Logbuch

CHEMIE.

In unseren Gärten hat sich an verschiedensten Orten, vornehmlich in Töpfen, eine Zierpflanze breit gemacht, die geduldet wurde, weil sie als blühendes Wesen ganz nett anzusehen war. Sie erweist sich jetzt aber als invasiv. Sie weiß andere Pflanzungen regelrecht zu ruinieren. Es handelt sich um „Germanium robertianum“. Im Volksmund STINKENDER STORCHSCHNABEL genannt; auch kurz STINKSTORCHSCHNABEL. Sachen gibt´s.

Und das nach der Invasion des „Cydalima perspectalis“, der den Buchs an Hecke, Zierstrauch wie Bäumchen kahl frisst, ratzekahl. Eine importierter ostasiatischer Schmetterling, der als Raupe den BUCHSBAUMZÜNSLER gibt. War mit lauwarmem Brennnesselsud nicht zu bekämpfen. Und jetzt ein stinkender Storchenschnabel. Ich will CHEMIE.

Logbuch

DIE FRAU DOKTOR.

Früher hieß die Ehefrau des Arztes „Frau Doktor“, kein Mensch hat da die Doktorarbeit sehen wollen. Es war protokollarisch und sollte eine Ehrbezeugung sein. Beim Metzger hieß es beim Aufschnittabwiegen dann: „Darf es etwas mehr sein, Frau Doktor?“ Zum Skalpell hat sie allerdings nicht gegriffen, die Doktorengattin. Es gibt einen Unterschied von EITELKEIT zum TITELMISSBRAUCH oder dem BETRUG, der der Hochstaplerin vorzuwerfen wäre.

Episode mit einer GRÜNEN, die bald Bundespräsidentin sein könnte. Vor Jahrzehnten saß ich beim Bundespresseball neben Katrin Göring-Eckhard von den Grünen, die mir als evangelische Pfarrerin in Erinnerung war. Ich sprach das an. Sie stellte sofort fest, dass Ihr Gatte, der bärtige Isegrimm neben ihr, der Pfarrer sei, und sie nur „fromm“. Studium abgebrochen. Kluge Frau mit Humor. Trug lange weiße Handschuhe. War ein netter Abend. Sie tanzt (im Gegensatz zu mir) hervorragend (erblich vorbelastet, sagte sie).

Was Anna-Lena Baerbock, die sich gerade ins Kanzleramt stolpert, betrieben hat, nennt sich „pimp your CV“, zu Deutsch: Möbel Deinen Lebenslauf auf! Der männliche Konkurrent Habeck, sagte sie im internen Wahlkampf, sei ein Bauerntölpel, sie aber „komme aus dem Völkerrecht“, ein beachtlicher Euphemismus. Wohl kein BETRUG oder TITELMISSBRAUCH, halt nur recht eitel. Keine faustdicken Lügen, nur ein wenig Aufgehübschtes. Befund: Die Vita wie die Frisur, schlecht gefärbt.

Ich nenne das „die Toupet-Theorie“ (nach dem peinlich wirkenden Haarteil, das eine Glatze verbergen soll, aber sie eigentlich erst kenntlich macht). Wir wollen die Wahrheit ungeschminkt, ohne Perücke. Kein Antlitz kann von Natur so peinlich sein wie ein schlecht aufgesetztes schlechtes Make Up. Aber zur ungeschminkten Wahrheit gehört eben Mut. Es fehlt der Dame Baerbock vermutlich, das steht heute in den Zeitungen zur Debatte, an CHARAKTER.

Logbuch

EASY LIKE SUNDAY MORNING.

Ich war gestern im Logbuch zu negativ. Vergessen wir die dort zitierten Reiter der Apokalypse. Mit dem „Home Office“ ist jeder Wochentag ein Sonntag. Im Schlafanzug frühstücken, in die Sonne, wenn sie scheint. Oder die Sauna, wenn es regnet. Oder mit dem Hund raus. Hier bei mir DAHEIM. Heimarbeit kommt von HEIMAT. So hat man sich die Hütte eines Dichters, seinen „locus amoenus“ (lieblicher Ort) vorgestellt, als ein REFUGIUM.

Wir verweigern das Kontor. Nie mehr ins „office“! Warum müssen Arbeitsplätze eine solche Ödnis sein wie die elenden Büros? In diesen Akten-Archipelen stirbt jede Ambition; es bleibt nur Bürokratie und ab und zu ein Getränkeautomat. Zuhause schaffen wir uns ein Atelier. Aus dem Aktenknecht und der Tippse werden Künstlerin und Künstler. Und ab und zu eine Muse. So wird ungeahnte Kreativität frei!

EASY LIKE SUNDAY MORNING. Welch eine Idylle. Ja, ich gebe zu, dass dieser Eintrag ins Logbuch unter Zwang zustande gekommen ist. Antje hatte sich gemeldet. Ich solle mal was positives schreiben, was optimistisches. Also habe ich mein Schriftstellertalent unter die Laterne gestellt. Ein guter Mann kann ruhig zwei oder drei Meinungen haben, hat Kipling gesagt.

Logbuch

SCHLAFMASCHINEN MIT KAKAO.

In der Hotelbranche hat ein neuer Trend Platz gegriffen, der in kleinsten Zimmern ein riesengroßes Bett bietet und sonst fast nichts. Dem so auf das Wesentliche beschränkten Gast lockt eine großzügige Lobby und ein Billigpreis, meinst unter hundert Euro. Ich habe, was ich will, nämlich vier bis sechs ordentliche Kopfkissen und eine Bar, die niemals schließt. Die neuen Wohnmaschinen legen Wert auf ein schlankes Management und ein radikal reduziertes Angebot. Easy go.

Man nennt sich Motel One und The Cloud oder aus englischer Hand Premier Inn. Und man sollte erwarten, dass hier jener Teil der Reisenden übernachtet, bei dem die Kasse etwas knapper ist. Nicht gerade Rucksacktouristen, aber doch eben kleine Leute. Ich schlendre durch die Parkgarage eines Hamburger Hauses dieser Kette und staune. Vom Stock -1 bis runter zu -6 ausschließlich Fahrzeuge der Oberklasse. Hier parken Leute, die durchaus Geld haben und das auch zeigen wollen. Warum machen die Budgeting? Ich habe eine Vermutung.

Diese Klientel ist das piefige Palaver leid, das Fünfsterner um ihre abgerockten Betten in Junior Suiten machen, in denen eine versüffte Minibar die ganz Nacht brummt und der Blick auf die Promenade mit dem Dreifachen zu entlohnen ist. Die Öffnungszeiten von Restaurant und Bar sind komplizierter als jeder Behördenalltag. Der Ober ein Pinsel und das Angebot an Convenience Food schlicht Wucher. Die ganze Bude riecht nach Heinz Rühmann.

Der erfahrene Handlungsreisende weiß ohnehin, dass der Niedergang des Hoteliergewerbes mit der Trennung von Schlaf- und Beischlafgelegenheit begann. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Ich bin an der Alster meines Lieblingshotels verlustig gegangen, weil die Besitzerfamilie, in zweiter Generation geschieden, sich ihre Kinder mittels Organisierter Kriminalität gegenseitig entführt und laut Boulevardpresse mit ihren halbseidenen Unterstützern bei Gericht liegt. Im Restaurant dinieren mittlerweile Jackenjungs, wenn man bitte erahnen möchte, was ich meine. Nicht so ganz meine Welt; jedenfalls verkehren hier keine Hanseaten, die bei Ladage & Oelke kaufen.

Was sage ich? Das Bürgertum kauft heutzutage bei ALDI. Und fährt vor im dicken AUDI. Es tankt bei JET, weil ihm ESSO stinkt. Man trägt den Pelz nach innen. Übrigens kostet ein erstklassiger Gin&Tonic mit Elefant Orange Cacao Gin im MOTEL ONE keine 15 €. Von dem, was Du beim Übernachtungspreis gespart hast, kannst Du Dir gut gerne zwanzig G&T leisten; das sind 120 cl Gin mit einem wunderbaren Kakao-Aroma.