Logbuch

DIVERS.

Rumpelstilzchen. Wenn man den Namen weiß, dann zerreißt es sich. Wenn man den falschen Namen sagt, wird man zerrissen. Das Diverse ist ein sprachliches Minenfeld. Diskriminierung, die zweite.

Die ideale Belegschaft von Unternehmen soll vielfältig nach Herkunft, Alter, Geschlecht sein. Selbst sexuelle Präferenzen oder Körpergröße oder Gewicht sind jeweils ein Kriterium. Die Mischung soll stimmen. Warum? Damit keine Eigenart bevorzugt oder benachteiligt werde. Ideal ist möglichst divers. Quoten aller Art. Nun gut.

Das hat einen ernsten Hintergrund, wo Rassismus oder Sexismus herrschten. Ich denke an Apartheid-Regime oder Männergesellschaften oder einen vitalistischen Körperkult, der Menschen mit einer Behinderung ausgrenzt. Dazu ist keine Ironie angebracht. Ob das dann auch bei der Differenzierung von x biologischen Geschlechtern gilt, dazu will ich mich nicht äußern. Es geht mir um das Tabu der Denomination, das Theater mit politisch korrekten Titeln.

Was mich intellektuell umtreibt, ist nicht Vielfalt, sondern das schwelende Benennungstabu. Man will möglichst viele Ethnien (Herkünfte), toleriert aber eine massive Sprachverwirrung, wie ich die Unterschiede denn alltagssprachlich benennen darf. Es gibt dann ungeschickte Wörter und solche mit massiven Sanktionen. Und Euphemismen aller Art. Darf ich den Fettleibigen noch „dick“ nennen oder ist seine Adipositas eine Behinderung, die nicht verhaltensbedingt ist, also nicht selbst erworben, also ein sprachliches Tabu? Watt nu? Wohlgenährt? Oder hochnotpeinliches Schweigen als Elefant im Raum?

Eine Historikerin hat mir aus einem englischen Archiv erzählt, in dem die Nutzererfassung über zwanzig Kriterien der Abkunft differenzierte, bevor es den Bibliotheksausweis gab. Migrationskataster. Aus der Politik kenne ich Proporzkalküle, nicht nur nach Männern und Frauen, sondern auch danach, aus welcher Region sie kommen, die als Mandatsträger dann repräsentieren. „Welche Gesellschaft bildet das ab?“ Alles noch verständlich, solange man darüber reden kann.

Grotesk wird es, wenn Unterschiede gemacht werden, die nicht mehr benannt werden können, und zwar in klarem Lutherdeutsch. Wenn es wichtig ist, dann will ich auch in klarer Alltagssprache darüber reden können wollen. Was ist eine LGBTQ*-Bar? Ich will es eigentlich nicht wissen, weil jedwedes Denominationstabu erneut und nachhaltig Diskriminierung erzeugt. Worüber man nicht reden kann, darüber sollte man schweigen.

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CITIZEN KANE.

Die Diskussion um den MEDIEN-MOGUL Elon Musk, dem Herrn über TWITTER, ist nicht neu. Es geht um eine Diktatur der Meinungsmacher in der Demokratie. Der historische Vorwurf: „war lords!“

Ich habe gerade eine Rezension in der „Review“ zu einem Buch über die Kriegstreiber an der Spitze der großen Medienhäuser gelesen. Es geht um die Frage, ob sie ihre Nationen in die letzten beiden Weltkriege getrieben haben. Von Teddy Roosevelt über Winston Churchill bis, verlängert, Tony Blair. Ich habe die Namen der Beaverbrooks & Murdochs & Konsorten vergessen; fällt bei mir alles unter CITIZEN KANE. Und jetzt also tagesaktuell Elon Musk.

Ich habe nie an die Religion um sein Batterie-Auto geglaubt oder die euphorische Kolonialisierung des Mars. Vieles schien mir von Bolivianischem Marschpulver getragen. Die aktuellen Tendeleien mit dem Putschisten Trump riechen nach einem Spiel mit der Verfassung, also eher fundamental, sprich Hochverrat, wenn es das Wort noch gibt. Aber es geht mir hier nicht um steile Thesen zu den kalifornischen Oligarchen.

Was die Weltkriege angeht, vor allem den Zweiten, so haben MEDIEN-MOGULE auch in England nachweislich mit dem Faschismus geflirtet, Hitler gelobt und auch andersrum agitiert. Sie haben böse Stimmungen verstärkt, aber nicht den Krieg selbst herbeigeführt. So das abgewogene Urteil des Historikers in der „Review“. Presse gab dem Bösen Rückenwind, ja, aber eben auch nicht mehr.

Alle WAR LORDS sind hochgeschrieben worden und haben immer auf ihr Image geachtet, ja, aber die KZs wurden nicht von den Tintenklecksern geschaffen; sie haben auch nicht Polen überfallen oder Pearl Harbour bombardiert oder die Atombombe in Japan abgeworfen. Willige Unterstützer, aber keine Täter. Propaganda sei halt noch kein Panzer; Kampagne noch nicht der Krieg.

Rosebud, also. Ich bin im Zweifel, ob mich dieses Appeasement jetzt beruhigt. Oder gar versöhnt.

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SANKT PETERSBURG.

Wir müssen uns vor russischer Spionage schützen. Insbesondere vor den Geheimdienstaktivitäten aus St. Petersburg. Von ganz oben. Sancta Iustitia!

Worauf ist der historische Vorsprung der Niederländer im Welthandel zurückzuführen? Fragen sich die Russen und versuchen eben das über Industriespionage herauszukriegen. Der eingesetzte Spion ist das Staatsoberhaupt selbst. Der Zar. Mit dem erbeuteten Wissen betreibt er später die Hafenanlagen im russischen Venedig. Expansion nach Europa in globaler Ambition.

Allerdings hat Kees seine Schiffsbaukunst und die daraus resultierende maritime Aufrüstung zum Sklavenhandel genutzt. Mynheer Pepperkorn war nicht nur auf Gewürze aus. Er bevölkerte die Zuckerplantagen der Karibikinseln mit Zwangsarbeitern. Woher ich das weiß? Meine Quelle? Ein Historiker namens Lortzing aus Leipzig.

Jeder Müller ist mit dem Teufel im Bunde, eine Bauernweisheit. Die hübschen holländischen Windmühlen waren nämlich nicht nur zur Wasserhaltung oder der Mehlzubereitung gedacht. Die Idylle täuscht. Dies waren mit Windkraft mechanisierte Sägewerke. Niemand konnte so flott Planken sägen wie Mynheer Kees Pepperkorn. Historische Wahrheit: Die Windkraft steckt hinter dem Sklavenhandel! So, und jetzt Ihr!

Erst die schottische Dampfmaschine setzte dem ein Ende. Deren Geheimnis war aber nicht der sprichwörtliche Dampf, sondern die Kohleverbrennung. Die britische Expansion zur See beruht auf Steinkohle. Und dann ersetzen Stahl und Eisen den Holzschiffbau. Das Montanzeitalter begann. So war das.

Oh, ich bin klug und weise. Und mich betrügt man nicht. Sancta Iustitia.

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FREITAG DER DREIZEHNTE.

Wem jede Religion fremd, dem erscheint auch das Gottgefällige als Aberglauben. Wer sich aber rechtgläubig wähnt, der führt ein scharfes Schwert gegen die der SUPERSTITION erlegenen. Unsere Religion ist vor allem eins, EIFERSÜCHTIG.

In einem edlen Hotel in Genf, dem Beaurivage, gewahrte ich mal ein Zimmer mit der Nummer 12 b („douze bis“). Man wollte wohl nicht die Unglückszahl 13 an eine Tür schreiben. Es war übrigens der Laden, in dem sich Uwe Barschel in einer Badewanne ertränkt hatte. Der Stern hatte das Foto auf dem Titel. War das damals in der Dreizehn? Nähme ich dann dies Zimmer und ginge baden?

Der Tatbestand des ABERGLAUBENS war schon immer ein Vorwurf ohne Sachverhalt. Die Hohen Priester der herrschsüchtigen Religionen haben ihn sich ausgedacht, um Wettbewerb auszuschließen. Du sollst keinen anderen Gott neben mir haben. Mit großer Rhetorik sollte der eigene Unsinn vorherrschen und alles andere verdammt sein. Der tapfere ANTONIO GRAMCI hat das HEGEMONIE genannt.

Nehmen wir Moses, der die Zehn Gebote bei Gott abgeholt hatte, und sein Volk im Aberglauben vorfand. Es tanzte angeblich um ein Goldenes Kalb. GÖTZENDIENST. Na ja. Erstens war Party, das ist ja schon mal was. Zweitens war es kein Kalb. Schließlich ging es nicht um Wiener Schnitzel. Es war ein junger geschlechtsreifer Stier! So etwas, was die spanische Männlichkeit zu erlegen hat. Und ob der Kraft des Stieres richtig Party zu machen, das ist ja nicht so abwegig.

Wenn die professionellen Moralisten gütig gestimmt sind, nennen sie den Aberglauben VOLKSFRÖMMIGKEIT. Wenn sie sauertöpfisch sind, sprechen sie von IRRLEHRE und zünden schon mal einen Scheiterhaufen an. Und machen dann liturgisch Party, wg. erfolgreicher Hexenverfolgung. Der Aberglauben des Glaubens.
Ach so, ich habe das Barschelzimmer genommen.