Logbuch
SATIRE. WAS SIE DARF.
Die Satire würde nie die MACHT loben, etwa die Unternehmer. Und die Unternommenen tadeln. Das ist gegen ihre Ehre. Sie ist im Herzen links. Aber eben auch klar im Kopf.
Nie würde ich die Regierung loben. Auch wenn sie einen gar nicht so üblen Job macht. Ich bin doch nicht der Regierungssprecher. Nie habe ich als PR-Chef meinen eigenen Boss gelobt. Nie. So geht gute Öffentlichkeitsarbeit nämlich nicht. Das galt uns intellektuell als billig. Werbung lobt. PR lobt nicht.
Immer habe ich, wenn es eben ging, für Spott über meine Gegner gesorgt. Und darauf geachtet, dass ich sie nicht als Person traf. Ein geschätzter Kollege, der leider für einen Scheißladen arbeitet… Vor allem aber kein böses Wort über Journalisten. Und, ganz wichtig, kein gutes. Wer die Jungfrau lobt, macht sie schon dadurch zum leichten Mädchen.
Das Motto der Windsors galt uns gegenüber der Presse: „Never explain, never complain!“ Sportsgeist: nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Auch bei gegnerischen Foulspiel. Und ich musste manchen Treffer unter der Gürtellinie verkraften. Ich habe mal eine PR-Abteilung übernommen, die als Motto auf einem Chart hatte „Zusammenarbeit mit der befreundeten Presse“; als ich das las, wusste ich, warum die todgeweiht waren. Man liebt seine Feinde, Punkt.
Die Beleidigungen des Donald Trump, aber auch die Entgleisungen dieses Böhmermann zu Köln, der rechte Hass und die vergiftende Propaganda sind übel im Kopf wie im Herzen. Vor allem im Kopf. Ich glaube, dass Karl Kraus und Christoph Lichtenberg aus anderem Holz waren. Irre ich?
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PLAUDERTASCHEN.
Warum reden wir miteinander? Oder simulieren das an Apparaten? Der weise HABERMAS glaubt, es ginge um den Austausch von Argumenten. Quatsch. Nur in seltenen Ausnahmen.
In hohem Alter hat einer der Päpste der Kommunikationswissenschaften noch mal versucht, seine Theorien aus den 60er, also von vor sechzig Jahren, aufzufrischen und unter den Bedingungen des Internets zu erläutern. Respekt. Wegen des hohen Alters.
Aber ich war nie sein Anhänger und werde es auch nicht mehr. Was er da als DELIBERATIVE DEMOKRATIE setzt, das ist normativ: eine Wunschvorstellung, noch immer und immer mehr. Er hält uns für abwägende Wesen, die ihre Vernunftbegabung nutzen, um im Austausch von Argumente zum gemeinschaftlich Guten zu finden. Das war 1960 „kontrafaktisch“ und wird es immer mehr.
Wir plaudern als kulturelles Handeln mit meist fernem Sinn. Das ist Handeln wie Tanzen, nicht wie ein Oberseminar. Der Mensch, das geschichtenerzählende Tier. Das begreift er nicht, obwohl die Erkenntnis durch die Social Media zur Legion geworden ist. HABERMAS nennt TRUMP, den er für eine Ausnahme hält.
Es gibt sie noch, jene ÖFFENTLICHKEIT, die er zur Regel machen will, als Ausnahme. Die Regel ist PROPAGANDA.
Die Frage ist jetzt nur: Wer sagt es ihm?
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MACHTFRAGEN. KRIEG.
Energiepolitik ist Machtpolitik. Es geht nicht um KOHLENWASSERSTOFF. Es geht darum, wer die Welt beherrscht. Genauer gesagt: einen wie großen Teil davon. FRIEDEN hat zwei Möglichkeiten.
Wer importabhängig und energiehungrig ist, hat geopolitisch zwei Chancen. Die erste liegt darin, das zu mildern. Deshalb sind ERNEUERBARE und EFFIZIENZ eben auch politisch und ökonomisch richtig. Auf jedes Dach Solar, na klar. Für mich ist das der kluge Kern der Energiewende.
Und die Kernenergie ist eine Chance, wenn man sie sicher betreiben kann; sie also Teil eines militärisch-industriellen Komplexes ist. Siehe Frankreich. In einem gefährlichen Sinne ist sie dann eine HEIMISCHE ENERGIE. Wie die KOHLE. Ja, ich weiß.
Die zweite Chance liegt in einer DIVERSIFIZIERUNG der Quellen, wenn man schon importieren muss. Soviel Gas aus Norwegen wie geht. STEINKOHLE aus Australien. Und möglichst geringes Interventionspotential für Transitländer. Direktleitungen machen großen Sinn. Und die Erweiterung der Erdgaslogistik durch Wasserstoff.
Maximale Nutzung der heimischen Energieträger und ein Welthandel ohne Gefahr der Oligopolbildung, jedenfalls ein ausbalanciertes Bezugs-Portfolio. Das ist ein Gedanke, eigentlich zwei. Auf die sofort zehn Einwendungen folgen oder zwanzig. Aber es ist ein Gedanke.
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RUND UM SORGLOS.
Sprache ist ein Verräter, immer. Sie teilt stets mehr mit, als sie eigentlich sollte. Nun sind es nicht nur die Münder, die plappern, sondern auch die Ohren, die man aufstellen können muss. Ich reagiere auf bestimmte Redewendungen allergisch. Etwa auf jene Werbesprüche, die ein Rundumsorglos-Paket zu bieten geloben. Unerträglich.
Dabei stört mich sprachlich schon diese Betulichkeit der Nachkriegszeit, mit der der Schoko-Pudding von Doktor Oetker daherkam und Muttis Backpulver oder Miele, die weiß, was Frauen wünschen. Nirgendwo ist Deutschland piefiger als in Ostwestfalen, wo die Bertelsmänner Hof halten. Dort stand die Wiege der kleinbürgerlichen Rundumsorglosigkeit.
Nicht zufällig haben es die Vertriebsdeppen der grünen Spießigkeit aufgegriffen, deren Schulbänke in Bielefeld standen und deren Hörsäle in Vallendar; das ist bei Koblenz am Rhein, wo der minderbegabte Pinsel von Papas Geld Ökonomie studierte. Noch so ein schwarzes Loch des mentalen Mittelmaßes. Hier studierte, wer dann ENPAL gründete, die Wiege der grünen Wende mit Solardächlein und Wärmepümpchen. Dazu lese ich gerade einen Verriss bei Gabor Steingart (auch aus Bielefeld).
Mich stört nicht, dass ein Start Up die Backen aufbläst und Wind macht. Ich bin da zurückhaltend, weil ich um meine Rückständigkeit weiß. Ich heize auf dem Land mit Buche und sorge so, dass der Wald nicht stirbt, weil der Forst ihn erhält. Dass der deutsche Wald aber des Försters bedarf, das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Es geht zuvor um die vollständige Sorglosigkeit, die laut Enpal ein koreanischer Kompressor und ein chinesisches Panel mir bringen sollen.
Der Anlass liegt im Diabolischen des Karbons, das zu entsorgen die Valium-Visionäre von Enpal mir versprechen. Sei ohne Sorge, sagen sie. Sei gänzlich entsorgt. Ist es das, was ich sein will? Bar jeder Sorge? Man lese bitte das wunderbare Gedicht von Ingeborg Bachmann mit dem Titel REKLAME und verstumme.
Wir ersparen uns angesichts so großer Lyrik die naheliegende Ironie darüber, dass der Herr über das Rundumsorglospaket der hier gescholtenen Firma ausgerechnet MARIO KOHLE heißt. Jedenfalls möchte ich religiöse Grundsatzfragen nicht von einem Heizungsbauer behandelt wissen. Auch wenn dem Installatör ja eigentlich nix zu schwör ist.