Logbuch
TRAINERWECHSEL.
Wenn die Mannschaft keine Tore schießt, muss der Trainer gehen. Das ist für ihn keine Schande. So soll das beim Fußball notorisch sein; ich habe aber eigentlich keine Ahnung von den Gepflogenheiten dort. Mich hat immer irritiert, dass beim Profikicken ausschließlich ehemalige Spieler zu höheren Ehren kommen. Das ist kein industrielles Prinzip; es stammt aus der Organisierten Kriminalität. Wie so manches andere auch.
Man soll übrigens die Clankriminalität nicht mehr so nennen, sagt Frau Künast (Grüne), weil es in den Clans auch Mitglieder gebe, die nicht kriminell seien. Tja, so ist das, wenn man nicht weiß, was „eineindeutig“ von „eindeutig“ unterscheidet. Clan ist nur eindeutig. Der Begriff sagt, dass alle Kriminellen dieser Bande verwandt sind; er sagt nicht, dass alle dortigen Verwandten kriminell sind. Die Grünen sind wie immer im Ton rigoros, aber schwach in Logik, eben sprachverwirrt, weil denkschwach.
Es geht mir aber gar nicht um OK oder um Fusseck (was eindeutig das gleiche ist), sondern um die morgendliche Mitteilung, dass ein hochgestimmter PR-Chef geschasst worden ist. Das passiert. Der heutige hat es für seine Verhältnisse ohnehin weit gebracht. Jetzt aber: er gehe auf eigenen Wunsch, heißt es, weil er mal eine andere Branche wünsche. Und dann lobt ihn sein bisheriger Chef über den grünen Klee.
Ich hoffe, dass es dem Kollegen persönlich gut geht; er ist ein Talent eher des unteren Drittels, vielleicht mittlerer Güte, aber ein netter Kerl. Alles Gute! Wenn sein alter Chef, der ihn gerade „freiwillig“ zurücktreten lässt, aber dabei doch noch öffentlich derart lobt, so weiß man als Insider vor allem eines: Der Auflösungsvertrag ist nicht ausverhandelt. Da wäre noch ne Million drin gewesen.
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HACKEPETER.
Gehacktes geht als Hamburger um die Welt und erfreut als Bulette den hungrigen Handwerker. Für die Ösis unter uns: faschierte Laibchen. Dem Bayern das Fleischpflanzerl. Der Berliner aber hat das ekligste Gericht kreiert, das Mettbrötchen.
Rohes Schweinefleisch wird gewiegt (nicht: gewogen), klassisch mit dem Wiegemesser, meist aber dem Fleischwolf, womit es nicht nur kurzfaseriger wird, also vorverdaut, sondern sich vor allen seine Oberfläche dramatisch vergrößert. Das freut die gemeine Trichine, aber auch andere Gäste, insbesondere den hinterhältigen Botox, der sich nachts vermehrt, wenn das zurückgestellte Mett im Stillen nachreift.
Zur Übertünchung der urinhaften Ebernote kommen Pfeffer und Salz, vor allem aber gehackte rohe Zwiebeln auf das Mettbrötchen, Gurke kann noch und Knoblauch. Gegessen wird mit großen Bissen aus der Hand. Rohes Schwein. Nur Pute finde ich ekliger. Obwohl ich noch kürzlich bei Corina das Kalbstartar genommen habe; logisch, auch roh.
Wozu ist das Feuer erfunden? Richtig, zum Durchbraten. Obwohl ich mein Steak „medium rare“ nehme, also fast noch blutig. Könnte man auch drüber nachdenken. Kurzum: Schwein nur als Bulette oder als Schinken, hauchdünn wie Negligés. Hackepeter geht gar nicht.
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WIE IN EINER UTOPIE.
Auf einem Kongress von AUTO MOTOR SPORT vorgestern den fabelhaften Bernd Ostmann wiedergetroffen; eine journalistische Ikone. Die großartige Birgit Priemer hatte mir eine Karte besorgt. Ein hybrider Kongress, der Bundesverkehrsminister von der FDP lediglich zugeschaltet. Schade, ich hätte mir gewünscht, der hätte mit der Bahn (sein Ressort) von Berlin nach Stuttgart gemusst und zurück.
Ich darf gestern also von der Stuttgarter Messe nach Berlin. Ich fliege. Man läuft von der Messehalle fünf Minuten bis in die Abflughalle. Drei Terminals fertigen die Sicherheit ab. Da ich mittels knappem Aufpreis so ein Premiumticket habe (Business gibt es nicht mehr), lässt mich der „Fast Lane Schalter“ ohne Schlange rein. Unvermittelt Computer raus und Jacke aus. Da bin ich keine zehn Minuten in dem Gebäude.
Sicherheit freundlich gestimmt. Das gibt es auch? Ganzkörperscan und Glückwunsch zum Knie aus Chrom. Nach fünfzehn Minuten drin. Ordentliches Sandwich für unter fünf Euro, Kaffee stark. Am Gate zügige Abfertigung. Mit dem Bus zum Flieger. Eurowings, eine Lufthansa mit grottenhässlichen Uniformen, aber altem Charme.
Frage wg. Sitzplatz nach „1 Cäsar“; die Purserin lächelt, hat sie nicht. Ob ich auch „1 Charly“ nehme. Ich sitze mit reichlich Beinfreiheit. Flieger geht pünktlich ab. Ich schlafe eine knappe Stunde. Zum ersten Mal auf dem BER gelandet. Weitläufig, aber auf Lauf-Bändern. Aufgeräumt. Eigens ausgewiesener Taxi-Ausgang. Kein Gedrängel. Ordentlicher Mercedes mit Berufskraftfahrer. 50 € später am Ziel. Gesamtfahrzeit drei Stunden. Kein Stress, Nickerchen gemacht.
Also alles, wie es sein sollte. Nach einem solchen Erlebnis ermisst man wieder, was die Bahn uns tagtäglich antut. Dass Frau Baerbock ihr Amt nicht aus dem Lastenfahrrad macht, das verstehe ich, auch wenn ich mir verarscht vorkomme, wenn sie Bus fährt, den Flieger aber hinterherkommen lässt. Wer „Fox News“ beeindrucken will, braucht einen gewissen Inszenierungsaufwand. Das ist der reaktionäre US-Sender, auf dem sie China demütigt. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Die Bahn gehört dem Bund und das Ressort haben die Liberalen. Herr Wissing sollte deshalb Bahnfahren müssen. Er wäre heute Morgen noch nicht aus Stuttgart zurück, weil er in Wiesbaden zwischenübernachten musste.
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GASTFREUNDSCHAFT.
In einer verfallenden Provinzstadt namens Trier bleibt für ein Dinner nur der Chinese; eines jener Lokale, die eigentlich ganztägig aus dem Wok zaubern, was die Tiefkühltruhe so hergibt. Die Speisekarte umfasst gut einhundert Gerichte; man ist gut beraten „Acht Köstligkeiten“ zu bestellen, weil man dann von allem etwas hat. Ich nehme dazu geblatene Leisnudeln. Schließlich ist man hier nicht in der Schlemmereule oder dem Bagatelle.
Wir hatten einen Tisch um acht und waren um zehn nach zehn wieder auf der Straße. Und das ging so. Um 21.30 h fragt die freundliche junge Dame, ob wir, die wir mit dem Hauptgang gerade fertig sind, noch Heißgetränk mögen täten, weil man jetzt die Maschinen sauber machen wolle. Es wird verwundert verneint. Eine Viertelstunde später ist der Service wieder am Tisch. Ich höre die aus dem England meiner Studentenjahre bekannte Ansage der „last calls“. Kaltgetränk, eh klar.
Die letzte Runde der Getränke ist um 21.55 h am Tisch. Exakt fünf Minuten später wird an den Nachbartischen schon mal das Besteck für den Folgetag ausgelegt. Lautes Gespräch zwischen dem damit beschäftigten Personal. Um 22.00h steht die Restaurantleiterin mit einem Kreditkartenterminal am Tisch und kreischt das, was der Franzose die Addition nennt.
Zehn nach zehn auf dem Trottoir. Wir sind die letzten.
Wir hatten den zweiten „slot“; man kann auch den ersten kriegen, der ist von 18.00 bis 20.00 h. Ich kenne das aus New York, wo zwischen „first and second serving“ strikt geschieden wird und man um 19.55 h an die Bar gebeten wird, weil der Tisch frei werden muss. Na gut, the big apple. Aber in Trier? Im Great Wall?
Die Restauration verlernt Gastlichkeit. Ich bin schon genervt, wenn ich meine Buchung im Netz über ein verqueres System, das mich nach dem Grund meines Besuches fragt, einen Tag zuvor noch mal eigens bestätigen darf. Mittlerweile hat auch der Besuch selbst etwas vom Zählappell beim Barras. Essen fassen und wegtreten!
In Köln erinnere ich einen Franzosen, der mich sehenden Auges im Regen vor der Tür hat stehen lassen, weil man ja noch den Boden wischen müsse. Pudelnass durfte ich dann rein. Inzwischen hat der Bumms nur noch Mittags auf. Soll so sein. Als Mann von Welt richtet man sich gern nach dem Personal. Ich könnte nun den Unterschied von Manieren und Etikette erklären, aber warum sollte ich? Ich mach mir zuhause ein Butterbrot. Und was noch so im Kühlschrank ist. Nennt sich „girls‘ dinner“ und ist eine fabelhafte Idee.