Logbuch
VORFÜHRPECH.
Das geliebte Auto surrt ständig im Armaturenbrett; es ist zum Verrücktwerden. Aber als der Werkstattmeister es Probe fährt, da ist das Biest ruhig. Du stehst da wie ein Idiot. Das berühmte VORFÜHRPECH.
Schlimmer noch als die ausbleibende Panne ist der gelungene Trick, den keiner sieht. Das ist wirklich bitter, wenn dem Künstler etwas gelingt und die Welt schaut weg. Schlimmer als Unrecht zu haben, ist es, nicht verstanden zu werden. Die Tragik meines Lebens. Ein Appell an die Leser des Logbuchs.
Hier hieß es vor (!) der inzwischen berühmten Karnevalssitzung in Aachen („wider den tierischen Ernst“), dass die grünen und gelben Mariannes ihre phrygischen Mützen lüften werden. Also gut: Marianne ist das Flintenweib der (französischen) Revolution, die barbusig auf den Barrikaden steht und „am Allergeilsten“ zum Angriff verführt. Sie trägt dabei die sogenannte Jakobinermütze, die phrygische, das Zeichen der blutrünstigen AufrührerInnen.
So, und da wundert man sich über die Schmährede der altersgrauen Rüstungslobbyistin aus dem Rheinmetall-Land gegen den Führer der Opposition? Warum verrate ich das hier vorher, wenn es keiner merkt? Die FDP und der liberale Gedanke tun sich mit diesem Flintenweib keinen Gefallen. Eine ältere Dame, die sich selbst als „am Allergeilsten“ charakterisiert. Eine unwürdige Greisin, würde Brecht sagen. Ich habe kein Mitleid mit dem Opfer ihrer Schmährede, aber das war ein Eigentor der Bellizistin. Nicht das erste.
Falsch eingeschätzt hatte ich die grüne Marianne; das war weniger peinlich als befürchtet, wenn auch peinlich genug. Witzchen statt Humor, Sottisen statt Satire. Ich weiß, dass es leider gegen zwei Frauen geht, wo es doch gegen Männer gehen sollte. Sprich gegen die CDU-Granden Merz und Wüst. Der hatte übrigens die Haare schön. Mehr war nicht.
Logbuch
DER DICHTERFÜRST.
Bert Brecht gilt als einer der bedeutendsten Dichter des 20. Jahrhunderts. Er ist es. In diesem Jahr wird er 125 Jahre alt, also gefeiert. Ein Ozean an Dummheiten wird über ihn geschrieben werden. Ich leide schon jetzt.
Fangen wir mit seinem Geburtsort an; es wird notorisch Augsburg genannt. Das ist nicht in seinem Sinne. Wir lesen in seinem autobiografischen Gedicht VOM ARMEN B. B. folgendes: „Ich, Bertolt Brecht, bin aus den schwarzen Wäldern. / Meine Mutter trug mich in die Städte hinein, / Als ich in ihrem Leibe lag…“ Daran haben sich Generationen von interpretationswütigen Germanisten die Arme gebrochen, an der Symbolik der schwarzen Wälder, deren Kälte den Dichter nicht verlassen sollte, als er in den Asphaltstädten hauste. Ein Todesmotiv?
Mich fragt ja keiner. Der Großvater Brechts stammt aus Achern bei Sasbach-Walden im Rheingraben am Rande des Schwarzwaldes. Dort hat der Knabe Brecht häufig seine Sommerferien verbracht. Willst Du von Achern nach Augsburg, fährst Du durch den Schwarzwald. Im historischen Brechthaus war vor Jahrzehnten mal eine Arztpraxis, die ich, in das Elsass durchreisend, aufzusuchen hatte. Der Weißkittel dort hat mir das erzählt, mit dem armen B. B. und seiner Bude.
„Bei den Erdbeben, die kommen werden, werde ich hoffentlich / Meine Virginia nicht ausgehen lassen durch Bitterkeit / Ich Bertolt Brecht, in die Asphaltstädte verschlagen / Aus den schwarzen Wäldern, in meiner Mutter, in früher Zeit.“ Bayern möge also aufhören, den Dichterfürsten für sich zu reklamieren; das ist das eine. Das andere ist, der notorische Pascha nennt zu seiner Abstammung keinen Vater, sondern nur den Mutterleib. Er kriecht unter den Rock. Später den der Helene Weigel.
Das wird ein ganzes Leben lang so bleiben. Länger noch. Selbst bei seinem Grab in einer Ecke des Dorotheenstädtischen Friedhofs muss er über die Weigel steigen, wenn er nachts mal durch die Asphaltstadt Berlin schlendern will.
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VOLKSTÜMLICH.
Der große Dichter Bert Brecht war ein Gegner des Volkstümlichen. Sein Einwand: „Das Volk ist nicht tümlich.“ Anmerkung zu Politik im Karneval.
Oft fehlt der Politik das menschliche Antlitz. Das stört selbst jene Machthaber, die ansonsten zu Zumutungen neigen. Das ist die weiche Seite der ganz Harten: sie wollen gemocht werden. Die politische PR empfiehlt dazu das Bad in der Menge einschließlich dem Herzen von Kindern. Oder sogenannte Homestories, die den Despoten bei Mutti zeigen. Oder im Keller mit seiner Märklinbahn.
Ich kriege einen Auftritt der ehemaligen saarländischen Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer im dortigen Karneval nicht aus dem Kopf, in dem sie als Putzfrau Gretel volkstümelte. Es war peinlich. Und diese Peinlichkeit tilgte sich nicht mehr als sie als Parteivorsitzende und Verteidigungsministerin um Würde rang. Die Parodie war am Ende dann doch authentischer als das Original.
Auch von Herrn Söder sind solche Überinszenierungen bekannt. Der sauertöpfische Wähler bemerkt die Absicht und ist verstimmt. Der unbedingte Geltungswille des Narzissten bleibt als Elefant im Raum. Aber vielleicht ist das auch nur ein landsmannschaftlicher
Vorbehalt eben jener Stämme, denen die Albernheit nicht als Brauchtum in die Wiege gelegt wurde.
Siehe Orden wider den tierischen Ernst. Wir werden es heute Abend im Fernsehen verfolgen dürfen, wenn die grünen und gelben Mariannes zur Erheischung des Beifalls ihre phrygischen Mützen lüften.
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Sexuelle Befreiung, auch eine Lebenslüge der Grünen
Gründungsvater Joschka Fischer sah sich als der letzte authentische Rock `n Roll-Politiker. Bob Dylan war ihm wichtiger als Karl Marx. Schon klar, dessen enigmatische Texte waren zwar nicht leichter zu verstehen, aber kürzer und beim Taxifahren zu verdauen. Man wollte den Vietcong vom Ami und sich selbst vom vorzeitigen Samenerguss befreien. Das ging damals in einem Diskurs, Imperialismuskritik und die Orgasmusschwierigkeiten der Frauen. Sexuelle Befreiung war angesagt. Man wähnte sich als Avantgarde der Menschheit.
Joschkas Jugendkumpel Dani, nicht gelernter Taxifahrer, sondern Kindergärtner, hat leider seine erotischen Fantasien aufgeschrieben. Seine heutigen Dementis sind dünn, aber glaubhaft. Man war nicht Päderast, wollte aber als einer erscheinen. Die Vertriebene Erika, die so schwarz ist, dass sie braune Schatten wirft, will den schwulen Grünen Beck deshalb aus seinen Ämtern vertreiben. Die Ökos haben ihre seinerzeitige Toleranz gegenüber sexuellem Kindesmissbrauch an der Backe.
Von allen Tabus dieser Welt halte ich das der sogenannten Pädophilie für das verteidigungswürdigste. Schon das Wort ist eine Infamie. Kinder sind unsere Schutzbefohlenen. Wir sind die, die wir schützen. Nennen wir es Brutpflege oder Ethik, keine Begründung der Welt kann mir die Kinderficker sympathisch oder auch nur tolerierbar machen. Ekelhaft.
Unsinn, es sind veritable Pornos. Man hat gesoffen und gevögelt. Die Hausherrin sitzt rücklings auf dem Hausherrn und ihre Hand sucht a tergo nach dem gewissen Etwas. So weit, so gut. Aber es steht auch ein Sklave dabei und gibt eine Handreichung. Auf allen Eheszenen im convivium sind Helfer zu sehen. Man hatte gegenüber Sklaven keine Scham. Sie wurden auch schon mal, sagt mir eine Tafel in der Ausstellung, „rangenommen“, was das Recht der Hausherrn war.
Wichtig ist die Ikonographie: Leibeigenen wurde deutlich kleiner gemalt, ihren Status anzeigend. Wie Kinder. In den Bädern häufen sich also Knaben nicht, weil es Kinder waren, sondern weil sie sozial gekennzeichnet wurden. Dass die Tempelhuren wie Mädels aussehen, entspricht der sozialen Hierarchie, nicht dem Alter. Man glaubte nicht, dass sie Personen seien. In der Tat war es so, wie es heute noch in benachbarten Religionen ist: Sklaven waren keine Menschen, sie gehörten zum Sachrecht.
Wir sehen, was man sich damals an die Schlafzimmerwand malen ließ. So waren die Sitten sexuell explizit dargestellt wie jene Szenen im Alten Rom, in denen junge Männer aus gutem Haus an Schafen übten. Andere Nebenseitigkeiten waren den Götterdarstellungen vorbehalten. Der Römer Cupid, im Griechischen Eros genannt, war dem Vielseitigen zugeneigt. Bachus wusste von Wein und Fruchtbarkeit, und das offenbar nicht aus Büchern.
Und das andere ist: Knabenliebe ist Sklavenhaltermentalität. Pädophilie ist ein Verbrechen an der Menschlichkeit. Nur wer Menschen zu Sachen degradiert, kann hier Gefallen finden. Und der Grüne Beck sagt es ja heute: Es gibt keinen konsensualen Sex mit Kindern. Alles andere ist, wie gesagt: Ekelhaft. Und strafwürdig.
Quelle: starke-meinungen.de