. Man muss das Verfahren „trial and error“ nur beschleunigen; irgendwann sind die möglichen Irrtümer aufgebraucht und die Wahrheit siegt. So geht „resilient“: wie bei Corona. Je schneller ein Volk durchseucht ist, desto immuner wird es. Ein bisschen Schwund … na ja, das hatten wir schon.
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PIEFKES.
Krähen ziehen schwirren Flugs zur Stadt, wohl dem, der jetzt noch Heimat hat. Das ist, wie mancher weiß, nicht von mir, sondern von Friedrich Nietzsche, der, was wenige wissen, ein deutscher Dichter war, der ohne weiteres vernachlässigt werden kann. Warum zitiere ich gleichwohl? Wegen den Herbst, wo wir jetzt haben.
Keine Jahreszeit hat unter den Lyrikern aller Zeiten mehr düstere Stimmungen hervorgerufen als der „fall“, wie der Amerikaner den „autumn “ nennt. Es greifen die Depressiven zur Feder. Na ja, sagen wir, die Larmoyanten; das ist nicht das Gleiche. Die Zugvögel sind raus und haben uns zurückgelassen. Altweibersommer. Vereinsamt.
Man neigt dazu, der Dichtung die Aufgabe zuzuordnen, als Seelenspiegel aufzutreten. Das aber ist schlechte Literatur. Gestern noch habe ich angemerkt, dass man Tagebücher nicht mit Tatsächlichkeiten zu füllen habe. Und mich selbst in die Tradition des großen Bert Brecht gestellt, dessen Elegien Politik machen wollten, nicht Sentimente.
Das war eine kolossale Unverschämtheit und enge Freunde empfanden Freude an der Frechheit dessen. Allen anderen sei versichert, es geht mir gut. Zu mehr fehlt mir das lyrische Talent. Aber haben Sie, verehrte Freunde, den Raum im Bundeskanzleramt gesehen, in dem unser Regierungschef mit denen Englands und Frankreichs den amerikanischen Präsidenten konferierten? Man tagte in einem profanen IKEA-Sammelsurium. Die Spitze des Westens in einer mediokren Innenarchitektur des Schwedenkitsch. Ich habe mich geschämt.
Aber so ist er ja, der Kleinbürger Scholz, ein gehobener Paria des Mittelständischen, der Scholzomat, eine mäßig verhüllte Sprechpuppe: Auftritt der IKEA-Kanzler. Darin liegt vielleicht das fundamentale Versagen der Ampel, Größe nicht mal vorgetäuscht zu haben. Darauf hätte das Volk aber einen Anspruch. Ganzjährig des Königs neue Kleider ist für unser Geld zu wenig.
Nachfrage: Werde ich jetzt bei dem Zensor, sprich dem grünen Präsidenten des Bundesnetzagentur, gemeldet? Dann würde ich als Schutzschrift hinterlegen wollen: Nicht ich machen den Staat lächerlich, mir läge an Erhabenheit. Die gibt es aber nicht bei IKEA.