Logbuch
Provinz vs Metropole. Wie entlegen ist der Westerwald? Nun, die Lahn zur einen Seite, Mittelrhein und Mosel zur anderen. Von den vier Flughäfen in der Nähe schließt jetzt allerdings einer, so dass nur Frankfurt, Köln/Bonn und Düsseldorf bleiben. Alle drei in Betrieb und mit Zuganbindung. Bahnstrecken zwei: ICE ex Montabaur oder Koblenz. 15 oder 30 Minuten entfernt. Autobahnen zuhauf. So, und jetzt Du, liebes Berlin, einsamer Sehnsuchtsort mitten in Brandenburg. Brandenburg!
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Corona wird, wie früher Pest und Cholera, die Metropolen als Moloch diskreditieren und das Landleben erstrebenswert erscheinen lassen. Von wo man an Video-Konferenzen teilnimmt, ist egal, dann doch lieber aus der Idylle. Wir bauen gerade auf dem Dorf Bauernkotten um in Co-Working-Places, vierhundert Jahre alte Gebäude. Das Internet erlaubt die räumliche Atomisierung bei kommunikativem Zentralismus; sprich das Ubiquitäre.
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Ein Hintergrund-Dienst, der immer zum Wochenende erscheint, nennt die drei PR-Agenturen, die sich um die (am Ende zweifelhafte) Reputation von WIRECARD Verdienste erworben haben sollen. Darunter ein persönlicher Freund von mir, ein persönliches Freunderl und ein Laden, mit dessen Chef ich lange Jahre ein Lobe-Kartell hatte. Einer davon, der vorübergehende Pressechef der insolventen Aschheimer, wird dort „ein Meister seines Fachs“ genannt. Vielleicht etwas hoch gegriffen, aber es freut mich für ihn sehr, Respekt. Doof nur, dass er das Lob jetzt nirgendwo verwenden kann, wenn er nicht mehr erkennen lassen will, welchem Mandanten er da gedient hat. Söldnerstolz ist zweischneidig. Vae victis, wehe den Verlierern.
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KULTURKAMPF.
Ich schlage eine vergleichende Mentalitätsstudie in Österreich und Ostdeutschland vor. Kärnten und Sachsen etwa. In beiden deutschsprachigen Regionen hat die NEUE RECHTE ein Drittel der Stimmen und ist stärkste Partei. Prognose für FPÖ wie für AfD 32%. Die Konservativen von ÖVP und CDU klar abgeschlagen. Die Grünen in Austria bei 10% und die Sozis bei 23%, also noch um 16 Prozentpunkte stärker als die SPD in Sachsen (7%), bundesweit aber nur noch bei einem Sechstel (Olaf hat fertig).
Was ist da passiert? Ich meine nicht mit dieser oder jener Zahl. Gibt es eine neue Tektonik? Ein Drittel der Wähler mit rechtsradikaler Ambition? Kann das sein? Besonders putzig finde ich, wenn Österreicher DEUTSCHNATIONAL gestimmt sind. Die wollen wieder den Anschluss? Weitere Frage: Kriegen wir einen europafeindlichen Sockel, wie er in Austria und Großbritannien zu bemerken ist, dann auch im deutschen Osten? In ganz Deutschland? Und was sind das für Leute in den ominösen Drittel?
Mich interessiert deren Mentalität. Es geht mir dieser Spruch durch den Kopf, dass alte Leute sonderlich werden. Zeigt sich hier die demographische Langlebigkeit? Steile These: Die NEUE RECHTE besteht aus zu alten Männern in ländlich verödeten Räumen mit sehr niedrigem Bildungsniveau und klarer Vorliebe für Volksmusik. Der HÄSSLICHE DEUTSCHE lebt auf Rente in Chemnitz und Klagenfurt.
Das ist natürlich Quatsch. Trotzdem würde es mich interessieren: Was sind das für Mitbürger, die sich da zu einer schweigenden Mehrheit formieren, die nicht mehr schweigt? Kann man davon ein Bild, eine Innenansicht, malen? Nicht im Spiegel ihrer ideologischen Selbstbeschreibung, sondern mit kühlem Respekt sozialempirisch betrachtet. Eine Milieustudie. Ein Mentalitätsprospekt. Eine Anthropologie der Biedermänner. Gibt es so was schon?
So wie wir das rotgrüne Milieu der Altachtundsechziger beschreiben können, aus dem die Herren Steinmeier, Trittin und Habeck sowie die Damen Göring-Eckart und Baerbock stammen. Da hat historisch ganz verschiedene Binnenmilieus, aber dann einen zusammengeschmolzenen Zeitgeist, der gerade an der Macht ist. Ich sage nur HEIZUNGSGESETZ. Der Zorn auf die Ampel hat ja mit der Aversion gegen diese Mentalität zu tun. Das bringt mich zu der Frage: Haben wir einen KULTURKAMPF, in dem zwei kulturell unvereinbare Blöcke sich gegenüberstehen? Oder in inniger Hassliebe aneinander reiben?
Das würde Glanz & Elend der Ampel erklären. Verlust der Hegemonie.