Logbuch
DER NÄCHSTE KANZLER.
Wer folgt auf den Sozialdemokraten Olaf Scholz als nächster Kanzler, sprich wer wird es nach der nächsten Bundestagswahl? Ein GRÜNER und zwar Robert Harprecht. Wir sind uns da sicher.
Diskussion vor Kommilitoninnen und Kommilitonen der Politischen Wissenschaften an der ehrwürdigen Universität zu Bonn am Rhein. Mit mir, dem Freischärler der Feder, auf dem Podium ein wirklich kluger und kreuznetter Chefredakteur einer wichtigen Regionalzeitung; Namen tun mal nichts zur Sache, weil ich ihn gleich für ein Urteil in Anspruch nehmen will, ohne dass ich das mit ihm abgestimmt hätte. Und ein ehrwürdiges Mitglied des Lehrkörpers. Ein Triumvirat also von Intellektuellen aus drei Generationen.
Der Ratschluss: Der nächste Kanzler wird ein GRÜNER. Frage der Parteienpräferenz. Die Grünen können inzwischen alles bedienen. Ich sage: alles vom Pazifisten bis zum Bellizisten… Und der Kanzler der Grünen wird dann ROBERT HAARPRACHT. Ja, der Kinderbuchautor aus dem Norden. Wenn ich sehe, mit welchem Fleiß sich Robert Hagenbeck von Entscheidung zu Entscheidung quält, wie er es kaum schafft, täglich zu duschen oder sich anständig zu kleiden, wie er ergraut. Sich verzehrend dient er. SERVIENDO CONSUMOR, so lautet der Lehrsatz des preußischen Beamten.
Seine Kollegin von den Grünen, die „aus dem Völkerrecht“, die spielt das lifestyle-Püppchen, sagt empathische Sätze, aber leidet sie? Ergraut sie? Verzehrt sie sich? Das alles ist natürlich nur meine Sicht der Dinge. Ich gehe immer eher vom Oberflächlichen her an die Dinge. Und kann mir keine Namen merken. Der Akademiker und der Journalist sehen das sachlicher. Kommen aber zum gleichen Urteil.
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WEISSER RITTER AUF TWITTER.
Elon Musk, der Multi-Milliardär, dem jetzt Twitter gehört, will die MEINUNGSFREIHEIT stärken, indem er dort die Anonymität von Personen und Robotern unterbindet. Das gefällt nicht jedem.
Reflexartig kommen die Einwände gegen einen offenen Marktplatz freier Menschen mit offenem Visier. Von links. Damit würden ohnehin marginalisierte Randgruppen dem offenen Hass ausgesetzt. Anonymität soll bleiben dürfen. Aber wohl nicht für jeden. Nur für die Guten. Wer also entscheidet künftig über den Zwang zum Klarnamen und das Recht auf Tarnung? TI alias Intransparency International? Oder Jan Böhmermann?
Das Angebot des Multi-Milliardärs ist in sich widersprüchlich. Der Algorithmus soll künftig öffentlich sein & alle Roboter kenntlich. Ein solches Versprechen kann man nur sehr naiven Menschen machen, die noch mit dem Abacus rechnen oder an den Fingern abzählen. Denn eine plausible Transparenz der KI gibt es nicht, weil sie per Definition „kontraintuitiv“ ist, eben nicht „plausibel“, oder „kausal“, sondern strikt „korrelativ“. Wer den Algorithmus aber als „open source“ offenbart, spricht eine Einladung an alle „spam bots“ aus; dem vodka-getränkten Missbrauch sind dann Tür und Tor geöffnet.
Ohnehin sind schon heute viele vermeintliche Roboter in den Sozialen Medien in Wirklichkeit nur einsinnige Menschen; das Analyse-Instrument taugt nichts. Man kann so doof sein, dass man wie eine Maschine wirkt. Noch entschieden dümmer. Hier läuft gerade ein ganzer Schwarm vom Wissenschaftler:Innen (sic) in die Irre. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Die haltungsjournalistische Blase ist seit längerem tiefenverwirrt über Elon Musk, einem Genie der Inszenierung. Er wirkt wie ein kiffender MAVERICK, ist aber hinter seiner Clowns-Maske die LOGIK DES KAPITALS in reinster Form. Ich kann das sagen; ich habe glaube nicht an die Batterie und habe alle drei Bände des KAPITALs von Karl Marx gelesen. Und verstanden.
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TWITTER-RITTER.
Die größte Plattform der Sozialen Medien ist von einem einzelnen Unternehmer gekauft worden. Böser Mythos: Citizen Kane. Das schreckt mich trotzdem weniger als jedwede öffentlich-rechtliche Alternative.
Twitter ist in Deutschland eine DELIBERATIVE Öffentlichkeit nach den Ansprüchen von Professor Habermas. Es herrscht ein links-liberaler Diskurs in der Tonalität der öffentlich-rechtlichen Medien. Eine Echo-Kammer. Dass diese haltungsjournalistische Blase jetzt ausgerechnet Elon Musk gehört, das ist echt von großer Ironie.
Wenn der neue Besitzer die Plattform auch noch „de-listed“, sprich von der Börse nimmt, wird dies ein sehr mächtiges Medium in der Hand eines ziemlich erratischen Kapitalisten. Und wer weiß, was eine Plattform wirklich ist, weiß dass sie unentrinnbar und schwer zu kontrollieren ist. Auf der Hut sein, Ihr Freischärler der Feder!
Aber der Traum der öffentlich-rechtlichen Blase, in Deutschland eine staatseigene Plattform zu schaffen, die dann ein Gremium von der intellektuellen Brillanz der WDR-Intendanz leitet oder der Deutschen Welle, dieser Traum schreckt mich.
Noch mehr lässt es mich in Furcht erstarren , dass Organisationen wie das Ruhrpott-CORRECTIV dort Vorzensur-Rechte erhoffen. Ja, ich fürchte DAVID SCHRAVEN an der Macht mehr als ELON MUSK. Letzterer hat mehr zu verlieren; er fürchtet meine Feder. Jedenfalls sollte er das. Jener aus Bottrop eher nicht.
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PÜNKTLICH.
Die Hallenuhr im Grandhotel an Edinburghs Hauptbahnhof geht fünf Minuten vor, damit man seinen Zug nicht verpasst. Das macht mich wahnsinnig; ich vergesse zuverlässig, ob sie nun vor oder nach geht. Im übrigen aus einer Zeit, da Pünktlichkeit und Bahn etwas miteinander zu tun hatten.
Der Engländer nennt es „in time“, also rechtzeitig, wenn man sein Ziel so erreicht, wie verabredet. Nun gelten insbesondere die Deutschen als pünktlich, was auf den unangenehmen Teil ihres Nationalcharakters einzahlt; sie gelten als Pedanten, denen solche Förmlichkeiten wichtig sind. Mir selbst ist vom Herrgott ein besonders großes Stück von diesem Kuchen zugeteilt worden: Ich bin immer zu früh. Und wer zu früh ist, ist eben auch unhöflich. Ich hasse es.
An der Uni gibt es einen Zusatz zum Termin, genau gesagt zwei: s.t. & c.t. für sine tempore und cum tempore, was Kirchenlatein ist und „ohne Zeit“ wie „mit Zeit“ meint. Im „akademischen Viertel“ verfügt man über 15 Minuten, die man den angebotenen Termin überschreiten kann. Oder eben nicht. Ich habe ein festes Meinungsbild von Studenten, die 16 Minuten nach Termin grußlos ins Seminar hasten und sich umständlich am Platz aus ihren Jacken schälen. Deren Hausarbeit lese ich immer.
Es entspricht für meine Begriffe nämlich einem tadellosen Benehmen zu einem geschäftlichen Termin fünf Minuten vor Termin zu erscheinen; bei akademischen c.t. zehn Minuten nach. So bleibt immer eine kurze, aber noch angemessene Zeit für die unvermeidlichen Umständlichkeiten. Anders bei privaten Einladungen; hier ist man fünf bis zehn Minuten zu spät, weil der Gastgeber nicht zu hetzen ist.
Meine Frau Mutter, die schon beim Gerechten weilt, wie Zaimoglu sagt, war, wenn sie ihre Kinder besuchte, immer eine halbe Stunde zu früh. Man war noch nicht angezogen, geschweige denn die Kinder, wenn sie, noch in Mantel und Hut, in die Küche vordrang, um Topfdeckel zu heben und das zu erkunden, von dem man ahnen konnte, dass es an nächsten Tag zu Verträglichkeitsproblemen bei ihr geführt haben werde. Sie konnte eine echte Nervensäge sein und würde es nicht schätzen, dass ich das hier erwähne.
Ein Freund erzählt mir von indischer Pünktlichkeit, die im Rahmen einer generellen Disziplinlosigkeit aberwitzige Ausmaße annehmen könne. Wenn ich im Süden Italiens wegen solcher geringfügigen Abweichungen auf die Uhr schaue, werde ich raunend Kartoffel genannt. Wie halten wir es also? Ich könnte meine Uhr fünf Minuten zurückstellen.