Logbuch
Die MACHT DER WORTE.
Gelungene Formulierungen können geiler sein als erotische Bilder. Wenn ich mal ganz ehrlich sein soll. Beweis gefällig? Ich lese zum neuesten Stand der kapitalistischen Welt: Man sei allenthalben fasziniert von der Hochzeit zwischen Wall Street und Silicon Valley. So was wie Goldman Sachs plus Google. Im Englischen aber noch steiler: „the inflight marriage of Wall Street and Silicon Valley in the cockpit of globalization“; schreibt Jackson Lears in einer Rezension. Hammer. Ich sehe die Szene in meinem KOPFKINO und werde sie nicht mehr los. Dazu das feiste Grinsen von Elon Irgendwas, der einer Investmentbankerin an die Hüfte fasst... Die Macht der Worte kommt von der Macht der Bilder.
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Korrektur durch Herrn Innacker: Marion Horn ist jetzt bei CNC, also Christoph Walther, nicht bei ihm. Ich bedaure den Irrtum und bitte um Nachsicht.
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CHATHAM HOUSE RULE.
Teilnehmer einer Runde unter der Chatham Haus Regel dürfen Gesprächsinhalte zwar als ihr Wissen zu erkennen geben, ohne aber die Quelle oder den Quellenkontext zu offenbaren. Auch: „unter Drei.“ Anzunehmen, das könnte in Internetforen wie CLUBHOUSE gelten, ist naiv. Als STREET DOG der PR sage ich zudem: Es gilt auch nicht gegenüber allen (!) Journalisten, jedenfalls dann nicht, wenn diese, unter dem ideologischen Vorbehalt der HALTUNG, die Informationen gegen ihre Gegner verwenden können. „Wirkliche Geheimnisse“, hat ein alter Boss mir mal gesagt, „erzähle ich nicht mal mir selbst.“
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KRIEGSFOLGEN.
An der Kurpromenade in Saarow, Brandenburg, verfällt ein Haus. Zur Gründerzeit errichtet war es einst stattliche Sommerfrische für die besseren Kreise Berlins. Dann ging der Erste Weltkrieg ins Land, in dem auch Deutsche jüdischen Ursprungs dienten. Und die Nazi-Zeit zog auf. Die vaterländische Gesinnung sollte sich nicht als Schutz erweisen. 1942 wurden die Bewohner, erzählt ein Stolperstein, in die Vernichtungslager deportiert. Ein Krieg gegen viele Völker, auch das eigene.
Man kann sich denken, wer die arisierten Gebäude, so das Wort der Zeit, dann bis 1945 nutzte. Damit war dann aber unter dem SED-Regime der DDR Schluss. Die befreundete Besatzungsmacht der Sowjets wandelte den Badeort zum Sanatorium, sprich zu ihrem Speergebiet. Selbst Kosmonauten sollen sich hier erholt haben. Die russische Präsenz endete erst 1994. Viele Gebäude wurden, so es Überlebende gab, restituiert. Ich rätsele, warum sich hier für dieses Gemäuer niemand fand. Oder niemand mehr hier etwas aufbauen wollte, was ich verstünde.
Das Dach der Villa ist schon lange eingefallen. Der Regen dringt ein, die Feuchtigkeit verlässt das Gemäuer aber nicht mehr. Das ist der endgültige Verfall. Der gute Architekt führt das Wasser auf kürzestem Weg weg von der Behausung. Nur so hält der Schutz. Wenn das nur mit den Kriegen gelänge.