Logbuch

Die Kommunikation von Jedermann (m/w/d) in den Sozialen Medien des Internets bringt üble Charakterzüge zum Vorschein. Es gibt die FANATISCHEN MORALISTEN, die richten wollen; meist aus hohlen Motiven, aber immer in größter Entschiedenheit. Zum Beispiel in der Frage der Sternendeuter an der Krippe Jesu. Da wundert mich in vielen Fällen das Missverhältnis von geringer historischer Kenntnis und großer rhetorischer Wucht. Irre, die gehasst werden wollen. Wirklich fremd sind mir aber die absolut vordergründigen und deshalb völlig humorlosen NARZISTEN, die Sammler des „likes“; in der jüngeren Generation zählen sie die sogar. Man hat Follower, die liken, und zwar viel mehr als man selbst followed; darauf achtet man. Das ist wirklich leer. Wie kann man in die Welt hinaus wollen, um Kussmündchen zu sammeln? Es gibt eine eigene Eitelkeit der Strohdummen, die man mit der der Zyniker nicht verwechseln sollte.

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Du musst Dein Leben ändern. Hölderlin, glaube ich. Die Umstände der Pandemie erzwingen eine andere Lebensführung, die unter manchen Umständen leichter zu vollbringen ist als unter anderen. Beispiel: Wer ohnehin entspannt auf dem Lande lebt, erträgt das Beherbergungsverbot der Landhotels in attraktiven Gegenden leichter als der kasernierte Bewohner des metropolen Mini-Apartments, dem jetzt der Urlaub verwehrt wird. Ernsthaft: hier stellt sich eine soziale Frage. Aber eben auch eine der Einstellung, des Habituellen. So glaubt eine Mehrheit meiner Studenten, sie kämen durch passives Mitschwimmen im Strom des Präsenzpublikums (sie sitzen im Hörsaal immer hinten, jedenfalls nie vorne) zurecht, was nicht mehr gelingen wird. Wer jetzt nicht adhoc seine Digitalisierungsdefizite aufholt, wird abgehängt. Agilität, so heißt das Modewort. Ich kannte es nicht mal, bis vor einem halben Jahr. AGIL, wtf?
Wir werden eine wachsende Gruppe der Veränderungsverlierer haben. Da ruft Cato, der Ältere: Vae victis! Gute Anekdote aus dem Alten Rom, wo der Sieger bei der Bemessung des Tributs sein Schwert noch auf die Waagschale warf, als der Besiegte die Gewichte bemängelte. Wehe den Besiegten.

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Was für den Schreibtisch gilt, gilt für die Welt. Alles strebt immer einer Unordnung zu, außer man räumt dagegen an wie blöd. Das ENTROPIE-Gesetz. Wenn Du nicht wie ein Irrer immerzu um Deinen Garten kämpfen willst, holt sich die Natur das zurück. Natur ist Chaos. Brutaler Kampf ums Licht, am Ende Urwald. Natur ist hässlich und böse. Gärtner haben keine von diesen krypto-religiösen Öko-Seelen, weil sie es besser wissen. Die Naturidylle des Gartens ist apollinisch, sprich eigentlich Architektur. ZWEITER HAUPTSATZ DER THERMODYNAMIK. Damit kann man gut testen, ob der unvermeidliche Ingenieur ein Depp ist oder nicht. Sagen Sie ihm: Erläutern Sie bitte den Zweiten Hauptsatz!

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MALTA. JALTA. MERZ.

Reden wir über Bilderkunde. Historische Ikonographie. Ich sehe in den Nachrichten die politischen Köpfe Europas zusammen mit dem Präsidenten der Ukraine. England hat eingeladen, der französische Präsident ist gekommen und der deutsche Kanzler. Die politische Logik der Bilder besteht in der Lücke. Es fehlt mit Ankündigung und voller Absicht der amerikanische Präsident. Und sein holländischer Pudel von der NATO. Das ist, wie man so sagt, der Elefant im Raum. Und es gibt drei unsichtbare Gespenster. Der Reihe nach.

Das historische Malta-Foto war bestückt mit Roosevelt, Churchill und Stalin. Es wurde mit den Dreien als Siegermächten damals die Nachkriegsordnung beschlossen, nachdem der von Deutschland angezettelte Weltkrieg gründlich verloren war. Jetzt in London gab es nichts zu beschließen. Die Russen haben ihren Krieg noch nicht gewonnen und die Ukraine ihren noch nicht verloren. Kern der Situation ist, dass die Schutzmacht keine Böcke mehr hat. Scheckbuch beiseite gelegt; es werden künftig Wechsel geritten. Wer das für ausgeschlossen hielt, liegt falsch.

Noch ein Irrtum. Denn historisch war es nicht das englische Malta, die Insel der Kreuzritter, sondern Jalta, das Seebad auf der Krim; dahin hatten die Russen eingeladen. Auf ihr Territorium. Keine Elefanten im Raum. Auf dem Foto aus London fehlen zudem Madame LePen, Frau Alice Weidel und Nigel Farage; sie sitzen aber dem französischen Präsidenten, dem deutschen Bundeskanzler wie dem englischen Premierminister im Nacken. Alle drei Gespenster wissen sich der inneren Zuneigung der ehemaligen Schutzmacht gewiss. Der Hegemon ist nämlich neuerdings nachdrücklich rechts gestimmt.

Zum Schluss eine innenpolitische Anmerkung zu Friedrich Merz. Ich teile seine parteipolitische Ambition eher nicht, aber LAND VOR PARTEI. Ich finde, er macht seinen Job so schlecht nicht. Nicht nur in Malta. Überhaupt. Das Land ist gut regiert. Dass er Merz noch mal lobt, darüber staunt mein Vers.