Logbuch

HERRENAUSSTATTUNG.

Nie mache ich zur Kleidung von Frauen in der Politik Bemerkungen; auch nicht zu dem Perlhuhn der Neuen Rechten. Gilt als frauenfeindlich. Aber auch der Herr von Welt bedarf der Ausstattung. Das ist ein echter Beruf, der des Herrenausstatters. Siehe Schröder und sein Brioni. Oder Markus Söder und das Jankerl. Aber VORSICHT. Dünnes Eis. Man will wegen solcher Bemerkungen ja nicht als Nazi gelten.

Der Jörg Pilawa aus Poppenbüttel ist seit gestern mit den höchsten Persönlichkeiten des Staates auf repräsentativen Fotos zu sehen. Er steht an der Seite der Zweiten Frau im Staate, der Bundestagspräsidentin, weil er, so vermute ich, ihr neuer „walker“ ist, die privat verbundene Begleitperson der gelernten Weinkönigin.

Ich bemühe mich hier um eine vorsichtige Wortwahl, da die Maßstäbe für den Einsatz der Justiz gegen unerwünschte Meinungen in meinem Vaterland deutlich verschoben sind; man darf die Staatsorgane nicht mehr lächerlich machen. Man wäre dann Nazi. Ich will mich daran halten; enthalte mich also eines Kommentars zu den mitgebrachten Ehefrauen beim Bundespräsidenten, dem Bundeskanzler und dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts. Warum bei diesen Staatsorganen am 03. Oktober die Gattinnen obligatorisch sind, wäre ohnehin eine ordnungspolitisch interessante Debatte: „Muss man dann mal mit Mutti?“

Jedenfalls kann man, ohne Nazi zu sein, sagen, dass diese Herrschaften mit Ehegattin aufgeschlagen sind und die weinselige Julia mit ihrem jüngsten Hospus. Der frisch gekürte Partner Pilawa aus Poppenbüttel kam im Schwarzhemd. Als ehemaliger Junggeselle kann ich den Vorteil des „black collar“ aus eigener Erfahrung loben; man muss nicht so oft Waschen, Hals wie Hemd. Da der Herr Pilawa aus Poppenbüttel aber einige Semester Geschichte studiert hat, darf ich etwas zu seinem Outfit ergänzen. Man trägt für diese Republik keine Schwarzhemden. Auch nicht als Inhaber eines Herrenausstatters aus Poppenbüttel.

Mussolini hat das Schwarzhemd eingeführt für seine faschistischen Schlägertruppen. Hitler hat so die SS gekleidet. Das war die Uniform des Terrors. Schwarzhemd war ein fester Begriff. Selbst die englischen Faschisten priesen das „black shirt“. Das geht zu Staatsakten dieser Republik als deren Repräsentant gar nicht. Warum weiß das der parfümierte Prolet aus Poppenbüttel nicht? Ich passe.

 

Logbuch

LAUTER PROMMIS.

Immer wenn in Berlin zu Gericht, dann gehe ich gegenüber dem monumentalen Justizpalast in die Dorothenstädtische Buchhandlung (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Friedhof). Diesmal erwerbe ich „Bis zur letzten Instanz“, eine Lebens- und Rechtsgeschichte von Matthias Prinz, dem berühmten Prommi-Anwalt. Ich habe ihn in einer Reihe von Mandaten als Presserechtler erlebt und schätze ihn sehr. Ein guter Mann, ein sehr guter.

Er berichtet aus der Fülle seiner Mandate und balanciert zwischen dem Gebot anwaltlicher Verschwiegenheit und dem Prahlen mit einer illustren Mandantschaft; übrigens das Kernparadox des Prommi-Anwalts. Der Bossi-Effekt. Ich lese in dem Buch mit großem Vergnügen, wie er die Waage hält; insbesondere die zwischen der Wirklichkeit, die ich als Zeitzeuge anders kannte, und der feingeschliffenen Wahrheit seines Plädoyers. Nicht ohne Charme. Allerdings erinnere ich nichts mehr so besonders genau; eine „deformation professionell“.

Dann hatte ich einen Austausch mit Christoph Peters, dem Erfolgsautor, der von einem Gemeinten seiner authentischen Dichtung verklagt wurde wegen zu großer Lebensähnlichkeit (der im Roman gehörnte Gatte mit wenig Erfolg vertreten durch die Prommi-Kanzlei von Christian Schertz). Peters lehnt mein Angebot einer Romanidee ab, was ich am Ende verstehe. Es bliebe immer, selbst wenn er es großzöge, ein Adoptivkind. In der Dorothenstädtischen der umstrittene Roman im Stapel; verkauft sich.

Dann Literaturpreis Niedersachsens für Erfolgsautor Feridun Zaimoglu, den ich vor 30 Jahren entdeckt habe; Preis benannt nach Walter Kempowski, einem elenden Langweiler. Aber Feridun meistert das mit seinem orientalisch freundlichen Humor und kafkaesker Schlitzohrigkeit. Kurzer, aber sehr guter Bericht darüber im NDR; kreuznette Journalistin aus der Redaktion Landespolitik, noch nicht prominent.

In den Sozialen lobt der Prommi-Anwalt Gerhard Strate seinen Kollegen Matthias Prinz als einzigen Hamburger Anwalt, den er schätze. Der Strate kann ohne Neider nicht leben. Ich erinnere mich, dass im Büro von Prinz ein Foto stand, das ihn auf der Segelyacht des Aga Kahn zeigt, wo er mit blanker Brust gegen den Wind pinkelt. Oder trügt mich da mein ohnehin sehr schlechtes Gedächtnis? Keine Ahnung. Ich vergesse sehr vieles, Herr Vorsitzender… Kein guter Zeuge. Keiner.

Über den Rest schweigt des Dichters Höflichkeit.

Logbuch

DIE ANTI-ELITÄRE ELITE.

Man versteht in Europa nicht so recht, warum die Politik des Donald Trump in den USA von breiter Zustimmung getragen wird. Ich habe mich belesen und kann es erklären. Die NEUE RECHTE beruht auf einem besonderen sozialen Träger, dem deklassierten frustrierten Kleinbürgertum. Diese Hefe wirkt weit über sich selbst hinaus als Steigbügelhalter besonderer Art.

Es begann bei den Rechten schon zu Beginn der neunziger Jahre; es wurde eine neue Freund-Feind-Logik geboren. Zum amerikanischen Wesen, an dem die Welt genesen sollte, wurde ein neues Milieu in die Position des Authentischen gehoben, das zu Unrecht deklassierte Kleinbürgertum der Provinz. Es wurde die Geschichte des verarmten Bauern wiedergeboren. Der kleine Händler, den die Konkurrenz an die Wand drückte. Der Bürgermeister im Nirgendwo, der unter „federal law“ litt. Auch Arbeitslose im „rust belt“, die mal die Demokraten gewählt hatten. Insgesamt ein Milieu, dass den Kleinkapitalismus liebte, weil er auch den Ungebildeten einen Dollar machen ließ. Und das Faustrecht des Weißen Mannes sollte wieder was gelten.

Wer war an der Deklassierung der „fly-over-states“ Schuld? Die Küstenstaaten mit ihren „over-educated“ Eliten. Offener Hass gegen Schwarze an Unis und Juden an Börsen; gegen linksgesinnte Demokraten im „deep state“, denen jetzt nach rechts gewendete Republikaner gegenüber standen, die auch wieder von der Überlegenheit der Weißen Rasse schwadronierten. Gegen diese Eliten und ihren Rechtsstaat wollte man Joe Six-Pack vertreten und Amerika wieder groß machen. Egal wie. Zur Not durch Kneipenschlägereien.

Dass sich zum anti-elitären Moment eine dubiose Bourgeoise anbot, die nicht so fern vom diskriminierten Milieu war, störte nicht den Erfolg, weil die MAGA-Herren durch eine Propaganda der Regelverstöße ihre Wähler zu beeindrucken wusste. Eine kulturell autoritäre Linke tat ihr übriges durch allerlei ideologischen Zirkus. Trump ist nicht trotz seiner Ausfälle populär, sondern wegen der kulturellen Attacken, die er reitet. Die Show stimmt.

Jeff Bush hat dem Wahlkämpfer Trump mal entgegengehalten, er könne sich nicht durch PÖBELEI im Amt halten; worauf der entgegnete: „Das werden wir ja sehen!“ Nun, der Beweis ist erbracht.

Logbuch

DAS RICHTIGE FALSCH BEGRÜNDET.

Die Grünen erschienen mir oft als Spinner. Ich habe nie an die Apokalypse des Klimas geglaubt. Aber REGENERATIVE ENERGIEN sind schlau, halt nur falsch begründet. Ich bin für die Energiewende.

Es kann gar nicht falsch sein, die EFFIZIENZ zu steigern. Weil es immer dumm ist, einen unnötig hohen Aufwand zu treiben. Ich renoviere privat gelegentlich sehr alte Häuser. Und sage: Die Alten haben das gewusst, weil sie arm waren und Brennstoff teuer. Damit ist der erste Punkt abgehakt.

Es kann gar nicht falsch sein, sich aus dem eigenen Garten zu ernähren. Wer seinen Hunger mit exotischen Kolonialwaren stillen will, wird diese aus den Kolonien importieren müssen. Was für den Magen gilt, gilt für den Ofen. HEIMISCHE Energien zuerst! Damit ist der zweite Punkt klar.

Es kann gar nicht falsch sein, Dinge wiederzuverwenden. Und wiederzuverwerten. Reparatur ist eine Haltungsfrage. Selbst aus dem Mist hat der Kleinbauer noch Dünger gemacht. Das Prinzip der REGENERATION ist das der Jahreszeiten. Es gilt die Sonne einzufangen und den Wind zu bändigen. Dritter Punkt klar.

Es kann gar nicht falsch sein, die wirklichen Kräfte der Natur zu nutzen. Zumal wenn sie heimisch sind und regenerativ. Also reichert man URAN an, bis es brennstofffähig ist und entwickelt die Kernkraft weiter. Schnelle Brüter! Keine Klimagase. Kein fossiler Fußabdruck. Nukleare Ökologie. Vierter Punkt. Ups.

Solches hörte ich mit Erschrecken von meiner Geschichte. Kann das sein? Irgendwann und irgendwo ist dieses Land falsch abgebogen.