Logbuch

SCHEINRIESE SPD.

Im Bund liegen SPD und FDP gleich auf, jeweils bei 12 oder 13%. Die Liberalen könnten die Sozis erstmals überholen. Trotzdem will OLAF OHNE LAND gern Kanzler werden. Na servus. Es ist grotesk.
In Sachsen ist die AfD die stärkste politische Kraft, noch vor der Union.
Die SPD liegt bei 6%. Sie könnte hier erstmals sogar an der 5%-Hürde scheitern. Trotzdem will OLAF OHNE LAND ... Aber das hatten wir ja schon. Es ist grotesk.
Froh sind die Sozialdemokraten als Partei, sich solcher Figuren wie SCHMIDT oder SCHRÖDER oder GABRIEL entledigt zu haben, die ihr gut und gerne ein Drittel aller Stimmen einbrachten. Als sie sich noch als DIENER des GEMEINWESENS verstand.
Jetzt will der SPD-Vorsitzende, nach dem Ende von Kernenergie und Kohle und dem Aus für Benzin und Diesel und Öl, auch noch aus der Versorgung mit russischem Erdgas aussteigen. Er sei, sagt er, gegen die direkte Versorgung Deutschlands über North Stream 2. Sag leise SERVUS zum Abschied. Servus heißt übrigens DIENER.

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JARGON.

Der legendäre Dichter und Komponist Bob Dylan nannte sich einen „song and dance man“. Schlicht und klar, natürlich untertreibend, die Bescheidenheit der Könige. Der Jahrhundertdichter Bertolt Brecht bezeichnete seine antiaristotelischen Dramen als „Stücke“ und trug als Berufsbezeichnung: „Stückeschreiber“. So nannte er sich: „der Stückeschreiber“. Schlichter geht nicht.
Die Sängerin Edith Piaf, deren Nachname im Französischen der umgangssprachlichen Wendung für einen Vogel entsprach, kam mit dem „Spatz von Paris“ zurecht; einem Ausdruck der Bewunderung. Im Englischen spricht man von „understatement“, wenn sich jemand nicht plustert und bläht.
Im „Manager Magazin“ finde ich einen Menschen aus dem Mittelbau einer Bank, der sich so vorstellt: „Chief Group Compliance Officer und Leiter Governance, Risk & Compliance“. Aha. Warum zwei, drei deutsche Wörter unter sieben englischen? Über eine Kolumnistin heißt es dort: „Senior Advisor. Sie interessiert sich für Leadership, Bildung und vor allem Menschen.“ Eine Seniorenberaterin? Die sich mehr für Menschen als für Bildung interessiert? Und was ist das, Leadership?

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STAATSOBERHAUPT.

Einen König oder Kaiser haben wir Deutsche nicht mehr. Der Bundespräsident ist das STAATSOBERHAUPT. Das will Frank Walter Steinmeier noch eine weitere Amtszeit bleiben. Ich kenne den Mann. Er ist sehr erfahren in der Politik. Er kommt aus der Landespolitik und war in Berlin alles, Fraktionschef, Leiter BK, Architekt der Agenda, Minister des Äußersten, ein alter Hase. Er hat Erfahrung, einen weiten Horizont und vermutlich auch Charakter.
Er wolle die Verlängerung „nicht aus Bequemlichkeit“, sagt er. Ach, er ist ein so dramatisch schlechter REDNER. Aus einem Sterne-Menü edelster Speisen, das ihm seine Beamten bereiten, weiß er am Pult einen bräsigen Brei zu machen. Er ist rhetorisch MISTER MILUPA. Was er löffelweise verfüttert, das schmeckt wie Schinkennudeln aus dem Gläschen. SPOONFEEDING. Krankenhauskost. Kinderbrei. Als habe es schon mal jemand gehabt.
Noch schlimmer sein EVENT MANAGEMENT. Kerze ins Fenster. Stuhlkreis. Wenn er wirklich eine Idee gehabt haben sollte mit einer Veranstaltung, so verquast er das stets zu einem linkischen Behördenakt. Es ist zum FREMDSCHÄMEN. Ach, wenn ich da im Guten nach Paris schaue oder im Bösen nach London...
Frank Walter ist ein König ohne Krone. Er hat kein CHARISMA. Er passt zu uns. Er gilt als integer. Es ist paradox.

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DEM RALF IHM SEIN GEBURTSTAG.

Gestern war der Tag des Pronomens. Das hat fachliche Bezüge, die ein Hauch von Langeweile umgibt, und ideologische, bei denen mir der Draht aus der Mütze fliegt. Ich weigere mich nämlich, überhaupt nur zur Kenntnis zu nehmen, was die Schwätzerinnen unter „genderneutraler und klimagerechter Sprache“ verstehen.

Ich kann das begründen. Man kann über PRONOMINA überhaupt nur reden, wenn man Roland Harwegs Habil zu „Pronomina und Textkonstitution“ gelesen hat. Das 1968 erschienene Werk ist die Grundlegung der Textlinguistik überhaupt. Harweg war in Bochum Ordinarius und einer meiner drei Prüfer im Rigorosum. Ich habe mich seiner Gunst erfreut. Möge ihm die Erde nicht zu schwer werden. Ihm seine Erde.

Heute werden Pronomina in Briefköpfen genutzt, um Nomina umzudeuten, meist im Sinne von Ersatzreligionen der symbolisch überhöhten Devianz; etwa weil man möchte, dass Egon ein Frauenname ist oder die Erdgeschichte eine thermische Revision erfährt. Ich könnte beides, die Genderfrage wie die Erdgeschichte an den beiden Ginkgo Bilobas erklären, in deren Schatten ich gelegentlich sonnige Nachmittage verbringe. Ich habe sie gepflanzt und lasse ihnen Hege wie Pflege angedeihen. Aber man braucht Geduld, die Geschlechtsreife tritt erst nach 25 Jahren ein. Erst dann weiß man ihr sein Geschlecht.

Verlassen wir die Welt der FÜRWÖRTER, so heißt das Pronomen, das der Lateiner Provokabulum nennt, auf deutsch, und wenden uns der NEUEN BOURGEOISIE zu. In meiner Nachbarschaft im Westerwald hat ein ortsansässiger Milliardär ein Wohltätigkeitsessen gegeben, bei dem eine Millionenspende für arme Kinder zusammengekommen ist. Die Witwe von Guido Westerwelle rühmt sich, das organisiert zu haben, ein Herr mit dem Kosenamen Micky. Von einem geschwätzigen Hotelier erfahre ich, wer alles da war, beim Ralf zu Fisch und Filet.

Mir liegt nichts an Indiskretion, obwohl ich schon gerne wüsste, ob meine Kneipenbekanntschaft GRÖNEMEYER bei Ralf Dommermuth nur gespeist oder auch gesungen hat. Zum Beispiel von der Currywurst. Tjo, während der an einer Weltkarriere bastelte, der Herbert, habe ich in der Bibliothek gesessen und Roland Harwegs endlose Ableitungen von den Pronomina gelesen. Und der Ralf hat mit Immos und PCs gedealt.

Apropos Bochum: wie heißt das männliche besitzanzeigende Fürwort im Revier? Das maskuline Possessivpronomen heißt „ihm sein“.