Logbuch
WEISSER RITTER AUF TWITTER.
Elon Musk, der Multi-Milliardär, dem jetzt Twitter gehört, will die MEINUNGSFREIHEIT stärken, indem er dort die Anonymität von Personen und Robotern unterbindet. Das gefällt nicht jedem.
Reflexartig kommen die Einwände gegen einen offenen Marktplatz freier Menschen mit offenem Visier. Von links. Damit würden ohnehin marginalisierte Randgruppen dem offenen Hass ausgesetzt. Anonymität soll bleiben dürfen. Aber wohl nicht für jeden. Nur für die Guten. Wer also entscheidet künftig über den Zwang zum Klarnamen und das Recht auf Tarnung? TI alias Intransparency International? Oder Jan Böhmermann?
Das Angebot des Multi-Milliardärs ist in sich widersprüchlich. Der Algorithmus soll künftig öffentlich sein & alle Roboter kenntlich. Ein solches Versprechen kann man nur sehr naiven Menschen machen, die noch mit dem Abacus rechnen oder an den Fingern abzählen. Denn eine plausible Transparenz der KI gibt es nicht, weil sie per Definition „kontraintuitiv“ ist, eben nicht „plausibel“, oder „kausal“, sondern strikt „korrelativ“. Wer den Algorithmus aber als „open source“ offenbart, spricht eine Einladung an alle „spam bots“ aus; dem vodka-getränkten Missbrauch sind dann Tür und Tor geöffnet.
Ohnehin sind schon heute viele vermeintliche Roboter in den Sozialen Medien in Wirklichkeit nur einsinnige Menschen; das Analyse-Instrument taugt nichts. Man kann so doof sein, dass man wie eine Maschine wirkt. Noch entschieden dümmer. Hier läuft gerade ein ganzer Schwarm vom Wissenschaftler:Innen (sic) in die Irre. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Die haltungsjournalistische Blase ist seit längerem tiefenverwirrt über Elon Musk, einem Genie der Inszenierung. Er wirkt wie ein kiffender MAVERICK, ist aber hinter seiner Clowns-Maske die LOGIK DES KAPITALS in reinster Form. Ich kann das sagen; ich habe glaube nicht an die Batterie und habe alle drei Bände des KAPITALs von Karl Marx gelesen. Und verstanden.
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TWITTER-RITTER.
Die größte Plattform der Sozialen Medien ist von einem einzelnen Unternehmer gekauft worden. Böser Mythos: Citizen Kane. Das schreckt mich trotzdem weniger als jedwede öffentlich-rechtliche Alternative.
Twitter ist in Deutschland eine DELIBERATIVE Öffentlichkeit nach den Ansprüchen von Professor Habermas. Es herrscht ein links-liberaler Diskurs in der Tonalität der öffentlich-rechtlichen Medien. Eine Echo-Kammer. Dass diese haltungsjournalistische Blase jetzt ausgerechnet Elon Musk gehört, das ist echt von großer Ironie.
Wenn der neue Besitzer die Plattform auch noch „de-listed“, sprich von der Börse nimmt, wird dies ein sehr mächtiges Medium in der Hand eines ziemlich erratischen Kapitalisten. Und wer weiß, was eine Plattform wirklich ist, weiß dass sie unentrinnbar und schwer zu kontrollieren ist. Auf der Hut sein, Ihr Freischärler der Feder!
Aber der Traum der öffentlich-rechtlichen Blase, in Deutschland eine staatseigene Plattform zu schaffen, die dann ein Gremium von der intellektuellen Brillanz der WDR-Intendanz leitet oder der Deutschen Welle, dieser Traum schreckt mich.
Noch mehr lässt es mich in Furcht erstarren , dass Organisationen wie das Ruhrpott-CORRECTIV dort Vorzensur-Rechte erhoffen. Ja, ich fürchte DAVID SCHRAVEN an der Macht mehr als ELON MUSK. Letzterer hat mehr zu verlieren; er fürchtet meine Feder. Jedenfalls sollte er das. Jener aus Bottrop eher nicht.
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DER WESTEN GEHT AUCH ANDERS.
Es ist eine Identität des Westens entstanden, die nicht mehr liberal ist; das zu leugnen wäre töricht. Donald Trump hat die Wahlen in den USA verloren. Knapp. Seine Wähler sind noch da. Siehe Frankreich.
Vierzig Prozent der Franzosen glaubt also, dass es ihnen besser ginge, wenn sie sich gegen Europa, vor allem aber gegen Deutschland wenden und jegliche Migration unterbinden. Rassismus klingt durch, Nationalismus wird ausgesprochen. Die Herrschaften aus Vichy …
In Großbritannien sind in diesem Lager nicht weniger. Hier hat Madame Le Pen in Form ihres Bruders Boris Johnson ja gewonnen. Nach Ungarn oder Polen oder Tschechien wage ich nicht zu fragen. Die Zeiten ändern sich, und wir uns in ihnen. Am deutlichsten vielleicht bei den Grünen als Staatspartei und den ehemaligen Pazifisten dort, die jetzt militärische Aufrüstung in wütende Kriege hinein propagieren. Die Hofreiterei …
Fast erscheint es als ein Glück, wie tölpelhaft die Rechtspopulisten in meinem Vaterland sind. Bitte keinen Spott mehr über die AfD: Wehe uns, wenn die Herrschaften auch noch PR lernen. Was mir mal MAINSTREAM schien, gesetzte politische Kultur, gusseisern, erscheint mir zunehmend als Porzellan. Man gehe vorsichtig mit der Freiheit um. Dass Parteien allein das nicht können, Demokratie bewahren, beweist ihr Niedergang hier wie dort.
Man nehme Abschied von der Vorstellung, dass ein geschichtlicher Fortschritt ein für alle Mal vor reaktionären Rückschritten schütze. FORTSCHRITT DER GESCHICHTE? Da irrte Hegel, tut mir leid. Eine liberale repräsentative Demokratie in Recht und Freiheit scheint nie ganz gewonnen und damit gesetzt. Weckruf der Marseillaise. Der Kampf gegen die Barbarei beginnt jeden Morgen neu. In der Schlange beim Bäcker.
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Es gibt sie noch, die guten alten Dinge
Der Flaneur durchstreift Berlin, die Hauptstadt. Am Ernst-Reuter-Platz neben der Technischen Universität hat das ManuFactum sein Edelwarenhaus mit der wunderbaren Dependance Brot & Butter. Das herrliche Sommerwetter lädt auf Gartenstühlen vor dem Geschäft zum Verweilen ein. Ein kräftige Brotzeit mit deutscher Wurst und krossem Bauernbrot wird von einer zuvorkommenden Bedienung im Dirndl gereicht.
So kann ein Tag beginnen. Das Motto des Hauses: Es gibt sie noch, die guten alten Dinge. Ein wunderbarer Laden, wäre da nicht diese Binnenmajuskel. Aber das kriegen wir erst später. Man muss auch mal die positiven Seiten des Lebens sehen. Sonst wird man noch zum larmoyanten SeeleFant.
Auf der Friedrichstraße, jetzt sind wir im Osten, Mitte genannt, hatte ich auf meinem Weg ins Borchardt zuvor gesehen, wie die amerikanische Schauspielerin Sandra Bullock den Edel-Italiener Bocca di Bacco („Maul des Weinsäufers“) verließ und in Richtung Hedwigsdom strebte, wo Erzbischof Woelki predigt, ein Mann, der als künftiger Papst gehandelt wird.
Hier trifft sich die Welt. Begleitet wurde Bullock von Dr. Peter Ramsauer, dem Deputierten des Wahlkreises Traunstein, Bayern, und amtierenden Kabinettsminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, genannt Ramses. Der Hollywood-Star ist eine Cousine von Ramsauers Frau Susanne.
Als Bundesverkehrsminister sitzt Ramsauer auch der Deutschen Bahn AG vor, die in der Vergangenheit seltsamen Irrungen unterworfen war. Unter dem zwischenzeitlichen Management von Herrn Mehdorn (genannt Ei-Pie-Oh, nach dem Börsengangkürzel IPO) hatten dort Lufthansa-Manager Einzug gehalten, die das Schienengeschäft durch Anglizismen aufnorden wollten. Nur wenige der autochtonen Bediensteten verstanden aber, warum sie unter einem Schild arbeiten sollten, das After Sales Service verspricht. Wer will schon beim Verkauf von Arschlöchern Dienstleister sein? Die Verwirrung der Engländer war nicht geringer, als sie das Angebot Rail&Fly lasen („to rail against sth“ meint „über etwas meckern“).
Das Mietrad-Angebot der Bahn muss sich nicht mehr in der Call-a-Bike-Kategorie anbieten lassen. Der Service-Point mit Counter ist wieder eine Information am Schalter. Die Handzettel heißen nicht mehr Flyer, und die Hotlines dürfen sich endlich wieder Dienstleistungsnummern nennen. Das assoziativ verhängnisvolle Feld der privaten Körperteile und der Hotline-Callgirls ist verlassen, und wir sehen wieder die deutschstämmige Würde der Fahrkartenknipserin der Reichsbahn. Selbst den Anzeigen an den Bahnsteigen soll nun zu entnehmen sein, ob die angezeigte Wagenfolge tatsächlich die schon geänderte ist oder ob die tatsächliche eine Änderung gegenüber der Anzeige ist.
Es gibt sie wieder, die guten alten Dinge. Ich selbst bin leidenschaftlicher Bahnfahrer und Inhaber einer Bahnkarte Erster Klasse, also befangen (man lese hier den bei Springer-Blättern notorischen Hinweis auf die Unabhängigkeit des bestochenen Autors gleich mit). Und von englisch geprägter Bildung, deshalb habe ich den SchnöselSpott („Sänk ju vor träwelling…“) über die englischen Durchsagen nie geteilt. Die Bahn macht einen richtig ordentlichen Job. Selbst die besserwisserische Journaille verkneift sich inzwischen die billige Häme. Auch nach Hochwasserkatastrophen bringt sie mich sicher von Frankfurt nach Berlin. Über Eisenach, Erfurt, Weimar und Leipzig, Mit nur 120 Minuten Verspätung. Und nun also der Einsatz eines Glossars auf Ministerweisung zur Wiederherstellung der Reinheit der deutschen Sprache. An der Übersetzung des Kürzels A/C arbeitet die von ihm eingesetzte Kommission noch; dem Bundeseisenbahnamt, der Genehmigungsbehörde für alles, ist noch nicht klar, um welches Gerät es sich dabei handeln könnte.
Nun komme man mir nicht damit, dass der Abgeordnete Ramsauer seinerzeit gegen die Anerkennung der Oder-Neisse-Grenze gestimmt habe oder die Initiative der Burschenschaftler gegen Neonazis nicht unterstütze. Das ist die Weltsicht der Wowereits und Platzecks, die erstmal den Berliner Flughafen fertig kriegen sollen, bevor sie wieder die Klappe aufmachen. Ramsauer ist ein Mann des Volkes und von respektabler Bildung, ein europäisch gesinnter Abgeordneter des deutschen Parlaments und stellvertretender Vorsitzender seiner Partei. Ich persönlich bin ihm dankbar für die Beseitigung eines Missstandes, der mich seit Jahren aufregt. Ich meine die vermaledeite Binnenmajuskel. Die Binnenmajuskel ist eine der Hauptverantwortlichen für die Verwahrlosung der Sitten, die Jugendarbeitslosigkeit und die Aidsrate; ich schwör. Kennen Sie nicht? Wenn mitten in einem Wort ein Großbuchstabe auftaucht, dann ist das Wort von einer Binnenmajuskel befallen. Ekelhaft. Zum Glück heißt jetzt das neumoderne „ReiseZentrum“ wieder Reisezentrum. So geht Politik. Damit geht man als Politiker ein in das, was Helmut Kohl die „Gechichte“ genannt hat.
Quelle: starke-meinungen.de