Logbuch

FAIR PLAY

Gerechtigkeit ist oft eine unlösbare Neiddebatte. Außer: der Fall ist als SPIEL vereinbart und die REGELN sind klar. Dann braucht es nur noch den „guten Verlierer.“

Als „sportlich“ im weiteren Sinne gilt, wer sich fair verhält. Man akzeptiert in bestimmten Bereichen des Lebens den Spielcharakter und die damit verbundenen Regeln. So kann ein gutes gesellschaftliches Leben gelingen. Es braucht aber nicht nur den fröhlichen Gewinner, sondern vor allem einen GUTEN VERLIERER. Wer das Leben aber als ein Freund-Feind-Verhältnis deutet, findet Frieden nur in der Vernichtung des Feindes. Wie grausam, wie furchtbar.

Donald Trump ist, wie andere Cäsaren, ein schlechter Verlierer; er wird seine Wahlniederlage niemals anerkennen. Da er der Imperator nach Volkes wirklichen Willen war, muss ein Wahlergebnis, das etwas anderes sagt, eine Fälschung sein. Die Zahlen lügen, wenn sie der tieferen Wahrheit widersprechen. Es gibt dann einen „deep state“ und letztlich das Wirken des Teufels. Schlechte Verlierer sind gefährlich.

Ich lese das mit dem GUTEN VERLIERER in einer Zeitschrift, die es mal abgelehnt hat, einen Aufsatz von mir zu veröffentlichen; übrigens in einem Ton der Herausgeber, der unverschämt war. Sie wollten mich nicht und haben es gleich zu einer Beschämung des Abgelehnten genutzt. Stattdessen lese ich jetzt dort Geschwätz von einschlägigen Dampfplaudern. Aber eben auch Gutes, wie das jetzt zum Fair Play. Ich bleibe dem Blatt treu. Ich versuche halt, auch im Spiel um die Wissenschaft, ein guter Verlierer zu sein. Vlt. ein Wert an sich.

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SALUT

Seine königliche Hoheit, der Herzog von Edinburgh, Prinz Philip hat sich abgemeldet. Salut!

In seinen Worten, vor fast 40 Jahren traf ich ihn bei einer Garteneröffnung um diese Jahreszeit in N. Devon und er gönnte mir Aufmunterungen: „Old sailors don‘t die, they just smell like it!“ So war er, der Battenberg.

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PENDLER.

Früher, in den Zeiten vor Corona, gab es ein Lebewesen in einem doppelten Habitat. Es verbrachte die Nacht in Siedlungen auf dem Land, den Tag im Kern von Metropolen. Dazwischen pendelte es. Das verzehrte zweimal ein Viertel des Tages, also die Hälfte.

Mit der Rückverlegung der Arbeit an die Schlafstätte, Home Office genannt, konnte der Irrsinn des Pendelns aufhören. Die sehr hohen Mietpreise in den Innenstädten, die ursprünglich die Flucht aufs Land erzwungen hatten, verfielen. Ganze Bürokomplexe standen leer, bis man begann, sie in Wohnraum zu konvertieren. Aus der Unzahl von Büros wurde eine Unzahl von Wohnungen. Die weniger betuchten Mieter der dicht besiedelten Stadtteile zogen in die Innenstädte. Es entwickelten sich in den ehemaligen Palästen sehr lebendige Binnenkommunen. Die Versorgung basierte auf informellen Kleinmärkten. Buntes Treiben.

Das neue Überangebot an Wohnraum führte zu einem Verfall der Mietpreise, dem ein Verfall der alten Investoren folgte und am Ende der Übergang des intensiv genutzten Wohnraums in öffentliches Eigentum. Es ging eine Schere auf zwischen den schmucken Reihenhäusern in den Vorstädten und den neuen Gettos im ehemaligen Bankenviertel. Man kannte das aus der Behandlung öffentlichen Eigentums im „real existierenden Sozialismus“, wo alle Liebe in die Datschen floss, während die Innenstädte verfielen. Jetzt organisierten AIR B n B und die Behörde und Clans die Stadt.

Ich kenne den Verfall von Metropolen. Aus Detroit zum Beispiel. Ein Alptraum. So begannen die Menschen sich wieder nach dem Pendeln zu sehnen ... Der Wecker klingelt. Ich erwache aus einem Traum. Alles nur geträumt. Träume sind Schäume.

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INTRIGANTENSTADEL.

Die Partei hat immer recht. Der berühmte Satz stammt aus der Logik des Kommunismus und hat böse historische Eskapaden begleitet. Man kann nicht ausschließen, dass auch andere Diktaturen ihrem ideologischen Kern einem solchen Freibrief erteilt haben. Die Parteien wirken an der Willensbildung des Volkes mit; sagt das Grundgesetz. Reden wir über die Soziologie der politischen Partei. Ich selbst habe zweien angehört und bin heute frei davon.

Historisch ist die politische Partei ein gesellschaftlicher Zusammenschluss, eigentlich ein Verein, von Gleichgesinnten. Dieser Basis an gemeinsamen Überzeugungen entspricht oft ein einheitliches soziales Milieu oder eine geteilte kirchliche Bindung, jedenfalls eine Lebensweise oder Erfahrung, die den Zusammenschluss plausibel erscheinen lässt. Die Rudelbildung kann mehr oder weniger verbindlich sein für ihre Mitglieder. Man sieht es an Hobby-Vereinen, etwa Sportclubs; es gibt lockere Fan-Kulturen oder fanatische Anhängerschaften, bis hin zu kriminellen Banden. So bei Parteien.

Im Marxismus-Leninismus erfüllt die Partei eine weltgeschichtliche Aufgabe, die des Klassenkampfes, der zunächst die Arbeiter, dann die Menschheit von der Geißel des Kapitalismus befreit. Die einfache Alltagserfahrung damit war bisher wohl, dass sich das ganz gut anhören kann, im wirklichen Leben aber schlicht nicht klappt. Wir hatten ja nüscht. Darauf will ich aber gar nicht aus, weil das, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte ist.

Bevor ein Politiker sich in einem Staatsamt mit Ruhm oder Tantiemen bekleckern kann, oder auch nur einen Wahlkampf gewinnen, muss seine Partei ihn nominieren. Der CDU sagt man nach, dass sie ein Kanzlerwahlverein sei; das meint, dass hier jeder auf das Schild gehoben wird, der Prozente bringt, was Mandate bedeutet. Mutti machte mächtig, Merz marodiert. In der SPD ist legendär, wie sehr sie ihre eigenen Führer hasst und ihnen das Leben schwer macht; Sozen hassen Macht, jedenfalls wenn sie anstrengend wird. Die Linke war schon immer meinungsstark und verantwortungsscheu. Bei den Grünen blüht dieses deutsche Elend in Potenz.

Das wirkliche Pandämonium ist die interne Stimmungslage der AfD, was die schlitzohrige Alice aus dem völkischen Wunderland gerade noch zu verbergen weiß. Auch ein Thema. Bleibt als Vorhölle noch die Berliner SPD. Immer schon von Westdeutschen geführt. Was an politischer Peinlichkeit passieren kann, passiert hier. Gerade höre ich, dass Frau Doktor Franziska Giffey keine günstige Kandidatenposition eingeräumt bekommt, sprich keinen Listenplatz zur Abgeordnetenhauswahl (und dafür einen garantiert miesen Wahlkreis). Der Grund ist einfach, sie galt als nominierungswürdig, weil aus Frankfurt. Jetzt kam aber raus, gar nicht das am Main, sondern Frankfurt/Oder. Das geht für „Ich bin ein Berliner“ gar nicht.