Logbuch

KILLED BY INSTA.

In den Sozialen Medien des Internets bietet Instagram die Möglichkeit, mit privaten Fotos für Ruhm zu sorgen. Das kann tödlich sein. Siehe Christine Lambrecht.

Rudolf Scharping hat für seinen politischen Selbstmord noch die klassische Illustrierte BUNTE benötigt, die ihn als Verteidigungsminister im Pool auf Malle mit einer Scheidungsanwältin planschend zeigte, als seine Soldaten in den Krieg zogen. Mama Lambrecht hat dafür einen Sohnemann und Instagram.

Jetzt hat die Bundesregierung, worunter auch das englische Königshaus leidet: einen HARRY, der auf Rache sinnt. Mama Lambrecht ist als IBuK (Kriegsherrin) zurückgetreten worden. Ihre Nachfolgerin, Eva Högl, ist ein ähnliches Winkelement wie sie und Armin Laschet, aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Was ist die Insta-Strecke? Erst Verdacht auf Spesenbetrug mit Sohnemann durch Dienstflug in den Sylturlaub. Dann Geburtstagsparty für den Spund im Privatclub der Berliner Bourgeoisie. Dann angeblich von dem jungen Mann aufgezeichnete Böllerrede zu Silvester. Immer privat, immer peinlich. Schuld war wohl stets der Sohn der Alleinerziehenden, getadelt hat sie aber die Medien, die sich auf sie fokussiert hätten.

Erfahrene Politiker weilen im langweiligen Langeoog, gehen im biederen Borkum in die Bar oder in Swinemünde in den polnischen Puff, und zwar immer und vor allem heimlich. Aber sie suhlen sich nicht vor Paparazzi in der Sansibar des sündigen Sylt, wo sie ostentativ mit der Bundeswehr oder dem eigenen Propeller eingeflogen sind.

Vor allem aber verbieten sie ihren vorlauten Infanten von dem prahlerischen Luxusleben Fotos auf Instagram zu posten. Sonst tritt schon mal der Verteidigungsfall ein.

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KEIN SCHÖNER LAND.

Warum findet das KONSERVATIVE keinen Kanzler? Friedrich Merz bleibt ein leerer Anzug. Warum wächst dem BÜRGERLICHEN kein Kopf? An der Stärke der Gegner kann es nicht liegen.

Unterbrechen wir für einen Moment den Spott über die AMPEL, der es die Geschichte wahrlich nicht leicht macht, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Vernachlässigen wir für eine Sekunde die Warnungen vor dem Rechtspopulismus der AfD. Was ist mit dem gutbürgerlichen, liberal gesinnten KONSERVATIVISMUS? Dem „Normalen“ in der Mitte; von mir aus auch rechts der Mitte? Wenn sie hier ein personelles Angebot hätte, könnte die Union wieder die Regierung bilden; sollte man meinen.

Was fehlt Friedrich Merz dazu? Noch immer ist Helmut Kohl ohne Nachfolge. Das Interregnum unter der Dame aus dem Osten hat die Union IDEOLOGISCH nie mit Glück erfüllt. Frau Merkel war eine ungewollte Gelegenheit des Machterhalts, aber keine LEITFIGUR konservativer Werte. Ist es die Konkurrenz an reaktionären Parolen durch die AfD, die Merz so hohl klingen lässt? Rechts blinken und geradeaus fahren, das gelingt ihm nicht so richtig. Empty suit.

In der CDU weiß man, dass der bayerische Ton der CSU national nicht hilft, zumal diese mit dem opportunistischen Franken Söder auch keinen echten Strauß-Ersatz gefunden hat. In NRW befördert man mit einem neuen Schönschwätzer als schwarzem Ministerpräsidenten das Konzept, konservativ zu sein, aber auf keinen Fall so zu erscheinen. Immer gut gekämmt, der Westentaschen-Kennedy. Ein schwarz-grüner Versuch, dessen Selbstverleugnungen epochal sind.

Das KONSERVATIVE findet keinen authentischen Ausdruck. Armin Laschet hätte es sein sollen, wurde aber sein Alter Ego, den Bruder Leichtfuß, nicht los. Es herrscht stattdessen ein Sog von rechts, der dadurch entsteht, dass die AfD zwar zu verdammen ist, aber trotzdem die Themen ansaugt, mit denen man rechts der Mitte Stimmung machen könnte.

Mich erinnert diese Bredouille an die USA, wo die Demokraten unbeliebt sind und die Republikaner unwählbar. Diese Schwäche des bürgerlichen Lagers kann der Demokratie gefährlich werden. Sie hinterlässt uns als Wähler zwischenzeitlich vor dem Dilemma, den wohlgenährten Zeitgeist der grünen Bellizisten zu ertragen, weil wir uns trösten, dass da noch eine FDP ist, die aber auch kein Kapital schlagen kann, und eine SPD, die sich im Attentismus übt.

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TASS KAFF.

Der Engländer kürzt sie als CUPA ab, die cup of coffee. Die hysterische Sekretärin fragt, eine Oktave zu hoch: “Käffchen?“ Die Italiener haben eine Wissenschaft draus gemacht mit Maschinen so groß wie Mondlandefähren. Eigentlich gehörte der Kaffee aber den Osmanen.

So ist er über die Welt gekommen, der Lebenssaft aller müden Menschen, aus den Basaren. Der Wein der Muslime. Dann natürlich der Treibstoff der Kolonialherren, in den Kaffeehäusern Londons. Auf der Mitte beider Kulturen das Wiener Café, eine Stätte der Kultur. Kaffee ist das Bier der Klugen, Treibstoff der Wachen, ein Medium der Aufklärung.

Warum beginnt der Tag erst nach dem Genuss eines Kaffees? Man könnte argumentieren, dass das anregende Coffein sei. Aber das ist vordergründig. Kann das Geheimnis im warmen Wasser liegen? Wohl kaum. Obwohl, wenn man sieht, was der Engländer an Tee zu sich nimmt, man schon von Trinkkuren sprechen könnte. Die amerikanischen Kulturbanausen bei Starbucks verunstalten den Ritus mit Glaströgen voll aufgeschäumter Milch und skurrilen Geschmackszusätzen. Zudem fragt mich der Affe mit dem „men‘s bun“ hinter der Theke nach meinem Vornamen, den er auf den Pappbecher pinselt. Ekelhaft.

Wir reden hier von einem echten Morgenkaffee, der mittels der Aromaporen des Filters aus dem Haus Melitta gelaufen ist. Ja, Aromaporen. Vielleicht sprechen wir noch vom Crema aus der Monstermaschine, so sie aus Italien oder der Schweiz stammt. Aber bitte keine Kapseln, weder aus Alu noch aus vulgärem Plastik. Nie. Dann lieber noch den gefriergetrockneten Pulverkaffee, die Notlösung der Obdachlosen.

Und Schweigen. Ruhe. Kein Radio, kein mitlaufendes TV, kein Gespräch. Nur die schwarze Brühe des Osmanen und ich. Kein Geplapper!

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FREUNDLICHKEIT.

Unerwartete Höflichkeit verändert die Menschen. Man unterschätze nicht solche Gesten der Sympathie. Gestern wurde ich Gegenstand dessen. Ein Hiwi hatte für einen Berufsverband um einen Interviewtermin gebeten und mein Büro aus Routine zugesagt.

Doch dann öffnet sich zum Termin das Fenster der Video-Konferenz und ich sehe zu meiner Überraschung: Es ist der Präsident selbst, der mit mir sprechen will. Ich bin überrascht. Es geht um die etwas eitle Frage, ob ich in meinem Beruf wohl eine LEGENDE sei. Das kann man ja eigentlich nur errötend zurückweisen.

Solche Bescheidenheit ist PR-Leuten aber wesensfremd. Rumpelstilzchen-Effekt; gäbe man das zu, würde es einen PR-Typen glatt zerreißen. Das ist aber, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Ich finde mich „estimiert“ in einem sehr gut vorbereiteten Gespräch, mit Charme und Eleganz geführt, von einer so ungekünstelten Höflichkeit, als sei ich eine LEGENDE. Der Präsident ist akademisch von meinem Fach und professionell auf der Höhe. Das Ganze eine wirkliche Freude.

Wir reden über 20 Jahre als angestellter PR-Chef in der Industrie und 20 Jahre als Inhaber der eigenen Agentur und 25 Jahre mit einer Honorarprofessur für Kommunikationsmanagement: „a street dog of PR“. Ein alter Hund lernt keine neuen Tricks. Obwohl…

Das Interview hinterlässt mich verlegen und mit der bohrenden Frage, ob ich dieser FREUNDLICHKEIT überhaupt gerecht geworden bin. Zudem habe ich seit meinem Studium ein Problem mit dem Wort. Es stand unter einer großen Karte, an der ich regelmäßig vorbeikam. Und ein Witzbold hatte mit Filzstift ein zweites Wort ergänzt. Wer das Kompositum einmal gelesen, konnte die neue Bedeutung niemals mehr vergessen. Da stand: „Legende Hühner.“ Damit ist die LEGENDE kaputt.

Zu korrigieren ist noch die Bezeichnung Hiwi („Hilfswilliger“); man sagt jetzt SHK („studentische Hilfskraft“) oder Assi. Sorry. Nichts für ungut, Herr Kollege! Dank für die Unterstützung. Wenn ich mal was für Sie tun kann… So steckt Höflichkeit an.