Logbuch

Ein Hintergrund-Dienst, der immer zum Wochenende erscheint, nennt die drei PR-Agenturen, die sich um die (am Ende zweifelhafte) Reputation von WIRECARD Verdienste erworben haben sollen. Darunter ein persönlicher Freund von mir, ein persönliches Freunderl und ein Laden, mit dessen Chef ich lange Jahre ein Lobe-Kartell hatte. Einer davon, der vorübergehende Pressechef der insolventen Aschheimer, wird dort „ein Meister seines Fachs“ genannt. Vielleicht etwas hoch gegriffen, aber es freut mich für ihn sehr, Respekt. Doof nur, dass er das Lob jetzt nirgendwo verwenden kann, wenn er nicht mehr erkennen lassen will, welchem Mandanten er da gedient hat. Söldnerstolz ist zweischneidig. Vae victis, wehe den Verlierern.

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Die Nicht-Entdeckung von WIRECARD durch die deutschen Investigativen zeigt einen häufigen Modus Operandi: Verwertung von schwarzem (!) PR. Wenn Pepsi Material gegen Coca verdeckt anbietet, gibt es grandiose Recherche-Erfolge gegen Coca, ohne dass Pepsi als Quelle auftaucht. Gegen Wirecard fehlte lange der Denunziant. Also war es ruhig. Die Investigativen sind ein Haupt-Einfallstor von schwarzem PR. Das wertet den Effekt nicht ab; aber man darf es wissen.

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Wirtschaftsprüfer. Ein Titel von Gewicht, der mit Stolz getragen wurde. Ich kannte einen Finanzvorstand, dessen Initialen zufällig mit WP begannen , der sich mit dieser Abkürzung aber bewusst vorstellte, quasi als Doktortitel. „Gestatten, WP Meier!“ Eine besondere Autorität. Daran könnte sich etwas ändern, wenn sich E&Y nicht um seine Reputation kümmert. Grüße aus Aschheim.

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DAS PORTRÄT.

Face Book. Buch der Gesichter. Wie kann das Bild eines Gesichts den ganzen Menschen darstellen? Nicht nur seinen Körper. Es erscheint uns als SPIEGEL DER SEELE. Woher diese Offenbarung?

Diskussion mit Studenten über Fotos in Bewerbungen. Mein Eindruck: anhand der Bilder findet die erste Vorauswahl statt. Widerspruch einer Kommilitonin, die schon mal in einer Personalabteilung (sie nennt das englisch HR) gearbeitet hat; es werde nach Qualifikation ausgewählt. Ich habe da meine Zweifel und rate den Karrierewilligen zur professionellen Gestaltung der Fotos. Sie sollen dafür richtig Geld ausgeben.

Überhaupt ein Wunder. Woher wissen wir, dass Mona Lisa lächelt. Ich habe im Louvre vor dem Gemälde gestanden und war vor allem irritiert. Es ist unter Glas. Man sieht sich selbst gespiegelt. Aber bleiben wir bei der Mimik als Seelenspiegel. Das mag schon biologische Gründe haben („Will mich das Wesen fressen?“), aber sicher psychologische („Wird das Wesen mich stillen?“) Nächster Blick aufs Dekolleté. Geheimdienstleute achten bei Passfotos übrigens immer auf die Ohren, weil hier das Individuelle voll zuschlage; hat mir mal ein STASI-Offizier erzählt.

Von dem bettlägerigen Heinrich VIII wissen wir, dass er einen damals sehr berühmten Porträtmaler nach Deutschland geschickt hat, um eine Heiratskandidatin aus Kleve zu porträtierten. Das Bild war so anmutig, dass die Dame zur Verfertigung eines Thronfolgers angeliefert und geheiratet wurde. Zum Vollzug der dazu notwendigen Akte kam es aber wohl nicht, da seine Majestät seinen schweren Diabetes nicht durch Animation zu überwinden wusste. Er muss etwas in dem Bild gesehen haben, was er dann nicht wiederfand. Ein Minister wurde deshalb geköpft, der Maler blieb verschont.

Und ich rate zur regelmäßigen Aktualisierung von Porträtfotos. Ich habe im Flieger nach New York mal neben der Mutter einer sehr bekannten Modeschöpferin gesessen, deren Tochter ich von all den Pressefotos kannte. Ich sprach sie als die Frau Mama der berühmten Schönheit an. Das ging wie bei Heinrich VIII gründlich schief. Es war nicht die Mutter, sondern die in Ehren gealterte Tochter. Man war nicht amüsiert.