Logbuch

Wer letztens dachte, schwächer als Hillary Clinton kann man in einem Wahlkampf gegen Donald Trump nicht sein, den wird Joe Biden jetzt unangenehm zu überraschen wissen.

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GARTENZWERGE.

Man sollte an ihrer Rehabilitierung arbeiten. Großartige Tradition. Entstammen der Montankultur; es sind historisch Bergleute. Sie tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht. Revolutionär gesinnt, wie an der roten Jakobiner Mütze unschwer zu erkennen. Haben als Hofzwerge schon früh in der PR gearbeitet. Werden wie alle Genies verkannt. Der Spießer hält sie für Spießer und ziert sich mit eigens erzeugten Verunstaltungen. Man gebe den Gartenzwergen ihre Ehre zurück. Die Nazis haben sie verboten; die werden schon gewusst haben, warum.

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Lese eine Historie der PEST & CHOLERA in Europa. Man wähnte die Seuchen aus Asien eingeschleppt, weshalb Reisende in Quarantäne kamen, 40 Tage. Hier ist der Nexus der Pässe; sie waren Gesundheitszeugnisse. Überhaupt war die Eindämmung ein paramilitärisches Unterfangen der Staaten. Mit aller Härte, sicher auch mit böser Ungerechtigkeit gegen jene, die in schlechten Lagen leben mussten. Zur epidemiologischen Frage kam die soziale. Insbesondere im calvinistischen Hamburg.

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DER LANGE MARSCH.

Die Grünen sind an der Spitze der Macht angekommen und man sieht, wie das Haar unter der Verantwortung grau wird. Darunter gute Leute und wirkliche Talente.

In meiner Jugend ging von den rebellischen Studenten, die sich rot, sprich als Sozialisten und Außerparlamentarische Opposition (APO) verstanden, eine eigene Revolutionsromantik aus. Dabei wurden Metaphern geschaffen, die das revolutionäre Vorbild Chinas unter Mao Tse Tung glorifizierten und zugleich zu kleiner Münze machten. Das gilt besonders für den von Rudi Dutschke propagierte „langen Marsch durch die Institutionen“.

Was immer damit gemeint war, es begleitete jene, ehemalige Revoluzzer, die es sich auf Posten des öffentlichen Dienstes bequem machten. So konnte man das Recht auf Faulheit im Staatsdienst genießen und sich zugleich als politische Avantgarde fühlen. Dazu hätte ich Dutschke gern mal gehört, ob das nicht ein durch und durch reformistisches Unterfangen war. Reformen waren den Revolutionären verpönt.

An den LANGEN MARSCH denke ich, als ich den Behördenleiter der Bundesnetzagentur auf einer Pressekonferenz höre. Ein grünes Urgestein, das es geschafft hat. Vor der Tür steht ostentativ sein Daimler mit Fahrer. Um das klar zu sagen: Der Mann hat einen wirklichen guten Eindruck gemacht. Beachtlicher Vortrag zur Gasmangellage, die seine Behörde vermeiden sollte. Er sieht sich in der Agenda zum Ersatz von russischen Pipeline-Gas und weiß sich eins mit dem Bundeswirtschaftsminister. Der milde Winter hat beiden geholfen.

Der Mann war mal grüner Landesminister in Kiel und hat dann bei Verbraucherschutzverbänden gewirkt, 16 Jahre lang, wie er wiederholt erwähnt. Sein langer Marsch, sagt mir ein Grüner, der mal eine WG mit ihm geteilt hat. Im Rausgehen grüßt er eine der Anwesenden, eine Spur zu herzlich, fällt nicht nur mir auf. Ein Konfident raunt mir zu: „Die kennen sich aus Kiel.“ Tjo, der lange Marsch.