Logbuch
PAPAGEIEN DIE ZWEITE.
Ich muss ein Plagiat einräumen. Meine gestrige Bemerkung zu den kalifornischen Piraten und ihren stochastischen Papageien war nur zur Hälfte originär, sprich auf meinen Mist gewachsen. Hab ich geklaut. Dass die Künstliche Intelligenz nur plappert wie ein Papagei, das entstammt der amerikanischen Fachdiskussion. Der Pirat ist von mir, nur der. Aber es ist je keine Katachrese. Hä?
Langsam reicht es mit den Fremdwörtern, zumal altgriechischen Ursprungs. Die Bildungshuberei mit Latein ist schon aufdringlich genug. Wer dem Zeitgeist entsprechen will, der drückt sich im Amerikanischen aus. Kalifornische Kürzel, das ist es. Let that sink in. Die Papageien-Diskussion kommt genau daher, aus den Forschungsabteilungen der Piraten, die die allzu klugen Wissenschaftler inzwischen verbannt haben. Zensur pur. Was ist des Pudels Kern?
ChatGPT & Grok führen im Universum des bisher schon mal Gesagten eine komplexe Wahrscheinlichkeitsrechnung durch, die die signifikant häufigsten Formulierungen wiederholt und kontextualisiert. Das sind immer PLAGIATE, weil das Prinzip das der hochplausiblen Wiederholung ist. Und dieser Vorgang ist reproduzierbar, da Mathematik.
Ein Wort an meine Studenten: Es fällt auf. Man riecht es! Jede Hausarbeit, die ich abgelehnt habe, war mir sofort nach dem bloßen Durchblättern schon suspekt; nur aus rechtlichen Gründen lassen wir den Mist noch mal übers Programm laufen. Man spürt das Künstliche dieser Intelligenz durch bloßes Handauflegen. Lasst es; das sind Täuschungsversuche, die den Kundigen schlicht anspringen.
Aber man übt daran, sehr eifrig. Einer der Piraten hat deshalb seine Geschäftsverbindung geändert: Man löscht die erlauschten Texte nicht, sondern übt daran weiter. Auf alle Zeit. Mein Argument: Die Größe der Grundgesamtheit ist das Geheimnis. Keine Alchemie, nur Breite des Archivs und Geschwindigkeit der Rechenvorgänge.
Was KI nicht kann? Metaphorik, Ironie und spezifischer Kontext. Vielleicht Verstand, aber nie Vernunft. Vielleicht Popper, aber nie Kant. Es wird immer im Bierernst eines minderbegabten Realschülers zur Praxis der Galaxis gelabert. Das ist der schlaue Ton der ganz Doofen; ich reagiere allergisch. Sapienti sat. So, das müsst Ihr googeln; stimmt‘s?
Logbuch
PIRATEN MIT PAPAGEI.
Als ich auf die Welt kam, da rief der Chef seine Sekretärin Frollein Meier zum Diktat; die attraktive junge Dame setzte sich dann mit kurzem Rock und einem Stenoblock vor seinen Schreibtisch und notierte in Kurzschrift seine Korrespondenz, die sie anschließend abtippte. Als ich in den Vorstand kam, gab es noch immer die attraktive junge Dame, sie war auch zu einem Diktat bereit, konnte aber leider ihr Gekritzel hinterher nicht mehr entziffern; sie wusste aber eh, was zu schreiben war und machte das dann aus dem Gedächtnis und eigenem Gutdünken. Frollein Meier war 1952 wie 1992 ein menschliches Wesen.
Heute können das Maschinen, die allerdings im Umgang wie Menschen behandelt werden wollen. Ich soll sie sogar duzen. Den Text muss ich auch nicht vorgeben, da sie das dank AI, sprich Künstlicher Intelligenz, selbst wissen. Ich habe mir gestern ChatGPT-5 bestellt; dessen Artificial Intelligence übernimmt meine Urlaubsvertretung und schreibt die nächsten drei Wochen hier das Logbuch. Echt? Nein. Soweit werden wir das Anthropomorphie-Gebot nicht treiben. Hier wird es weiter menscheln.
Aber im Ernst, ChatGPT oder Grok? Es handelt sich um einen Papagei, der zwar plappern kann, aber nicht denken. Sein Geheimnis ist ein sehr, sehr großes Gedächtnis an Texten und blanke Wahrscheinlichkeitsrechnung. Der Apparat simuliert Sprechen als Sprache, indem er Vorhersagen trifft, was bisher in diesem Kontext besonders oft gesagt worden ist (er simuliert erwartbare „parole“ und täuscht damit „langue“ vor; für die Franzmänner unter uns). Im Amerikanischen spricht man von „assembled probabilistically“. Das ist im Kern Mathematik, nämlich die Verfügung über eine so große Zahl an Zufällen, dass daraus eine hohe Wahrscheinlichkeit errechnet werden kann. Aus einer Unzahl an Koinzidenz errechnet sich relative Kausalität. Diese mathematische Disziplin heißt Stochastik.
Auf den Schultern der kalifornischen Piraten sitzen stochastische Papageien. Das ist meine Tageslosung. Und ja, wenn er in seinem Archiv nichts findet, so treibt er seinen Simulationswillen schon mal bis in die Fälschung von Quellen. Natürlich kann AI lügen! Natürlich haust unter der Maske der Vernunft auch der Irrsinn. DeepFake. Wir wissen, dass die kalifornischen Piraten kein Gewissen haben. Warum sollten wir es dann bei ihren Papageien erwarten?
Logbuch
DAS GEHEIMNIS.
„Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß!“ So singt im Volksmärchen der Brüder Grimm ein böser Wicht, der der jungen Königin das erste Kind rauben will, er selbst singt es, während er um ein Feuer tanzt. Der Bösewicht wird belauscht; das Geheimnis ist verraten. Wie reagiert der so Enttarnte? Mit Vorwürfen der bittersten Art: „Das hat Dir der Teufel gesagt.“ So weit, so typisch.
Das Geheimnis ist immer ein Paradoxon; wir erkennen es erst, wenn es keines mehr ist. Das gilt als die Königsdisziplin des Journalismus, ein Geheimnis aufgedeckt zu haben. Und meist liegt dem ein kleiner Verrat zugrunde. Oft ist es nicht der Teufel, den man dieses Verrats bezichtigen kann, sondern einfach nur ein indiskretes Plappermaul oder ein niederträchtiger Neider. Journalisten des Investigativen mögen das Salz der Erde sein; ihre Informanten sind es eher nicht. Ich kenne keinen Verräter, der darüber glücklich geworden wäre.
Über Geheimnisse lebender Personen habe ich eh nichts mitzuteilen. Das fände ich überflüssig, wenn nicht teuflisch. Aber zum Segen des Arguments, nehmen wir ein historisches Beispiel. Über Bundeskanzler Helmut Kohl wurde gemunkelt, dass ihn mit seiner Sekretärin eine Amour Fou verbinde. Ich erinnere mich an einen Ausruf eines industriellen Förderers („Bimbes“) im Düsseldorfer Industrie Club: „Die Marketenderin muss da weg!“ Wer das damals gesagt hat, bleibt mein Geheimnis. Auch, wer die Chefredakteurin war, die über diese Enttarnung ihren Job verlor; die lebt noch und sei von hier aus herzlich gegrüßt!
Ich habe einen Vorschlag zu höherer Güte zu unterbreiten. Wenn es sich um ein Staatsgeheimnis handelt, eine öffentliche Angelegenheit von wirklichem Belang, dann gehört das Rumpelstilzchen enttarnt. Und sei es mit Hilfe des Teufels. Wenn es aber um eine Angelegenheit Amors geht oder eine kleine private Schwäche, so möge man das Geheimnis respektieren. Das Leben wird, wenn frei von Geheimem, schlicht banal.
Übrigens geht es in dem Märchen um die Sanierung maroder Staatsfinanzen durch hohle Kredite, sprich „fool’s gold“ oder die angebliche Fähigkeit, einer Müllers Tochter, aus Stroh Gold zu spinnen. Sondervermögen. Wer hier was zu enttarnen weiß, der rede.
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WELTMEISTER.
Wer NATIONEN will, will Kriege. Nicht im Prinzip, weil der Weltfrieden ja eingehalten werden könnte, aber in der Wirklichkeit. Und Sport ist Krieg mit friedlichen Mitteln.
Argentinien ist jetzt wieder Weltmeister; ich war gestern am Bildschirm Zeuge des Spiels, obwohl ich mich nicht für Fußball interessiere. Mit so euphorisch vorgetragenen Urteilen, wie dem, dass Messi eine Wiedergeburt Madonnas sei, fange ich nichts an. Wer zum Teufel ist Messi? Und wieso Madonna? Unsere Liebe Frau?
Aber ich lerne, dass der ominöse Veranstalter namens FIFA prinzipiell keine englischen Schiedsrichter bei Spielen mit Argentinien einsetze. Und keine argentinischen gegen England. Begründet wird das mit dem Falklandkrieg. Ich staune. Es geht also doch um NATIONALISMUS. Der Falklandkrieg, ich erinnere mich nur vage, fand vor über 40 Jahren statt. Der letzte Krieg des britischen KOLONIALISMUS. Lady Thatcher als WAR LADY. Angeblich ging es um das Selbstbestimmungsrecht von englischen Siedlern auf den winzigen Inseln vor Argentinien. Eine Handvoll Schafszüchter. Und eine reaktionäre Militärjunta in Argentinien, die auch Nachbarländer wie Chile bedrohte.
Dahinter seit dem 17. Jahrhundert völlig skrupellose Freibeuterei und koloniale Kriege in allen Facetten. Der Kampf der europäischen Eroberer um die Welt. Holländer, Engländer, Spanier und Portugiesen… Die hässliche Seite der Moderne. Hinter den Kriegen der Nationen stand die Konkurrenz der Geschäfte, die sich aus der Ausplünderung anderer Länder ergab und der Bewirtschaftung sogenannter Sklaven. Irgendwie fehlt mir der ideelle Zugang zum Konzept der Nation.
Wäre meine Begeisterung vielleicht größer, wenn beim Fußball meine Mannschaft (jene, die Referenz auf meinen Pass reklamiert) gegen die eines ehemaligen Kriegsgegners (meiner Urväter) gewönne? Da kämen ja eine ganze Menge in Frage, da sich meine Großväter zu Weltkriegen haben animieren lassen. Ich bin im Zweifel. Ich kriege dieses Virus des WELTENBÜRGERS nicht aus dem Leib.
Übrigens ist der WELTENBÜRGER mehr als der „Weltbürger“. Schon bei den Nationen nicht zu einem Singular in der Lage, schaffe ich selbst bei der „Welt“ nur einen Plural. Das taugt nicht zu Wettkämpfen darum, wer Weltmeister ist. Vagabund!