Logbuch

WISSENSCHAFT.

Lese mal wieder was Akademisches aus meinem Fach. Zugegeben die modischeren Themen, die dem Zeitgeist hinterher hecheln. Viel dünnes Zeug, auch richtig dummes.

Das meiste kommt in Pigeon-Englisch daher: Liedership, Diversity, Dschendern, Agilität, Resilienz. Und immer gilt: Sie sagen „Sprache“, meinen aber „Sprechen“. So wie sie „Klima“ sagen und „Wetter“ meinen.

Es ist wie in der Zimmerei: Man sieht, wie sie den Hammer halten und weiß, ob der Nagel krumm wird. Meine Frau Mutter hat als Zahnarzthelferin („MFA“) gearbeitet und schon bei der bloßen Ansicht bestimmter Backenzähne das OP-Besteck bereitgelegt; weil sie wusste, dass der Doc den nicht heil, sprich ganz, herauskriegt.

Ein von mir sehr geschätzter Werksarzt hat mir mal gesagt, er sähe an der Art, wie die Patienten den Raum betreten, was die haben; und der Mann war ein Heiler, er hat in meinem Beisein mal einen Verstorbenen zurückgeholt.

Während ich die modischen Gelehrsamkeiten durchblättere und die Kunst des Feuilletons studiere, auf einer Glatze Locken zu drehen, frage ich mich, von welchem Studium ich am meisten gelernt habe. Soweit man das überhaupt selbst sagen kann.

Kybernetik. Das ist, wenn man weiß, was in einem System eine Struktur ist und was eine Funktion. Oder was Wetter ist und was Klima. Mit diesen Fragen könnte man heute ganze Lehrkörper entvölkern. Und natürlich plaudere ich hier die Lösung nicht aus.

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TATTERGREIS.

Die Wiederwahl des Rechtspopulisten Donald Trump als Präsident unserer Hegemonialmacht soll ein älterer Herr verhindern, der, wie ich, nicht mehr ganz trittfest ist. Nicht Euer Ernst, liebe Demokraten.

Stammesälteste nannte der unsägliche Karl May die Anführer der Rothäute, die man für Indianer hielt. Ob dieses SENIORITÄTSPRINZIP wirklich herrschte, wissen wir nicht. Meinen Herrn Vater hat der weiße Manitou fast 100 werden lassen, bevor er verunglückte, aber er hätte sich nicht zugemutet, in Verantwortung noch jene Schwächen zu besiegen, die die Altersdemenz ihm zumuteten. Er wusste darum und klagte: „Ich habe keine Speicher mehr!“ Ein kluger Mann.

Nennen wir die Generation Joe Biden Ü80. Der erste Kanzler der Bundesrepublik, der senile Konrad Adenauer, war deutlich Ü80, als er zum dritten Mal wiedergewählt wurde; ich zweifle, dass man als Ü70 noch an die Spitze treten sollte; als Ü80 ist das absurd. Das kann man einsehen, ohne einen abgebrochenen Studenten (Ü20 bis Ü30) als hinreichend erfahren betrachten zu müssen.

Alter ist kein Verdienst. Aber einen Baum gepflanzt, Kinder großgezogen, Anstand gezeigt zu haben. Man erlaube mir eine biografische Arabeske. Ich war Ü10 unsportlich und wasserscheu; trotzdem legte ich eine Prüfung ab, die „Frei- und Fahrtenschwimmer“ hieß. Weil man Ü20 nicht als Bleiente fristet. Weil man frei sein wollte und auf große Fahrt gehen. Da musste man halt durch. Disziplin.

Und bei meinem Bildungsgang ist man Ü30 promoviert. Diese „scheinfreien“ Vor-Karrieren von Ricarda Lang und Kevin Kühnert irritieren mich. Man hängt nicht zwei Jahrzehnte ohne Abschluss an der Uni rum; nicht mit anschließendem Führungsanspruch. Wohlgemerkt, jeder Lebensweg ist mir recht, der Mensch ist aus krummem Holz, aber nur Arbeit adelt.

Und was ist nun mit Ü80? Klare Antwort: Waldorf & Statler.

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GRÜNE LOBBY.

Die Grünen werden eine normale Partei. Man überhöre die letzten moralischen Oberwellen und schaue auf das Handeln: Parteipolitik wie sie im Buche steht. Jetzt auch mit partei-eigener Lobbyorganisation. Soll ich lachen oder weinen?

Die Union hatte schon immer einen "Wirtschaftsrat", eine quasi ehrenamtliche Organisation, in der die Granden der Wirtschaft wirkten; genauer gesagt: einwirkten. Man hatte seitens der Bourgeoisie die Erfahrung gemacht, dass man sich auf die rechte Gesinnung (pun intended) nicht immer verlassen konnte. Der Einfluss der Herz-Jesu-Marxisten war zu begrenzen. Und man brauchte auch mal gesellschaftliche Anlässe, die respektabel waren; immer nur Cash in braunen Umschlägen ("Bimbes"), das kann es ja auch nicht sein.

Die SPD hat das jüngst nachgemacht; auch dort gibt es ein "Wirtschaftsforum", in dem auch Nicht-Genossen geduldet werden, so sie an der ökonomischen Kompetenz der Sozis mitwirken wollen. Disclaimer: Ich bin da Mitglied. Bisher nur gute Erfahrungen gemacht, ein interessanter Kreis. Ein Bukett von Vize-Präsidenten zeigt das Spektrum der Honoratioren der Sozialdemokratie: Kluge Frauen aus Recht und Hochschulen, ein ungehobelter Prolet aus dem Pott (den ich noch als Spin Doctor von Oskar Lafontaine aus der Bonner Baracke kenne), ein netter PR-Kollege, you name it.

Jetzt geben auch die Grünen die Gründung von einem solchen Vorhof der Macht bekannt. Eigentlich ist es eine Umgründung eines misslungenen Versuchs, aber das ist Insider-Wissen, das ich nicht verbreiten will. Zudem könnte ja sein, dass ich auch da einen Antrag auf Teilnahme stelle; da sollte man es sich nicht durch protokollarische Ungeschicklichkeiten selbst schwer machen. Ob die mich nehmen? Ich habe Zweifel, aber ich würde hingehen, wenn man dazu nicht Mitglied werden muss.

Für alle liberalen Seelen stellt sich nun die Frage, was mit der FDP ist; da könnte ich auch noch einen näheren Kontakt zu einem Vorhof erwägen. Je älter ich werde, desto erträglicher finde ich die; erstaunlich. Die FDP braucht aber keine Vorfeldorganisation für Wirtschaftslobbyismus. Sie ist es.

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KEINE AMAZONEN BITTE.

Es werden bald wieder alle jungen Männer gemustert, um möglichst viele Söhne des Landes an die Waffen zu bringen. Ich rede hier wie die Jungfrau von der Kirmes, weil ich selbst den Kriegsdienst verweigert habe, was mein demokratisches Vaterland mir als Recht gewährte. Mein Herr Vater hatte mich damals dabei unterstützt; er selbst hielt es für puren Zufall, dass er nicht wie viele seines Jahrgangs als Kanonenfutter geendet sei.

Man mustert aber, trotz Zeitenwende, die Töchter des Landes nicht. Wie finde ich das denn? Ich habe dazu zwei Meinungen. Die erste ist: Eine eklatante Ungleichbehandlung. Das reißt immer mehr ein. Bei vielen Dingen, etwa der Berufung von Professoren, herrscht eine positive Diskriminierung von weiblichen Bewerbern bis an die Grenze der Rechtsbeugung. Und darüber hinaus. Wegen Gleichberechtigung wird auch dort bevorzugt, wo die Quote bereits erfüllt. Ich könnte dazu gerne Ross und Reiterin nennen. Ich tue es nicht, aber es gefällt mir trotzdem nicht.

Meine zweite Meinung ist: Die vorsätzliche Benachteiligung von Frauen ist ein anhaltender Skandal im Format eines Kulturbruchs. Man blickt hier wirklich noch immer in die Vorzeit der menschlichen Gesellschaft. Und der berechtigte Spott über muslimische Missstände sollte schweigen, solange ich in Rom keine Päpstin sehe; im jüdischen Matriarchat soll das besser sein, ich bin mir da aber nicht sicher. Fördert unsere Töchter! Sie sind vielleicht nicht der bessere Teil der Menschheit, aber ganz sicher auch nicht der schlechtere. Mein Ernst.

Zu den politischen Grotesken unserer Tage gehört, dass man erwägt, die männlichen Soldaten, die nunmehr ins Feld sollen, auszulosen. Losbude mit Teddybär? Das erscheint mir, dritte Meinung an diesem friedlichen Sonntagmorgen, zynisch. Man macht aus der Frage von Leben oder Tod als Staat keine Kirmes. Denn hier wäre ja die gezogene Niete ja der Hauptgewinn. Ein Glücksfall, wie ihn viele Ukrainische Männer genießen, die sich hierzulande mittels Bürgergeld drücken dürfen. Kein Vorwurf. Es ist nämlich niemals süß und ehrenvoll für das Vaterland zu sterben. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.