Logbuch

AUF WIEDERSEHEN.

Mit einem Auge sehe ich ein Bild von den exzessiven Trauerfeiern in England. Dass man sich wiedersehe, steht dort. Eine Lüge, aber trotzdem wohl tröstend.

Dass man ein Begräbnis zum monumentalen Kitsch machen kann, das ist jetzt bewiesen. Staatsschauspielende, noch über den Tod hinaus. Die Volksseele liebt solche Rituale. Mich berührt das eher als eine Peinlichkeit. Und ein Anachronismus; jedenfalls seit der Französischen Revolution. Aber unsere Sentimentalität mit dem Sterben hat natürlich einen tieferen Grund. Wir wollen nicht hinnehmen müssen, dass etwas endgültig ist. Unser Lebenswillen besteht darin, dem Schicksal zu trotzen. Jeden Morgen neu. Sonst könnte man ja auch gleich liegenbleiben.

Während des Zweiten Weltkriegs haben sich die von uns überfallenen Engländer Trost gespendet, indem sie das Lied von Vera Lynn mitsangen: „We will meet again! Don’t know how, don’t know when…“ Eine kontrafaktische Annahme für die dann im Krieg umgekommenen Menschen, euphemistisch „Gefallene“, die die Schützengräben nicht wieder hergegeben haben. Aber Ausdruck des Willens zum Kampf, und wenn er das Leben kostet.

Die religiöse Annahme einer Wiedergeburt oder eines Ewigen Lebens ist der naive Trotz gegenüber der Vergänglichkeit. Fiktional kühn. Vielleicht macht dieser Trotz einen Grund für den Erfolg des Christentums aus. Das Angebot einer fundamentalen Illusion. Denn eigentlich kann man nicht akzeptieren, was man bei aller Evidenz akzeptieren müsste. Wir haben nur eine kurze Zeit auf Erden. Jeder, der ein Elterngrab zu pflegen hat, kann das wissen.

Der wirkliche Trost über die Vergänglichkeit sind, so banal das klingen mag, Kinder und Kindeskinder. Brutpflege. Am Ende landet die Philosophie immer lapidar im Biologischen. Vielleicht ist das gut so. Der Rest sind, schönes Wort, halt Lebenslügen.

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MARKTWIRTSCHAFT.

Was für die Kartoffel und den Kohl gilt, das Prinzip regionaler Nachhaltigkeit, das soll auch den Energiemarkt bestimmen. Weg von den Monopolen. Heimische Energie. Die grüne Wende.

Weite Teile unserer Energieversorgung stehen vor der Verstaatlichung, weil sie die Risiken der Beschaffung als private Betriebe nicht mehr tragen können. Das gilt jedenfalls für den Gasmarkt. Das läuft dann so gut wie andere Behörden, zum Beispiel die Bahn.

Die Energieversorgung mit Öl ist in Händen internationaler Konzerne, die sich wie ein Kartell verhalten, zum Teil mit der Beteiligung von Staaten. Sie nehmen es von den Lebendigen und schützen ihre Oligopole.

Für die Kernenergie habe ich schon immer gesagt, dass sie nicht von börsennotierten Unternehmen betrieben werden kann, da das Restrisiko nicht versicherbar ist, zum Beispiel. Willkommen im militärisch industriellen Komplex.

Die Weltmärkte für Kohle funktionieren nicht anders als die für Öl oder Gas. Und grüner Wasserstoff ist ein Einhorn, das erst noch gefangen werden muss. Ich könnte verraten, wie man Einhörner fängt; das ist aber, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Deshalb ist es so wertvoll, dass der Anlagenbau zur Nutzung von Sonne und Wind in der Hand inländischer mittelständischer Hersteller ist und die Anlagenbetreiber aus sehr vielen dezentralen Privatleuten bestehen. Die gut ausgebauten Netze bringen den Nordseewind auf die Alm und die mediterrane Sonne auf die Hallig. Und die Branche ist eine friedliche Genossenschaft von Herstellern, Betreibern und Nutzern. Mittels günstiger Energiepreise betreibt man nationale Wirtschaftspolitik. Deutliche Exportüberschüsse. Alles gut.

Finde die Fehler.

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OKTOBERFEST.

Ich musste in diesem Jahr nicht aufs Oktoberfest.

Mir fehlen fünf Liter Bier im Bauch, ein Brathähnchen und ein scharfes Wurzelgewächs, gegen derer Belastung des meinigen Magens ich Vogelbeerenschnaps und Underberg zu mir zu nehmen pflegte. Und das bei einer Konfirmandenblase. Kein Prosit der Gemütlichkeit. Keine anhängliche Osteuropäerin. Keine Tracht. Kein Kater. Kein Thomapyrin.

Ich hatte wohl noch eine Einladung, die aber höflich abzulehnen ich mir die Freiheit genommen habe.

Mutter, es geht mir gut.

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DOOF WIE BROT.

Dass ein Lebenslauf geschönt ist, das kann einen PR-Manager nicht überraschen. Das ist ja sein Handwerk, aus Tand eine Torte zu formen, aus Krümeln einen Kuchen. Nie würde ein Profi das bestreiten.

Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Frau BÄRBOCK ist bei so einem „Pimp your CV“ („Möbel Deinen Lebenslauf auf!“) erwischt worden. Lässliche Sünde, Schnee von gestern. Wie aber verteidigt sie das heute? Dazu wusste die Sonntagszeitung nun wirklich Sensationelles zu berichten. Dort wird die PR-Truppe der „Kanzlerin in spe“ ausdrücklich erwähnt.

Man hat der Zeitung nämlich eine Liste gezeigt von biografischen Rühmlichkeiten, die BÄRBOCK auch noch im Lebenslauf hätte nennen können, aber es versäumt hatte. Sie hätte also noch mit ganz anderen Dingen prahlen können, als nur mit den geschummelten. Das ist das Argument. Man ist sprachlos. Aha. Was soll das jetzt beweisen?

Es soll beweisen, dass Frau BÄRBOCK nicht eitel ist, sondern nur schusselig war. Und ab und an mal schlampig zu sein, das ist ja kein Verbrechen. Stimmt. Der Artikel schildert sie überhaupt als SPIELERIN, die gerne fünf gerade sein lässt. Annalena zockt gern. Das wird dort politisch gelobt. Nur schlampig also. Will man eine Schlampe im Kanzleramt, fragt nun der Teufel. Diese Verteidigung ist so dumm, dass man Mitleid mit den Grünen zu spüren beginnt. TAND statt TORTE. Vom KUCHEN bleiben KRÜMEL.