Logbuch

GRADMESSER.

Es gibt Versprecher, die Freudschen, die eine geheime Absicht offenbaren. Oder ganz läppische, die nur Bindungsdefizite zeigen. Wie man einen Bock schießt.

Die amtierende Bundesministerin des Äußeren, die Völkerrechtlerin Baerbock, Grüne, hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz die Frage nach einem Waffenstillstand im Ukraine-Konflikt in einem bemühten Realschulenglisch dahingehend beantwortet, dass Putin sich dafür um 360 Grad drehen müsse.

Der Spot darüber scheint mir erlaubt, da man als Regierter schon wissen möchte, welch Geistes Kind die Regierenden sind. Es geht schließlich im Krieg und Frieden, also nicht wenig. Und neuerdings eine EU-Initiative, die Rüstungsindustrie endlich zur Produktionserhöhung zu motivieren; was gar nicht leicht scheint. Man könnte latenten Pazifismus attestieren, selbst in diesen Kreisen.

Das AA sollte ins Briefing für die Frau Ministerin das mit der Wassertemperatur aufnehmen. Wasser kocht bei 100 Grad, nicht bei 90. Man darf Wasser nämlich nicht mit dem Rechten Winkel verwechseln.

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PR & PROPAGANDA.

Der schottische Hütehund hört derart eindrucksvoll auf die Pfeifsignale seines Hirten, dass die BBC Stunden damit zubringen kann, deren Zusammenspiel darzustellen. Beitrag zu einer Kommunikationstheorie.

Verstehen sich Mensch und Tier, weil der Hund einer Sprache mächtig wird? Ich bin skeptisch. Er soll ja sogar das Minenspiel des Menschen lesen können. Wie weit darf die Vermenschlichung von Haustieren gehen? Die Wissenschaft spricht von Anthropomorphisierung. Vieles ist da pervers. Wenn der Hund im Bett mit „Frauchen“ schläft, liegt die Dame des Hauses faktisch im Hundekorb. Vertierung des Menschen. Und: Was zum Teufel ist ein „Leckerli“?

Also, der trainierende Hirte überformt das Triebverhalten des Wolfes in dem domestizierten Hund (nämlich das Rudel zusammenzuhalten) und begleitet dessen intuitives Verhalten konsequent mit unterschiedlichen Signalen, bis eine Reizkopplung eintritt. Pawlowscher Effekt. Da das reizgekoppelte Verhalten belohnt wird, lernt der Hund, wie er an das Wohlwollen seines Herrn kommt.

Das geht nicht mit allen Tieren. Hunde, auch Hündinnen, sind solch gehorsame Trottel, sprich Männer; Katzen dagegen Frauen; aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Der Hütehund buhlt um den Hirten und tut ihm den Gefallen mit den blöden Schafen. Und wenn er will, dann halt auch so, wie der gerade pfeift. Wenn er dann happy ist…

So geht übrigens auch Propaganda. Man überformt Triebverhalten für seine Zwecke und incentiviert es. Eine PR-Übung. Die blöden Hunde lechzen nach Leckerli, während sie die Schafe auf‘s Schafott führen. Der Hund hat Leckerli und der Hirte den Braten. Gelehrige Hunde der PR.

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DIE FLUCHT IN DIE DETAILS.

Immer wenn ich MIKROMANAGEMENT erlebe, die paranoide Kleinteiligkeit von Managern, die strategisch versagen, während sie sich im Operativen suhlen, denke ich an die Erdbeeren auf der Caine. Humphrey Bogart!

Wer erinnert sonst noch die „Erdbeer-Untersuchung“ (strawberry investigation), mit einer absoluten Starrolle des wunderbaren Humphrey Bogart in „The Caine Mutiny“, die Meuterei auf der Caine, deutscher Verleihtitel blödsinnigerweise „Die Caine war ihr Schicksal“? Ein kommandierender Kapitän verliert fast sein Schiff, weil er den großen Aufgaben nicht gewachsen scheint: „getting lost in detail!“

In der Kombüse waren Erdbeeren abhanden gekommen. Der COMMANDING LIEUTENANT tobte. Überhaupt ersetzte er Führung durch Disziplin, floh er vor der Strategie in die Taktik. Auch unter Gefechtsbedingungen und angesichts eines Taifuns, also vor den Feinden, der Naturgewalt und dem Gegner. Der Film und noch mehr der zugrundeliegende Roman enden nicht dort, beim paranoiden Kriegshelden.

Aber ich sehe noch immer den nervlich zerrütteten Kapitän vor mir, der drei Eisenkugeln in der nervösen Hand rollt. Die Marine hält übrigens, wie die christliche Seefahrt überhaupt, nichts von MEUTEREI. Das ging ja auch schon auf der Bounty schief; anderes Schiff, anderes Jahrhundert. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Militär funktioniert im Koordinatenkreuz von Befehl & Gehorsam (vertikal) und Kameradschaft (horizontal), wenn es gut geht. Auch wenn es schief geht. Und das geht es meistens. Eigentlich immer. Können wir noch mal über die Erdbeeren reden?

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HALBWISSEN.

Ich lese im Wartezimmer des Berliner Kassenarztes ein selbst gefertigtes Schild, nach dem man dem Weißkittel bitte nicht mit den Diagnosen von Doktor Google kommen möge. Frechheiten gelten am Ort als Ausweis von Esprit, sprich Kultur. Das ist übergriffig, aber ich verstehe, was die Seele des Quacksalbers gekränkt hat. Es gibt eine gemeinsame Klage von Ärzten und Anwälten, die mit allzu schlauen Mandanten zu tun hat. Es wird von den indignierten Fachleuten das Internet gerügt, was natürlich zu vordergründig ist.

Der vorinformierte Patient ist eine Konstante der Medizingeschichte; so wie der rechtskundige Mandant schon manchem Rechtsgelehrten die Laune ruiniert hat. Woran erkennt man den Heroen des Halbwissens? Am gnadenlosen Gebrauch von Fachbegriffen, die er aufgeschnappt hat und nun zum Nachweis seiner Expertise allerorten daherplappert. Man lese dazu von Jean Baptiste Poquelin das wunderbare Werk um den „bourgeois gentilhomme“, eine politische Posse um eingebildete Bildung.

Um Rat fragen zu können, das bedarf einer Haltung der Demut vor der Expertise, die ausgerechnet dummen Menschen gänzlich fehlt. Und es bedarf einer konzentrierten Vorbereitung, das in wenigen Worten klarer Sprache sagen zu können, was der Gelehrte noch nicht wissen kann. Das ist Laienpflicht. Stattdessen plappert der Halbgebildete frei nach Apotheken-Umschau von Anamnese und chronischer Hypochondritis oder belügt seinen eigenen Anwalt, weil der dann besser den Richter anschmieren kann. Zusätzlich noch Phrasen aus der Gratis-Kanzlei der Rechtsschutzversicherung. Das geht, man glaube mir, häufig schief.

Zurück zu Poquelin. Die Handlung um den geltungssüchtigen Spießbürger, der für einen Adeligen edler Abkunft gehalten werden will, und deshalb um Konversation wie bei Hofe bemüht ist, die ist genau genommen nur Nebenhandlung. Eigentlich geht es um einen Wettbewerb der Eitelkeit zwischen den muslimischen Osmanen und dem katholischen Franzosen, wobei der Konflikt weniger den Religionen geschuldet ist als Herrschaftsansprüchen. Ein kreuzmodernes Thema aus dem 17. Jahrhundert.

Darin der ironische Leitsatz: „Einbildung ist auch eine Bildung.“ Wäre auch ein Schild wert, etwa für die Anwaltskanzlei. Aber Ironie ist eine Falle.