Logbuch
NUR NOCH KÜNSTLICHE INTELLIGENZ.
Da wir als Erdlinge nicht wirklich fliegen können, ist das Vertrauen in Piloten groß. Die Passagiere („Paxe“) glauben an das Cockpit-Charisma. Der Nimbus des Cockpits ist weit größer als der eines gemeinen Busfahrers. Und weil das Schicksal so vieler Menschen in den Händen des Piloten liegt, da gibt es im Cockpit gleich zwei der Genies. Jedenfalls bisher. Pilot und Ko-Pilot. Der Ko-Pilot soll künftig durch KI ersetzt werden.
Durch Künstliche Intelligenz? Das ist doch ein verdammter Computer mit riskanter Software, oder? Zunächst will man das im Cargo einführen, erst später danach dann auch bei Passagierflügen. Ich lege an Bord mein Leben in die Hände eines Rechners? Eventuell auch noch eines chinesischen Geräts, auf das Hacker aus Leningrad Zugriff haben? Oder ein kalifornischer Oligarch? Happy landing.
Gemach. Auch jetzt schon fliegt der Computer. Die Frage ist nur, ob ihm bei seiner Arbeit ein oder zwei Menschen zusehen. Künftig also nur einer. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich den Tomatensaft von einer Roboter:in serviert bekomme. Ein Servier-Gerät mit langen Beinen. Jedenfalls in der ECONOMY, in BUSINESS wahrscheinlich weiterhin nette junge Frauen. In der FIRST macht es schon heute die Purser:in (so heißt die Vorgesetzte der Crew; im Jargon der HON-Paxe wird diese Dame FLUGOMA genannt).
Was ein HON-Pax ist? Mehr als ich, der ich brav und banal in der ersten Klasse sitze, weil die Firma es halt zahlt. Ein HON ist ein ausgesuchtes Mitglied der Spitzenkundengruppe, Top of the Pop in der FIRST. Sagt mir eine geneigte FLUGOMA: „Selten so schlechte Manieren gesehen wie bei HONs, Koks & Kaviar-Kavaliere, alles parfümierte Proleten“. Künstliche Prominenz. Na dann. Kann man gut und gerne mit Künstlicher Intelligenz fliegen, eh klar.
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DER BAUCH VON BERLIN.
Großstädte nähren sich aus Großmärkten. Legendär sind „les Halles“ in der französischen Metropole, die dem Roman von Emile Zola den Titel gegeben haben: Der Bauch von Paris. Ich erinnere einen ähnlichen Ort in London an den dortigen Schlachthöfen. In einem Restaurant gab es Knochenmark, das mit dünnen Löffeln aus den Beinknochen gelöffelt wurde. So lang wie Schullineale lagen die gerösteten Knochen auf den Tellern. Die Speisekarte hatte den Titel “nose to tail“, weil sie von den dort geschlachteten Tieren einfach alles servierten.
Im politischen Berlin ist für den Magen der Regierenden das BORCHARDT zuständig; von den ministerialen Schergen einfach nur “die Kantine“ genannt. Touristen, so sie in den Heiligen Hallen einen Platz ergattern, bestellen hier das sprichwörtliche Wiener Schnitzel; der kundige Thebaner weicht dem immer aus. Die Karte ist klein, aber wohlgewählt. Aber es soll heute nicht von KULINARISTIK die Rede sein. Im BORCHARDT fühlt man, ob das politische Berlin Bauchweh hat. Das ist der Fall.
Die AMPEL, die die Koalition der „Zeitenwende“ stellt, beruhte, das wissen die Insider, auf einem Einverständnis von Robert Habeck (Grüne) und Christian Lindner (FDP); das war der Nukleus. Hier wurde entschieden, dass man für dieses Bündnis von Gelb & Grün den SCHOLZOMATEN als Kanzler akzeptiert. Und Habeck die Dame mit dem Bullerbü-Ton im Ministerium des Äußersten als feministische Bellizistin wirken lässt. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Nun sagt mir mein Kellner im Bauch von Berlin, die Stimmung zwischen den Häusern sei schlecht. Er wirft dabei seine Stirn in Falten. Er meint das Wirtschafts- und das Finanzministerium, also Habeck und Lindner. Nach allem, was gesagt ist, ein schlechtes Zeichen. Jedenfalls kein gutes. Das gegenseitige Vertrauen schwinde, man belauere sich. Der Bauch von Berlin übersäuert. Rennie-Alarm!
Nun muss man dieser Regierung tatsächlich eines zu Gute halten: die jeweiligen Fraktionen muten ihren Parteien einiges zu. Das ist immer die Sollbruchstelle: Was hält die eigene Basis noch aus? So betrachtet geht es den Roten deutlich kommoder als den anderen beiden Farben. Die Sozen verteilen süße Placebos für ihre Anhänger, während die Liberalen und die Grünen vorwiegend bittere Medizin an ihre Klientel zu verabreichen haben. Der Erfolg des einen ist immer der Ärger des anderen.
Wir sind im BORCHARDT nicht sicher, wie lange das noch hält. Das macht uns Sorge. Keine Alternative in Sicht. Friedrich Merz, der leere Anzug, der verkehrt hier nicht.
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ES WERDE LICHT.
Der Weihnachtsbaum soll nicht leuchten, höre ich jetzt allenthalben. Und das geht nicht gegen die Wachskerzen, jene kleinen Freunde der Feuerwehr. Das gefällt mir nicht. Für mich sollen die Sterne leuchten. Oder Lampen.
Ich hatte in England einen wunderbaren Kollegen, wenn auch skurriler Prägung, der einen beheizten Swimmingpool sein Eigen nannte. Der gelernte Ingenieur hatte dazu seine Ölheizung erweitert; das Wasser des freien Außenpools lief im Keller einmal durch den Heizkessel, bevor es dann im Garten für mediterrane Wassertemperaturen sorgte, in einem nicht überdachten Teich. Paul zog in der Nähe von Oxford Palmen. Keine Ahnung, wie er an das Heizöl kam.
In meinem Dorf hat es mal einen rotgrün gestrickten Bürgermeister gegeben, der sich jede Woche mit neuen Ideen im Käseblättchen meldete. Unter anderem mit der, nachts die Straßenbeleuchtung abzustellen. Argument: wer nach Zehn noch durch‘s Dorf irre, wolle eh nicht gesehen werden. Es gab einen Aufschrei. Insbesondere Frauen fanden es nicht komisch, der Dunkelheit und dem entsprechenden Gesindel anvertraut zu werden. Klima hin oder her.
In früheren Zeiten, als wir noch nicht wussten, dass norwegisches Gas gut und russisches böse ist, gab es ohnehin die Überzeugung, dass Strom gar nicht in den WÄRMEMARKT gehöre. Zum Heizen verwendete man Fernwärme, Öl und Gas, aber nicht die edelste der Primärenergien, den Strom. Das hat sich grundlegend gewandelt. Mit der DEKARBONISIERUNG ist alles Fossile böse und der Strom gut, so er regenerativ erzeugt wird. Aber auch zur Raumheizung? Gehört grüner Strom in den Wärmemarkt? Ich bin nicht sicher.
Reden wir also über EFFIZIENZ. Wo wird Energie und besonders Strom verschwendet und wo eher nicht? Nun, über den Pool von Paul brauchen wir nicht zu reden. Ich fange jetzt nicht mit dem Strom für Autos an; geschenkt. Wer aber Asien kennt, weiß, dass dort Klimaanlagen den kostbaren Saft fressen und die Türen der Geschäfte sperrangelweit offen stehen, um die Passanten reinzulocken. Das ist wie bei Paul, oder? Aber es geht hierzulande ja nur um das deutsche Vorbild für die Welt. Dunkeldeutschland. Keine Pointe.
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EIN BISSCHEN FREIHEIT.
Da ist er wieder, dieser sperrige Begriff der fdGO. Er soll den Kern unserer Verfassung beschreiben. Das wäre ja eine wichtige Aufgabe, der man sich nicht so unbeholfen nähern sollte. Ich verstehe schon das erste Eigenschaftswort nicht: Was meint „freiheitlich“ in der „freiheitlichen demokratischen Grundordnung“? Oder ist es eine „freiheitlich demokratische Grundordnung“? Die Väter unserer Verfassung sprachen ein verquastes Deutsch.
Ist „freiheitlich“ eine Verkleinerungsform von „frei“ im Sinne von „ein wenig frei“? Warum ist die demokratische Grundordnung nur ein bisschen frei? Sie ist ja auch nicht nur ein bisschen rechtsstaatlich? Oder soll Demokratie nur ein klein wenig herrschen? Um diese Wortklaubereien mögen sich die Staatsrechtler kümmern, könnte man sagen. Sie sollen sagen, was liberal bedeutet; denn das ist ursprünglich gemeint.
Das mit den Experten der Verfassung hilft aber nicht. Ich traue auch den Schlapphüten bei den sogenannten Verfassungsschützern nicht. Oder den Parteipolitikern, die Grundsatzfragen zur Magd ihrer Machtgelüste machen. Nein, wir sind alle gefordert, uns eine Meinung zu bilden, wie wir leben wollen. Und das heißt dann auch, nach welchen Grundsätzen.
Deutscher ist der Inhaber eines politischen Privilegs, das der Staatsbürgerschaft, in die man geboren oder berufen werden kann, wenn man sich darum beworben hat. Mit Bio oder Rasse hat das gar nichts zu tun. Und natürlich kann man ein Leben führen, das der doppelten Staatsbürgerschaft bedarf. Deutscher, das ist ein rechtliches Privileg, das mit Pflichten verbunden ist.
Abzugrenzen von dem Völkischen der Nazis und ihrer Volksgemeinschaft, die staatlichen Terror nach ideologischen Vorgaben meinte; etwa autoritären Nationalismus der prinzipiellen Überlegenheit oder gar der Reinheit der Rasse. Es gelten immer und überall die Menschenrechte, zu vorderst das der Menschenwürde.
Was begrifflich so kompliziert klingt, wird einfach, wenn man konkret wird. Etwa der Frage des Deutschsprachigen. Wir haben drei Amtssprachen, deutsch, dänisch und sorbisch. Und aus. Zu Gericht, glaube ich, nur deutsch. Und aus. Wer Deutsch noch nicht so gut kann, kriegt einen Dolmetscher. Aber in der Regel gilt: Man spricht Deutsch. Keine Nischen. Ich finde, darauf könnte man sich einigen und zwar verbindlich. Die Schulpflicht beginnt damit. Auch das Bürgergeld. Ist das dann noch freiheitlich?