Logbuch
BAUMSCHULE.
Welch eine großartige Idee, die Aufzucht und den Handel mit Gehölzen BAUMSCHULE zu nennen. Ich kaufe dort seit Jahrzehnten und fühle mich blendend beraten. Nur Wichte erwerben Pflanzen im Baumarkt; alles holländischer Gartenmüll.
Der Baum wird dadurch verschult, dass er im ertragreichen Boden mehrfach verpflanzt, sprich verschult wird. Das meint ein vorsätzliches Verpflanzen, um das Ausbilden stets neuer Wurzeln zu trainieren. Im Kernballen wächst so die Triebfähigkeit; das Luder geht dann im heimischen Garten gut an. Es ist tatsächlich wie in der Pädagogik, die neue Wurzeln lehrt; der starke Baum muss in seiner Jugend rumgekommen sein.
Der Gärtner braucht, mein Lieblingsspruch, ein mutiges Herz und eine scharfe Schere. Gestern habe ich zur Bepflanzung eines Containers eine Zwergfichte erworben. Mit 69 € ein stolzer Preis, aber ein krummer Stamm von Armesdicke. Fünfzehn Jahre Rückschnitt, sagt der Gärtner. Also der Lehrer an der Baumschule. Kommt mit wenig Wasser zurecht, die Fichte. Sagt der Pauker.
Ich werde die Krüppelfichte in einen alten Heizkessel pflanzen, ein zu befeuernder Kupferkessel auf einem Holzofen. Wäsche hat man darin früher gekocht. Und Wurst. Das kurze Abgasrohr habe ich entfernt. Jetzt steht er als Schmuck im Vorgarten. Ohnehin hätte ich ihn melden müssen bei Habecks Ofen-Stasi.
Wie der Backes am Ort wurde er mit Lesegut befeuert, im Wald aufgeklaubten Ästen, dann mit Schnittholz, am besten Buche. Das geht wg. Klima ja gar nicht. Letzte Generation. Zudem war die Wurst nicht vegan. Ein Relikt böser Zeiten. Jetzt zurecht verurteilt zu hundert Jahren Blumenkübel.
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FREIE REDE.
Was will ich diskutieren, was nicht? Ich bin da eher engstirnig, was den Faschismus angeht. Die Grenzziehung zum Braunen fällt dem Belesenen nicht schwer. Zum radikal Roten, da war meine Generation permissiver.
Der amtierende Bundeskanzler hält die Nötigungen der Öffentlichkeit durch die Klima-Kleba für „bekloppt“. Das ist eine politische Meinung, salopp formuliert. Wegen dieser Meinungsäußerung beschmieren die Klima-Kleba das Willy-Brandt-Haus mit Farbe. Zur Strafe. Das geht nicht.
Was ist der politische Kern einer liberalen Gesellschaft? Erstens sind die Gedanken frei. Zweitens hat jedermann das Recht, sie frei zu äußern. Weder der Staat darf auf eine Meinungsäußerung mit Zensur reagieren noch jene, die anderer Meinung sind, mit Sanktionen, auch nicht gegen Sachen. Es gibt für solchen Tugendterror der Straße keinen Raum in der Demokratie. Die Ökodiktatur beginnt mit solchen Aktionen anarchistischer Gewalt.
Ich gebe zu, dass ich bei dem Willy-Brandt-Haus und der SPD tendenziell empfindlich bin, was den Terror der Straße angeht. Dies bleibt für mich die Partei des Otto Wels, jener Partei, die gegen das Ermächtigungsgesetz gestimmt hat. Das ist ein Erbe, das man nicht besudelt. Schon gar nicht, wenn sie gegen den Druck der Straße ins Parlament ruft. Aber gut.
Die Grenzen der Redefreiheit sollen dort liegen, wo legitime Rechte anderer massiv eingeschränkt werden. Das ist ein gefährlicher Gedanke. Ja, auch eine Rede kann Gewalt sein, also übergriffig. Nein, die Grenzen der Redefreiheit bestimmen nicht die Inhaber einer gegenläufigen Meinung. Schon gar nicht die wahre Religion; mein Jesus ist besser als dein Jesus.
Im liberalen Verständnis steht das Recht zu beleidigen über dem Recht, nicht beleidigt zu werden. Nun mag man streiten (Redefreiheit!), was eine Beleidigung ist und was nicht. Die leidige Debatte um Hassreden. Dass der Einsatz von Gewalt, sprich Nötigungen und mutwilliger Beschädigung, kein Mittel der Redefreiheit ist, scheint mir aber klar. Hier ein übergesetzliches Notwehrrecht zu reklamieren, das ist bekloppt.
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TUGENDTERROR.
Die Kleba: Nötigung wird zum Mittel der politischen Überzeugung. Wenn ich den Grünen nicht apokalyptisch folge, stehe ich halt drei Stunden im Stau. Wird das helfen, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen?
Wer sich in Berlin noch frei bewegen möchte, fragt vorher: „Wo kleben sie denn heute?“ Man sucht dann nach Schlichen in der großen Stadt doch noch zeitig zum Arzt zu kommen oder in die Bibliothek. Die Klimakleber nennt das TV aus dem Hause Springer inzwischen schon notorisch „Klimachaoten“, den Volkszorn unterstützend. Die Kids gehen wirklich zu weit.
Ich fürchte, dass die Polizei bald mit Übergriffen der empörten Autofahrer auf die Festgeklebten zu tun haben wird. Die klammheimliche Freude der Grünen über diese Fraktion ihrer Unterstützer gefällt mir nicht. In klammheimlicher Freude kennt der Laden von Herrn Trittin sich ja aus. Das nährt die AfD, sprich den Rechtspopulismus mit faschistischen Wurzeln. Die Braunen sind inzwischen stärker als die Grünen; in manchen Landstrichen gar stärkste Partei.
Eine große Einfallsstraße ist zudem aus baulichen Gründen gesperrt. Ein geplatztes Wasserrohr hat den U-Bahn-Schacht unterspült. Damit fällt die Schiene wie der Asphalt aus; die Häuser sind gefährdet. Die Stadt stürzt ein, fürchtet man. Labiles Gleichgewicht. Da hilft dann im Extremfall auch keine Ampel mehr, um den Verkehr zu regeln (pun intended).
Man könnte einen Umzug der Regierung nach Weimar erwägen. Sorry, das war böse.
Zu den Fakten: Mein Freund in Norwegen heizt die Wohnung sommers mit einer Wärmepumpe, das Wasser immer direkt mit Strom, im Winter im Wohnzimmer zusätzlich mit Holzkamin (Birke) und indem er die Tür der internen Sauna auflässt (Strom). Sein Geld verdient er in der Off-shore-Gewinnung von Öl und Gas, das sie exportieren; Strom haben sie aus Laufwasser. Fragen?
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MYTHOS JOURNALISMUS.
Um eine Redaktion für eine Regionalzeitung wirtschaftlich betreiben zu können, muss der angestellte Redakteur im Durchschnitt 2,4 Artikel am Tag schreiben. Das erfahre ich gerade von einem alten Fahrensmann. Damit ist der Rahmen gesetzt, der für Recherchen bleibt.
Dem damit beschriebenen ökonomischen Problem konnten Verleger lange ausweichen, indem sie Schwarzarbeit zum Prinzip erhoben. Zwei Varianten: ich hebe Aufsätzchen von Laien ins Blatt, die sich als Betroffene gern gedruckt sähen. Oder ich nehme professionelles PR-Material herein, dass sich als Redaktionelles tarnt. Die Redaktion lasse ich obendrauf Agenturmeldungen kupfern oder aus Internetquellen weiteren Content zusammenstehlen. Aus diesem Brei wird ein Blatt.
Die Blätter sterben so nicht alle sofort, sie verfallen in Siechtum morbider Art, zu dem sich dann auch noch der Vertrieb meldet. Die Bedienung der Abos in schwachbesiedelten Räumen lohnt nicht mehr. Staatsknete willkommen. Sagen wir es klar: Das Geschäftsmodell ist im Arsch. Wenn Journalisten eine Zukunft haben, dann nicht mehr als Teil der holzverarbeitenden Industrie.
Online-Presse? Ach. Gelegentlich passiert es mir noch, dass ich mich von einem „cliffhanger“ anlocken lasse und nach drei Schritten vor einer Bezahlschranke hänge. Was für ein armseliges Geschäftsmodell. So werden Rheumadecken auf Kaffeefahrten an Rentner vertickt, aber doch bitte nicht die Erleuchtungen der Vierten Gewalt.
Es bleibt aber der Anspruch, mit der eigenen Wahrheit ein Correctiv der Wirklichkeit zu sein. Die gemeinnützigen Modelle, die der alten Überheblichkeit hier eine neue Zukunft geben sollen, kann ich nicht bewerten, da mir einige der dort agierenden Haltungsjournalisten als nicht satisfaktionsfähig erscheinen. Ja, es liegt sicher an mir, aber das ist mir schlicht nicht gegeben. Viel Glück.
Ich hab mir daher bei Elon einen blauen Haken gekauft und lasse den Sugardaddy meine privaten Daten ausspionieren. Dafür darf man dann dort spielen. Ich simuliere in Ein-Finger-Such-System mit natürlicher die künstliche Intelligenz, an der mich nichts, aber auch rein gar nichts fasziniert. Mir wäre nach einer Renaissance.