Logbuch

LEIBSPEISE.

Gestern aus einem örtlichen Lieblingsrestaurant italienischer Prägung geholt: Kalbsleber, in Salbeibutter gebraten, Kartoffelstampf mit Trüffeln, Salat, Mandelkuchen. Köstlich. Wirklich großartig. Adresse des wunderbaren Lokals am Alten Bahnhof nur an Freunde, weil Geheimtipp. Dann, zum Wein, die Idee, dass die Völker Europas jenes Gericht zu einem idealen Dinner beitragen sollten, das sie erwiesenermaßen besonders gut können.
Das darf dann ein Kotelett vom iberischen Schwein sein, das mit Kastanien genährt wurde. Oder ein „Knochen mit Loch“, Ossobuco, aus Italien, eine geschmorte Kalbshaxe. Oder zum Falschen Filet, dem sogenannten Bürgermeisterstück, mit Pommes und kleinem Salat, die berühmte Sauce Bernaise, der Pariser Mittagstisch, dort als Filet verkauft.
Der Schotte kann Haggis, dazu füllt er einen Schafsmagen mit Lunge, Leber, Herz, Nierenfett und Hafermehl; das ganze scharf gewürzt und lange im Wasserbad gekocht. Man kann ja BLANCHIEREN, SIEDEN, KOCHEN oder SCHMOREN, neben dem BRATEN oder RÖSTEN. Siehe Claude Levi-Strauß. Oder aber VERGÄREN. Im Tierreich gibt es noch den Aasfresser. All das hilft, die Eiweiße zu knacken. Der Schwede empfiehlt dazu die Milchsäuregärung.
Der saure Hering, SURSTRÖMING genannt, ist ein in Salzlake eingelegter und von Milchsäurebakterien in Gärung gebrachter Fisch, der die Konservendose fast zu spurenden droht, zu dem die Eingeborenen angeblich Buttermilch trinken, faktisch Bier und selbstgebrannten Schnaps. Der Geruch ist sehr intensiv, wie bei Fäulnisprozessen mit Buttersäure zu erwarten. Man nimmt zu den begleitenden Kartoffeln eine große Portion roher Zwiebeln. Gibt es in der IKEA-Kantine aber wohl nicht.

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SCHEINRIESE SPD.

Im Bund liegen SPD und FDP gleich auf, jeweils bei 12 oder 13%. Die Liberalen könnten die Sozis erstmals überholen. Trotzdem will OLAF OHNE LAND gern Kanzler werden. Na servus. Es ist grotesk.
In Sachsen ist die AfD die stärkste politische Kraft, noch vor der Union.
Die SPD liegt bei 6%. Sie könnte hier erstmals sogar an der 5%-Hürde scheitern. Trotzdem will OLAF OHNE LAND ... Aber das hatten wir ja schon. Es ist grotesk.
Froh sind die Sozialdemokraten als Partei, sich solcher Figuren wie SCHMIDT oder SCHRÖDER oder GABRIEL entledigt zu haben, die ihr gut und gerne ein Drittel aller Stimmen einbrachten. Als sie sich noch als DIENER des GEMEINWESENS verstand.
Jetzt will der SPD-Vorsitzende, nach dem Ende von Kernenergie und Kohle und dem Aus für Benzin und Diesel und Öl, auch noch aus der Versorgung mit russischem Erdgas aussteigen. Er sei, sagt er, gegen die direkte Versorgung Deutschlands über North Stream 2. Sag leise SERVUS zum Abschied. Servus heißt übrigens DIENER.

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JARGON.

Der legendäre Dichter und Komponist Bob Dylan nannte sich einen „song and dance man“. Schlicht und klar, natürlich untertreibend, die Bescheidenheit der Könige. Der Jahrhundertdichter Bertolt Brecht bezeichnete seine antiaristotelischen Dramen als „Stücke“ und trug als Berufsbezeichnung: „Stückeschreiber“. So nannte er sich: „der Stückeschreiber“. Schlichter geht nicht.
Die Sängerin Edith Piaf, deren Nachname im Französischen der umgangssprachlichen Wendung für einen Vogel entsprach, kam mit dem „Spatz von Paris“ zurecht; einem Ausdruck der Bewunderung. Im Englischen spricht man von „understatement“, wenn sich jemand nicht plustert und bläht.
Im „Manager Magazin“ finde ich einen Menschen aus dem Mittelbau einer Bank, der sich so vorstellt: „Chief Group Compliance Officer und Leiter Governance, Risk & Compliance“. Aha. Warum zwei, drei deutsche Wörter unter sieben englischen? Über eine Kolumnistin heißt es dort: „Senior Advisor. Sie interessiert sich für Leadership, Bildung und vor allem Menschen.“ Eine Seniorenberaterin? Die sich mehr für Menschen als für Bildung interessiert? Und was ist das, Leadership?

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EINE KAMPA-KAMPAGNE.

Opa erzählt von früher: Die SPD war mal erfolgreicher als die CDU. Sie lag 1998 bei gut 40%. Der Erfolg wurde damals einer bestimmten Organisation des Wahlkampfes zugerechnet, die sich KAMPA nannte und von Ideen amerikanischer und englischer Spindoktoren beeinflusst war. Vieles daran ist heute, knapp dreißig Jahre später, Mythos. Wahr bleibt der Kern: Es war eine richtige Kampagne, die die KAMPA da vom Zaun gebrochen hat, nicht nur irgendein Werbe-Geträllere. Gerd Schröder wurde Kanzler.

Wesentliche Figuren der PR waren damals Dick Morris bei Bill Clinton und Peter Mandelson bei Tony Blair. Beides große Vertreter ihres Fachs; ich hatte die Ehre, sie gut zu kennen. Man weiß gar nicht, ob man das noch erwähnen soll, da sich beide nach dem Ruhm gründlich entehrt haben. Jüngst Mandelson. In der deutschen Sozialdemokratie führten damals, zu der vielgelobten Hoch-Zeit, die Sauerländer Franz Müntefering die Partei und Matthias Machnig die KAMPA. Machnig hat sich vor wenigen Tagen entschlossen, der Karriere seiner Kollegen zu folgen. Bitter.

Apropos Mythos. Münte sprach kein Wort Englisch und wurde von Blair nicht geschätzt; mit OLD LABOUR hatte der schon genug Ärger. Und der Erfolgskanzler der Neuen Mitte Gerhard Schröder ist den Hemdsärmeligen aus dem Sauerland auch nur auf‘s Auge gedrückt worden. Der eigentliche Herzens-Kandidat der KAMPA war Oskar Lafontaine, noch so ein tragischer Ikarus, der sein Lebenswerk in die Schande führen musste. Am Ende tut es auch Verrat.

Werden all diese Karrieren mal unter das Motto fallen, dass die Revolution ihre Kinder frisst? Ja, möglicherweise. Denn die geniale Strategie der KAMPA bestand darin, die Partei und ihre Schergen gänzlich aus dem Wahlkampf herauszuhalten. Man sah den Apparat als Feind im eigenen Lager. „Don‘t get elected for your ideas, get elected!“ Zur KAMPA gehörte ein gerüttelt Maß an Bonapartismus, zu deutsch Revoluzzertum. Ungewaschen, rotzfrech und nie ohne Not konziliant oder gar gutgelaunt. Pöbeln war als Tonlage durchaus erlaubt.

So auch der jüngste Putsch im SPD-Wirtschaftsforum, den zwei Juso-Greise aus dem PR-Gewerbe erratisch anführten. Die Kinder der Revolution werden in liberalem Umfeld zwar nicht immer gefressen, aber sie kommen halt auch nicht auf Fremde. Der Apfel fällt nicht weit vom Pflaumenbaum.