Logbuch

TRAUMJOB.

Was wäre, wenn ich noch mal zwanzig oder dreißig wäre, mein Traumjob? Wohlgemerkt mit den beschränkten Fähigkeiten, die ich auch jetzt habe. Ich würde ein sehr erfolgreicher STRAFVERTEIDIGER.

Ich habe von Jus keine Ahnung, aber das hilft ja bei der Beschreibung von Träumen. Unser Strafrecht ist klug eingerichtet, weil es keinen Beschuldigten zwingt, sich selbst zu belasten. Nie muss man gegenüber dem Staat seine Unschuld beweisen. Der Angeklagte darf in seiner Sache sogar lügen. Es gibt in eigener Sache keine Pflicht zur WAHRHEIT.

Hier kriegen die ehrpusseligen PR-Leute schon die Krise. Dass Verteidigung das Recht zur Lüge einschließt, das überfordert ihre Nerven. Der Strafverteidiger selbst lügt natürlich nicht wissentlich und nie erkennbar vorsätzlich; er ist ja ein Institut der Rechtspflege. Er stellt die bescheuerte Frage nach der WAHRHEIT im Binnenverhältnis zum Mandanten nicht, jedenfalls nicht fundamental.

Jetzt wird es fachlich: Da ein bestimmter TATBESTAND immer zu einer bestimmten TAT führt, der eine STRAFE entspricht, fragt der kluge Anwalt nicht vorschnell nach dem TATBESTAND, also dieser Wahrheit. Er konstruiert einen SACHVERHALT, der zu einem gewünschten TATBESTAND führt, jedenfalls einen unerwünschten vermeidet. Er fragt nach der „Möglichkeit“ einer solchen WAHRHEIT. Das ist übrigens ein Begriff von Luhmann.

Hierin liegt der Charme dieses Berufes: Man muss nicht an die Unschuld des Mandanten glauben; man hat dessen Recht auf Verteidigung zu verteidigen. Die naive Frage nach der naiven Wahrheit spielt hier keine Rolle. Es ist völlig absurd anzunehmen, dass nur Unschuldslämmer im Wartezimmer der Kanzlei sitzen.

Jetzt geht es an‘s Eingemachte. Auch regelrechte Schurken? Tjo. Das Recht auf Verteidigung. Die Anklage vertritt der Staatsanwalt, das Urteil fällt der Richter. Diese drei (!) Rollen zu trennen, das ist nicht jedem gegeben. Bei den PR-Leuten läuft das meist mittels Selbsttäuschung; die belügen zunächst sich selbst, damit sie dann die Öffentlichkeit reinen Herzens täuschen können.

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OPFERSTATUS.

Die Emanzipation hat in manchen Kreisen und an manchen Orten stattgefunden. In Sonntagsreden allzumal. E-manu-cipere heißt "Aus-der Hand-nehmen". Sein Schicksal den Herren aus der Hand nehmen; in die eigene. Die Dienstbarkeit aufkündigen.

Mein Beruf ist Dienstleistung; wir werden für Service bezahlt. In einem "office date" beim Kunden ("Dienstbesprechung") kommt die Kundin (Frau, promoviert) etwas später und schaut sich nach einer Kaffeekanne um. Mein damaliger Mitarbeiter (Mann) sieht dem seelenruhig zu. Seine Chefin (auch Frau, auch promoviert) erhebt sich und bringt der Kundin einen Kaffee. Der Stoffel sieht der ganzen Szene, wie die Mädchen sich da behelfen, ungerührt zu. Ich ärgere mich, dass ich nicht schnell genug geschaltet habe und die Situation zu einem Exempel ausgenutzt. Der Stoffel ist übrigens nicht mehr bei uns.

Der Mitarbeiter der von Vodafone beauftragten Baufirma zur Verlegung der Glasfaserkabel hat den Hausanschluss gelegt und nimmt unaufgefordert am Küchentisch Platz, berichtet mir eine junge Frau, die das Haus alleine bewohnt. Und er sagt: "So, Frollein, dann können Sie mir jetzt mal einen Kaffee machen." Die Stille, die die Verdutzte produziert, nutzt er aus, um zu fragen, ob die Kaffeemaschine auch Kaput-Schino könne. Dabei streift er routiniert die Schuhe ab und sagt in Socken, auf dem Stuhl wippend: "Gemütlich haben Sie es hier, Frollein." Nie, niemals würde mir, einem alten weißen Mann, das passieren.

No big deal. Pussy duty. Also die Frage, wer den Kaffee zu holen hat.

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COUSINEN KULTUR.

Es gibt Leistungsträger und Anspruchsträger. Das eine sind die Köpfe, da andere die Ärsche der Parteien. Auch die Hinterteile wollen ein Beamtenkissen. Das gilt für alle Parteien.

Die Übernahme des Bundeswirtschaftsministeriums durch die Grünen hat dazu geführt, sagt mir BILD, dass alle Leitungsebenen mit der Nachhut des Ministers besetzt wurden.

Vetternwirtschaft. Wo Cousins und Cousinen nicht reichten, waren dann auch noch Trauzeugen dran. Ein Clan richtet sich also ein im Staat. Ist dies als Kritik an den Grünen lauter?

Gedankenspiel. Diese Sichtweise wäre natürlich berechtigt, wenn die FAMILIE aus der “Atom-Mafia“ stammte. Oder einem Wirtschaftszweig angehörten, der mit Kohle, Öl oder Gas zu tun hätte. Die geheimnisumwitterten FOSSIS.

Aber bei den ERNEUERBAREN sei das etwas anderes. Das sind doch die Guten. Die VETTERN im Wirtschaftsministerium wie die COUSINEN im Ministerium des Äußeren seien vom Fach und zwar dem richtigen, lese ich zur Verteidigung der Postenschieberei auf Twitter.

In der Parteiendemokratie wird im Proporz der Koalitionäre der Staat immer zur Beute der jeweiligen Entourage, die dann dort, wegen der Remanenz des Beamtenapparats, auch Regimewechsel überlebt und so den öffentlichen Dienst allmählich zum Spiegel der minderbegabten Gesellschaft werden lässt. Die Köpfe gehen, die auf den Kissen Sitzenden bleiben.

Darum sind häufige Machtwechsel so wichtig. Klar? Nur so hat jede Partei eine Chance all ihre Anspruchsträger auf die Kissen zu kriegen. Dass der öffentliche Dienst dabei immer breiter wird, ist leider unvermeidlich. Eine Nation der nachgelassenen Kissenpuper.

Das ist die eigentliche Klientelpolitik.

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SAMTKRAGEN.

Weil gefragt wurde: Man nehme im gefrorenen Glas einen doppelten Korn (das meint 4cl Korn zu 32 Umdrehungen, es meint nicht einen Doppelkorn) und setze über einen umgedrehten Löffel einen hochprozentigen Bonnekamp (48 Percent, zum Beispiel Underberg) vorsichtig auf. Stürzen, bevor der Samtkragen ins Klare diffundiert. Macht einen klaren Kopf und heilen Magen. In Maßen genießen, nicht in Massen. Heißt im Revier STAHL&EISEN. Glückauf!

Wir müssen jetzt mal unser Schulenglisch ein wenig auffrischen. Wenn man einen Kater hat, spricht der Inglese von „hang over“, eigentlich Überhang, aber eben der gängige Begriff für den Morgen danach. Prosecco vorne weg, Wein zum Essen, Likör zum Dessert, Bier zum Billard, Whisky zum Schluss. Am nächsten Morgen Sodbrennen und einen Mörder Schädel. Normal.

Wen aber nun noch schlechte Laune ereilt, Sorge und Angst, im Englischen „anxiety“, der hat, jetzt kommt es, HANGXIETY, als Begriff eine Kontraktionsform aus „hang over“ und „anxiety“. Bevor wir nun ins Neurologische absteigen: Es geht darum, für wenn man sich nach der „Über-Erfrischung“ (sagt der Schwede so) richtig scheiße fühlt und einen Moralischen kriegt. How to treat hangxiety.

Die von mir geschätzte TIMES geht dieser Frage gerade nach. Ein Neurologe wird bemüht, der die fehlende Balance von Botenstoffen ins Feld führt. Der Allohol führt zu einer Entspannung, die das Hirn bald als gefährlich empfindet und mittels Überproduktion seines Antipoden auszugleichen sucht. Wenn aber nun der Allohol schon abgebaut ist, die Euphorie also beendet, und die Glutamat genannten Botenstoffe noch immer produziert werden, dann geht die Stimmung ärschlings. Sagt der Doc in der TIMES. Man hat Kater oder eben HANGXIETY.

Die Ratschläge erspare ich uns. Nichts Hochprozentiges, kein Fizz, vorher fett essen und so weiter. Denn der Kern der Wissenschaft ist, man kriegt den Kater nicht vom Saufen, sondern davon, dass man plötzlich aufhört, das eigene Hirn das aber noch nicht einsieht. Der Entzug ist das Problem. Womit wir bei den Archetypen des Suffs sind.

Im finno-ugrischen Alkokolgürtel ist Trinkziel eine tiefe Ohnmacht („Filmriss“), während im mediterranen Typus das Genie in der Verzögerung liegt, mit der das Sprachzentrum getroffen wird; man säuft sich palavernd durch den Tag und dann die Nacht. Daher die Beliebtheit des Latin Lover in der Damenwelt; er kann länger. Und zwar labern. Die einschlägige Warnhinweise überlasse ich nun den Kommentatoren.