Logbuch

ELEMENTARSCHÄDEN.

Niemand versteht, warum der Flussanlieger keine Versicherung gegen Hochwasser kriegt. Sauerei. Ich bin kein Versicherungsfachmann, staune aber über die Debatte. Vorweg: Allen Flutopfern jede Hilfe und Gottes Segen. Aber wer hat geraten, so zu bauen, dass man damit der Natur trotzt?

Wenn jemand sein Haus nah am Ufer eines Flusses baut, von dem man geologisch wissen kann, dass er immer wieder über die Ufer tritt und dabei Täler schneidet, sprich Zerstörung anrichtet, dann geht er sehenden Auges ein Risiko ein, von dem er wissen kann, dass es bei ihm wahrscheinlich eintritt. Wer dagegen einen sicheren Ort zum Hausbau sucht, vermeidet dieses Risiko. Warum soll jetzt der Zweite eine Versicherung gegen die Risiken des Ersten mitfinanzieren? Er würde dessen Unvernunft doch quersubventionieren. Das ist die Debatte.

Wenn ein Gesamtrisiko insgesamt für eine Gemeinschaft erwartbar ist, es aber nicht absehbar ist, wen es aus der Gemeinschaft trifft, so kann es Sinn machen, dass jeder einen kleinen Beitrag in einen Topf legt, aus dem dann der seltene große Schaden beglichen wird, von dem man wusste, dass er im Prinzip passieren kann, aber nicht vorher sagen konnte, bei wem. Versicherung wäre dann eine kollektive Vorsorge für ein gemeinschaftlich zu erwartendes Risiko bei denen, die es individuell unerwarteterweise trifft. Unverschuldet.

Aus vielen Gesprächen mit Geschädigten weiß ich, dass man dann als Bürger vom Staat eine allgemeine Lebensfürsorge erwartet, insbesondere bei Schicksalsschlägen. Der Gott-hilf-Effekt. Wenn der dann nicht in Haftung geht, ist man empört. Im Osten wird das dann als typisches Versagen des Westens gelesen. Im Westen als Kapitalismus oder das übliche Staatsversagen. Wenn man ihn mal braucht, kneift er.

Und so ventiliert die Politik Parolen, wie man die Menschen (sic) vor der Natur schützen kann, wenn diese als Gewalt daherkommt. Das wäre aber immer bestenfalls eine Ersatzhandlung. Zuvorderst müsste doch die eigene Sorge stehen. Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott. Die Natur kennt keine Fürsorge, schon gar keine Idylle. Darum haben wir übrigens ein Dach über dem Kopf.

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ADDITIVE ENERGIEN.

Der einzige Backofen des Dorfes gehört mir; Backes genannt. Es gab nur einen je Dorf. Ich habe ihn bei der Renovierung eines Fachwerkhauses erhalten. Er erzählt eine Geschichte. Das knappste Gut der alten Zeiten war nicht das Korn für‘s Brot, sondern der Brennstoff zum Backen. Einmal die Woche wurde der Steinofen beheizt und die Dörfler brauchen ihren Laib, der hier gemeinschaftlich aufgebacken wurde.

Beheizt wurde mit Ästen, deren Sammeln in den Wäldern auch den Armen freigestellt war, kostenloses Brennmaterial. Die kalten Scheunen dieser Zeit waren groß wie Kirchen und die zu beheizenden Häuser winzig. Ein Dorf maß seine Kultur an der Anzahl der Feuerstellen. Energie war knapp, weil Licht, Kraft und Wärme. Knappheit als Wert. Das änderten die Kohle, das Öl, das Gas, dann die Kernkraft. Jeweils im Überfluss. Jedes in seiner Periode. Immer war die hohe Verfügbarkeit, sprich der geringe Preis, das Argument.

Knappheit treibt die Kosten. Billige Energie brachte Wohlstand. Das Argument hat sich verloren. Jetzt lese ich erstmals wieder bei einem französischen Multi: Man wolle die Menschen mit preisgünstiger Energie versorgen. Dazu nutze man alles, was es gibt. Fast kleinlaut die Anfügung, dass man dann irgendwann auch noch frei von Zeh-Oh-Zwei sei. Jedenfalls lese ich seit Jahren erstmals wieder, dass billige Energie Brot bedeutet, Wohlstand. Hier, nicht in China.

Unsere Energiepolitik ist zu einem vulgär-religiösen Institut geworden, jedenfalls ideologisch überlagert. Sie frönt der Vorstellung, dass es mit den erneuerbaren Energien eine vollständige Alternative gebe, die alles andere ersetze. Das mag irgendwann so sein. Für meine Zeiten und die der nächsten Generation wird es aber darum gehen, dass man alles nutzt, was man hat. Die Tesco-Regel: „Every little bit helps.“ Additive Energien eben.

Na gut, ohne die Energien des Bösen, Atom und Russengas. Das zweite haben andere uns verboten, das erste wir uns selbst. War beides wohl zu billig.

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DOPPELTES LOTTCHEN.

Mein Beruf hat einen Verband. Und da der deutsche Vereinsmeier das nicht ohne Vorstand kann, hat der Verband einen veritablen Vorstand plus, jetzt kommt es, einen Präsidenten. Wir reden von der Deutschen Public Relations Gesellschaft DPRG und ihrem obersten Öffentlichkeitsarbeiter, dessen Namen ich nicht zu nennen brauche, da er gerade zurückgetreten ist. Dazu hat die DPRG eine öffentliche Erklärung abgegeben, die an Peinlichkeit nicht zu überbieten ist. Offenbarungseid. Avanti dilletanti!

Da steht doch allen Ernstes, dass man zum plötzlichen Rücktritt des Präsidenten und dessen Ersatz durch zwei Vizepräsidentinnen Stillschweigen vereinbart habe. Kein Grund am Abgrund. Ich bin in dem Club nicht Mitglied, will aber sagen, dass der scheidende Präsident was getaugt hat: ein guter, integrer Mann von Format! Er ist rausgemobbt worden durch den sogenannten COMPLIANCE-Beauftragten der DPRG, ein Hanswurst; wie ich mich überzeugen konnte, wegen einer albernen Nichtigkeit. Neid ist das Motiv und Missgunst.

Vorwerfbar war diesem Präsidenten sein Engagement und ein Charakterkopf. Nichts, was auch nur den Hauch einer Vorteilsnahme berechtigt erscheinen ließe. Im Gegenteil. Aber so wie das jetzt gemacht wird, schwelt der Verdacht, dass es um silberne Löffel ginge. Warum wissen das die Trullas nicht, die da jetzt als Doppeltes Lottchen der PR agieren?

Mein Herr Vater, ein Freund der Spruchweisheiten, wies oft darauf hin, dass Schuster abgelaufene Absätze hätten und Schneider zu kurze Hosen. Die DPRG kann kein PR.

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WES BROT ICH ESS.

Ist es wieder süß und ehrenhaft, für das Vaterland zu sterben? Die Frage zieht ihre Berechtigung daraus, dass der grüne Diskurs des Zeitgeistes sich vom Naturpflegerischen zum Kriegerischen gewandelt hat. Dabei rufen auch jene an die Waffen, die ihre Biografie durch eine Kriegsdienstverweigerung geziert haben. Viele davon haben sich schlicht gedrückt. Das galt damals durchaus als ehrenhaft. Was ist passiert?

Überraschend auch, dass sich Experten in Waffenröcken, regelrechte Militärs, in Talkshows zurückhaltender äußern als grüne Greise, die einem anarchistisch geprägten Milieu entstammen, Putztruppe Frankfurt, oder dem Kommunistischen Bund Westdeutschland, Ortsgruppe Göttingen. Ich höre selbst aus dem Akademischen ganz und gar einfache Formeln von Freiheitsverteidigung einerseits und Kriegshetze andererseits. Das nennt der Akademiker „binären Reduktionismus“; meint banale Propagandaparolen von Gut und Böse. Kinder.

Die LINKS-Partei greift dabei auf zuverlässige Quellen zurück, unter anderem das „Kommunistische Manifest“ des Bärtigen aus Trier. Ich habe gerade noch mal reingeschaut. Darin der Satz, dass der Arbeiter kein Vaterland habe. Man könne dem Proletarier nicht nehmen, was er gar nicht besitze. Da kommen zwei Dinge zusammen, die Klassenkampflehre gegen die Bourgeoise und das anti-nationalistische Moment, weil die einfachen Leute unter Vortäuschung vermeintlicher Feinde zu den Waffen gerufen würden. Das könnte sein.

Es fällt mir schwer, dem Argument zu folgen, dass Russland nur eine Defensivmacht, der die NATO auf den Pelz gerückt sei; so wie es mir schwerfällt, die amerikanische Außenpolitik der letzten achtzig Jahre als nicht-hegemonial zu lesen. Überhaupt ist mir das alles zu allgemein, sprich zu hoch. Mich interessiert das Schicksal einfacher Leute, die in Frieden leben wollen, ein Dach über dem Kopf und das tägliche Brot auf dem Tisch. Keinen Herrn über sich und keinen Sklaven darunter.

Da gibt es für einige den Satz: „Ubi bene, ibi patria.“ Auf Deutsch: Wo es mir gut geht, da ist mein Vaterland. Das trifft all jene, die die ihre Heimat verlassen mussten, weil sie weder Dach noch Brot bot. Für den Süden Italiens hat das lange gegolten. Es lebten mehr Italiener im Ausland als daheim. Die Iren erzählen so etwas von ihrem Schicksal. Und es gab eben auch Armutsmigration aus Deutschland nach Amerika. Ubi bene, ibi patria. Eine Aufforderung, die Geschichte auch von unten nach oben zu erzählen.