Logbuch

NEO&LIBERAL.

Liberal und neoliberal: Zwei politische Begriffe, die ganz unterschiedliche Wertungen hervorrufen. Ich beobachte, wie sich in einem bestimmten politischen Lager der Begriff NEOLIBERAL zu einer Kampfparole gegen eine kapitalistische Restauration entwickelt hat. Er wird mit dem Wirken der Neuen Rechten assoziiert und meint ein Durchregieren der Bourgeoise mittels MARKTMACHT und die gezielte Schwächung des Staates. Damit gewinnen klassische marxistische Denkfiguren eine gewisse Frische; sie brandmarken jetzt wieder Aktuelles. Neoliberal ist jedenfalls ein Schimpfwort.

Mich könnte man nicht beleidigen, indem man mich liberal nennt. Im Sinne des Bürgers als CITOYEN kann man LIBERAL als freiheitlich meinen, als eine aufgeklärte und gelassene HALTUNG, die den Menschen als Individuum begreift und in den Mittelpunkt stellt. Das besorgt die Anhänger des Fürsorgestaates, denn es betont Eigenverantwortlichkeit, ja. Aber nicht notwendig so, dass Solidarsysteme oder Kollektivität überflüssig wären. Aber das Kollektive nicht vorne weg, a priori, sondern als Vertrag zwischen den freien Individuen, also abgeleitet. Man kann demnach rechts wie links wie grün „liberal“ gesinnt sein. Oder eben nicht, in all diesen Lagern.

Dazu sollte Rainer Hank mal was in der Frankfurter sagen. Was mich beschäftigt: Warum sind die Turbokapitalismen aus Silicon Valley, the New Great American Fortunes, eine hippe Segnung? Jedenfalls nicht ein neoliberales Übel? Ich habe die Apples oder Amazons noch nicht als neoliberal gebrandmarkt gesehen. In mir wecken diese Monster aber den Marx. Mir erscheinen sie in geradezu pornographischer Dimension als monopolkapitalistisch.

Das Publikum findet sie aber eher nett oder politisch korrekt, wohl weil sie von jungen Männern in Freizeitkleidung vertreten werden, die mich duzen, als hätten wir im gleichen Sandkasten gespielt? Sie behandeln mich als ihre mentale Beute. Nicht liberal.

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VERTEUFELUNG.

„Und wenn die Welt voller Teufel wär…“ Das ist TROTZ aus dem Mittelalter. Man konnte sich das TEUFLISCHE noch ganz konkret vorstellen. Es gab das ABSOLUT BÖSE; jedenfalls für jene, die an das absolut Gute glaubten. Klugen Frauen konnte es damals passieren, dass sie der „Teufelsbuhlschaft“ bezichtigt wurden und als Hexen verbrannt.

Dem Mythos der Hexe stand dem der HEILIGEN entgegen. Anklänge daran in der Debatte um die Grünenpolitikerin Baerbock, die Kanzlerin nach Merkel werden will. Der Mythos wird von den Grünen bemüht und ihren Gegnern. Da wir nicht mehr im Mittelalter leben und der AUFKLÄRUNG verpflichtet sein dürften: Haben wir es auch eine Nummer kleiner? 

Baerbock kommt weder aus dem Völkerrecht noch vom Berg Sinai, sie ist nicht verfolgt; nur überschätzt. Von ihren Freunden wie von ihren Feinden. Eine mittlere Begabung, eher einsinnig, im Zweifel autoritär. Eine Opportunistin des Schwarz-Grünen. Keine liberale Frau, keine liberale Partei. Sie ist eine Merkel neuer Generation.

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ALTES EHEPAAR.

Lese bei Rudolf Virchow dessen erste Einschätzung zum NEANDERTALER. Er irrte bitter und der Irrtum hielt sich lange. Für Virchow war das ein aus dem heutigen Russland stammender Kosake. Dieser Zweig unserer Vorfahren starb vor 40.000 Jahren aus. Weil er zu blöd war. Fachbezeichnung daher: HOMO STUPIDUS. Der Neandertaler hatte in der Folge ein Imageproblem.

Wir, die weisen Menschen, entstanden vor 300.000 Jahren im Nahen Osten, im heutigem Palästina. HOMO SAPIENS, sapiens heißt klug & weise. Nun, da stimmt was nicht. Es gab eine sogenannte HYBRIDE KREUZUNG, die man auf Flirts zwischen den dummen Männer des einen Zweiges und den intelligenten Frauen des anderen zurückführt. Das ging so gut 100.000 Jahre. Man findet in Höhlen in ganz Europa Zeugnisse von Krippenpflege, sprich Kindesliebe, und auch von Haustieren, gezähmte Wölfe; Familienleben.

Warum sind die Neandertaler ausgestorben? Genau. Rudolf Virchow war übrigens ein politischer Kopf. Und hatte Humor. Als sich Otto von Bismarck mit ihm duellieren wollte und er die Wahl der Waffen hatte, wählte er diese so geschickt, dass Bismarck kniff. Er wählte: WÜRSTE, von denen eine mit Cholera verseucht sein sollte.

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DER PRIVATGELEHRTE.

Es gibt sie noch, die sehr klugen Menschen, die von ihrem Wissen kein Aufhebens machen. Und es gibt sie bei ganz und gar nebensächlichen Themen, die ihnen, den Privatgelehrten, wichtig sind. So einen treffe ich vor einem nach Amerika geratenen Bild eines französischen Malers des vorigen Jahrhunderts. Hängt in Washington. Er redet auf Befragen eine gute Stunde und ich sehe nicht nur das Bild mit anderen Augen. Mein Blick ist verändert. Für immer. Wie geht das?

Da es schwierig ist, über Bilder nur zu reden, ohne sie zeigen zu können, zunächst die Frage: Worum geht es? Es geht um Edouard Manets „Der Weg aus Eisen“ von 1873. Dies ist ein Kalauer; das französische Wort meint die Eisenbahn und hier einen bestimmten Bahnhof, nach dem Heiligen Lazarus benannt, ein Pariser Kopfbahnhof nur regionaler Bedeutung. Und wir sehen auf dem Ölschinken weder Lokomotiven noch Reisende. Das Thema steckt nicht im Titel. Zu sehen sind zunächst nur Mutter und Tochter.

Die junge Mutter, eine anmutige Dame, für die des Malers langjährige Geliebte Modell stand, sitzt dort und blickt uns unverhohlen an. In ihrem Schoß ein Hündchen, ein Fächer und ein Buch, aus dem sie vorgelesen hatte. Die Tochter in hellem Kleid und feiner Schürze ist von uns gänzlich abgewandt und blickt durch ein Eisengitter hinaus auf eine in Dampf gehüllte Stadt. Man meint zu spüren, wie sie entfliehen will; nicht so sehr an ihr wie am melancholischen Blick der mit dem Spielzeug zurückgelassenen Mutter. Welch eine Szene.

Und dann entdeckt man im wohlgeordneten Haar des Mädchens einen Ohrring. Aus dem Kind wird eine junge Frau, die, noch eingeschlossen, bald ins Leben entfliehen wird, sie blickt sehnsüchtig in die Schwaden der großen Stadt. Pubertät, das Ausbrechen aus der Ruhe der Kindheit in den Lärm des Lebens, das ist hier Thema, sorgsam verhüllt, aber doch offenbart. Der Maler Manet ist kunstgeschichtlich dem Impressionismus zugeordnet worden, blanker Unsinn. Er begründete die Moderne, ohne dass es seine Zeitgenossen ahnten. Arm, aber vergnügt, so verstarb er unerkannt.

Ich habe mir bei Amazon einen Druck von dem Ding bestellt und werde ein Handyfoto davon nun an diese asiatischen Kunstfälscher geben, die für 200 US-Dollar Ölgemälde produzieren. Ich hab da eine Adresse in Kowloon, Hongkong. Dann planen wir damit Sabotage-Hängungen in randständigen Ausstellungen; es braucht nur Hammer und Nagel und einen unbeobachteten Moment. Schon hängt in der Villa eines verstorbenen Potentaten der Eiserne Weg.

Vielleicht noch eine Legende, dass es sich um russische Raubkunst handelt. Oder um einen verkannten Norweger wie bei dem Ding mit den Ohrenschmerzen. Als die Kunstsammlung der Ruhrgas AG in Essen aufgelöst wurde, entdeckte man darunter zwei veritable Fälschungen. Man sage mir also nicht, das ginge nicht. In dem dann folgenden Skandal werden die Feuilletons wieder über den großen Manet reden, den die Syphilis geholt hat.