Logbuch

GIPFELSTURM.

Die Schlafmütze vom Kopf gerissen, singe ich unter der Dusche. Sehr selten sowas. Jetzt doch: „Im Frühtau zu Berge wir gehn, fallera, es grünen die Felder, die Höhn, fallera. Wir wandern ohne Sorgen singend in den Morgen, noch eh' im Tale die Hähne krähn. Ihr alten und hochweisen Leut, fallera, ihr denkt wohl, wir wären nicht gescheit, fallera.“ Ein Fall von ewiger Jugend. Zu einer Jahreszeit, die eigentlich der Besinnlichkeit und Glühwein gewidmet sein sollte.

Die Euphorie hat ihren Grund darin, dass wir in wenigen Wochen an die Wahlurnen treten dürfen, genau gesagt am Geburtstag von Britta Ernst, wie ihr Gatte zur Wahlkampferöffnung auf politischer Bühne erklärt. Das Siechtum des vermaledeiten Dreiers namens Ampel hat ein Ende; alle Parteien treten mit Kanzlerkandidaten vor den Souverän. Ich empfinde Luis-Trenker-Lust. Man will Deutschland wieder groß machen. Make Germany Great Again. Was die Amis konnten, werden wir ja wohl auch noch hinkriegen. „Im Frühtau zu Berge!“

In meine Pfadfindereuphorie mischt sich ein zweites Gefühl. Was MAGA in Amerika war, das passt nicht so richtig in die politische Harmonielehre meines Vaterlands. Der Franzose mag von der Grande Nation reden, der Engländer davon, dass er jetzt wieder die Wellen beherrscht; wenn der Germane von Großdeutschland singt, stockt der Atem. Da bleiben wir doch lieber bei Brittas Geburtstag. Zudem fällt die Konkurrenz leichter; neulich sah ich Charlotte Merz öffentlich agieren; das war nicht von überbordendem Charme.

Reden wir von Privatem? Entschieden nein. Ich halte es für eine unbedingte Tugend, die Familie aus der politischen Auseinandersetzung herauszuhalten, vor allem die Kinder und Enkel. In einer anderen Welt sind wir freilich, wenn die Gattin zum Aushängeschild gemacht wird, wie wir das aus Amerika kennen. Mir wäre lieber, wenn wir über die Sache redeten und nicht einen Schaulaufen der Gefühle. Was gegen Frau Alice Weidel spricht, ist ja nicht, dass sie in einer lesbischen Ehe Kinder in der Schweiz großzieht. Daran ist nun gar nichts auszusetzen.

Richten wir also unsere Augen und Ohren auf die Sache! Von meiner Nase würde ich jetzt mal absehen wollen, weil mir der Geruch von Mottenpulver nicht aus dem Sinn geht. Die Akteure riechen alle, als habe man sie im Fundus der Komischen Oper eingekleidet. Selbst wo es um die Rolle des Jugendlichen Liebhabers geht, wirken die Herrschaften verkleidet. Von der Mission Silberlocke der Linkspartei ganz zu schweigen; Possen aus dem Altersheim. Irgendwie ist meine Sehnsucht nach Gipfelsturm unerwidert. In diese Lethargie des deutschen Michel passt ein neues Buch. Angela Merkel erläutert, wie sie dieses Land in eine lustlose Duldungsstarre versetzt hat. Das Gift wirkt nach.

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EINE ZENSUR FINDET STATT.

Weil er einen harmlosen Bildwitz über einen Politiker geteilt hat, ist ein Bürger einer Hausdurchsuchung unterworfen worden und sein Laptop beschlagnahmt. Die vermeintliche Straftat war durch eine private Firma in einer systematischen Suche in Netz entdeckt worden und zur Anzeige gebracht. Die bayerische Justiz erkannte eine Schwere der Tat, die die massive Verletzung der Privatsphäre angebracht erscheinen ließ. Wg. Schwachkopf.

Der Politiker hat seinen Strafantrag bis dato nicht zurückgenommen, obwohl er seine ironische Verbindung mit einer Werbung für Frisörbedarf und die Verballhornung als Schwachkopf selbst öffentlich als minderschwer bezeichnet hat. Die hier agierende Staatsanwaltschaft bestätigte der FAZ, dass allein dieser Witz Auslöser und Gegenstand der Ermittlungen war; rassistische Vorwürfe wurden entgegen den irreführenden politischen Verteidigungsversuchen der McCarthy-Nummer explizit nicht erhoben.

Es geht mir nicht um Wahlkampf. Dies ist ein Fall von Strafermittlung als Strafe, vulgo der Politischen Polizei; und das wiederum ist rechtspolitisch nicht unerheblich. Von dem Politiker gibt es angeblich rund 800 solcher Anzeigen, von seiner Kabinettskollegin weitere 500. Die Justiz hat ja sonst nichts zu tun. Für die Law Firm, die das gegen Honorar betreibt, ist damit faktisch als „Agentur im Kampf gegen Rechts“ geworben. Eine weitere Kabinettskollegin hält es für strafwürdig, wenn man als Bürger Politik verlächerliche. In England sitzen Bürger wegen solcher Witze im Knast. Das propagandistische Paradigma ist die staatliche Verfolgung von Hass-Kommentaren aus dem rechtspopulistischen Milieu.

Jetzt mal weniger gedrechselt: Dem Recht eine Gasse, den Rechten klare Kante. Alles gut. Aber das hier ist Rechtsmissbrauch. Das Motiv? Man verübelt dem Volk seine große Lust am Witzereißen (Heine). Und hinter dem Rollenbild eines süßlichen Charmebolzen nach der Art eines JFK zeigt sich ein anderes Gesicht. Ich erläutere diesen Janus-Kopf nicht weiter; ich weiß ja jetzt, dass mitgelesen wird. Mit Köpfen soll man besser vorsichtig sein. Denn eine Zensur findet statt.

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KRÖNUNGSRITUALE.

Meldungen tief aus dem Bauch der Macht. Wenn Franz Müntefering die Stimme erhebt, dann weiß seine Partei, dass es ernst wird, weil sich nun das Unterste nach oben kehrt. Ich erinnere noch, wie die Sozialdemokraten um Gerd Schröder seinen Einfluss aus den Gedärmen der Partei fürchteten.

Dies ist jene Partei, in der Oskar Lafontaine mit einer einzigen Rede der Begeisterung den notorischen Langweiler Rudolf Scharping kippte. Jetzt wieder der Ruf aus den Hinterzimmern schlechter Lokale nach einem Parteitag. Man will den Scholzomaten durch Boris Pistorius ersetzen, obwohl dieser für den Wähler nur eine Chiffre ist. Ich werde mal Doris fragen.

Das ist ein Trauma aller Parteien; die Grünen haben es aber mit Bravour geschafft, die Nominierung eines Kanzlerkandidaten im Format von JFK, kein Körper, ganz Seele der Mann. Helmut Kohl hat mir mal erzählt, wie er unter größten Schmerzen einer Harnverhaltung einen Parteitag nicht verlassen wollte, da er wusste, dass er dann erledigt sei. Selbst er sah sich dort von Meuchelmördern umgeben.

Nun also geht es den lieben Olaf, dem Kanzler des Doppel-Wumms, an die Eingeweide; sein Vorgänger Sigmar Gabriel fordert offen dessen Demission. Die tief irritierende Saskia Esken befördert das, indem sie ihm Treue schwört. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.

Die AfD hat eine Kanzlerkandidatin, das Bündnis Sahra Wagenknecht auch und die Union? Ach ja, Friedrich Merz; ist der schon gesetzt als kluger Kopf und Heilsbringer im Kanzlerwahlverein namens CDU? Die FDP wird nicht anders können als mit dem geschassten Finanzminister anzutreten, da ist Christian Lindner durch den Rufmordversuch von Scholz gesetzt.

Noch Fragen? Wie bitte? Was eine Verhaltung im Urologischen ist? Jetzt bitte ich Sie aber.

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Wir brauchen die Drohnen – nicht nur zum Killen, auch zum Stillen und Wohnen

Man muss dem netten Thomas de Maizière, unserem Kriegsminister, dringend zur Seite springen. Der Mann ist unnötigem Spott ausgesetzt. Und das nur, weil er die Zeichen der Zeit verstanden hat. Die Hugenotten sind zwar Kummer gewöhnt (sie mussten im 17. Jahrhundert von Belgien nach Brandenburg ziehen; man weiß nicht so recht, was schlimmer ist). Der Mann ist aber Sohn eines Generalinspekteurs, also nicht irgendein Zivilist. Er weiß, wovon er spricht, und was er für unsere Armee anschafft. Stichwort Drohne.

Dieses Land lebt schon so lange im Frieden, dass das nötige Verständnis für die Kriegskunst verloren geht. Das räsonnierende Gekasper mit den ferngesteuerten Drohnen beruht ja nur auf der Furcht vor Verlusten an Soldaten. Von solchen Sentimentalitäten waren frühere Zeiten frei. Noch mein Vater gehört zu einer Generation, die sich als Kanonenfutter verstand.

Lange vor der Konjunktur für Selbstmordattentäter unter Terroristen gab es solche Einrichtungen im regulären Militär. Berühmt sind die japanischen Marineflieger, Kamikaze genannt, die sich freiwillig mit ihren Fluggeräten auf feindliche Objekte stürzten. Weniger bekannt ist, dass die Japaner im Zweiten Weltkrieg auch bemannte Torpedos einsetzten.

Über Jahrhunderte wurde Sklaven und Völker mit geringerem Rechtsstatus in Kriegen verheizt. Die Schweizer Garde des Papstes geht auf die Reisläufer zurück, Söldnerheere, die aus der bettelarmen Schweiz rekrutiert wurden, um in den Kriegen fremder Herren zu sterben. Heute sollen das Maschinen tun, weil man zwar morden will, aber keine Mörder mehr stellen. Diese Rechtskultur stammt aus dem US-amerikanischen Krieg gegen den Terror: shoot first, argue later.

Der Spott über unseren geschätzten Verteidigungsminister in Sachen Drohnen ist kurzsichtig. Drohnen werden noch in ganz andere Bereiche unseres täglichen Lebens einziehen. Im Altenheim an meinem Landsitz erzählt der Vorsitzende des Fördervereins allen Ernstes, dass das Thema der Pflegeroboter Zukunft habe. Den demographischen Faktor werden wir, sagt er, nur durch Drohnen in den Griff kriegen, Pflegedrohnen. Bei Demenz setzt man heute schon sogenannte Tamagotschis ein, virtuelle Tiere, die der dösigen Oma mit allerlei Menschenähnlichem den Tag verkürzen.

Das ist erst der Anfang. Da Neugeborene zunehmend zwecks Erhaltung steiler Oberweiten mit Flaschen aufgezogen werden, steht die Entwicklung der Stillroboter an, die statt einer albernen Plastikflasche nunmehr stattliche Brüste in Doppel-D anbieten. Mit der Legalisierung der Homo-Ehe muss auch die früher durch getrenntgeschlechtliche Kohabitation herbeigeführte Besamung eine Drohne erledigen. Die ersten Samenbanken bieten solche Begattungsdrohnen an.

Die älteren Ehepaare unter unseren Lesern werden zugeben, dass das Verhaltensspektrum eines über Jahrzehnte angepassten Gatten nicht so variantenreich ist, dass es nicht durch einen Roboter ersetzt werden könnte. Dazu sind die ohnehin massenhaft in Gebrauch befindlichen Dildos (im Rheinland auch als „Rappeltünnes“ bekannt) künftig in lebensgroße Kens (die von Barbie, nur größer) einzubauen.

Seit der Antike denken wir über Automaten nach, die in Menschengestalt daherkommen. Das 18. Jahrhundert hat, nach Erfindung der Uhr, hier eine wahre Euphorie entwickelt. Man denke nur an den „Schachtürken“, der auf Jahrmärkten selbst Großmeister des Brettspiels zu schlagen wusste. Manche Androide waren von so edler Frauengestalt, dass sie die Herzen der Männer gefangen hielten. Und mancher Mann meint auch heute noch mit einem Automaten verehelicht zu sein.

Drohnen werden mit der dementen Oma wohnen und das Enkelchen stillen, damit Mamas Brust knackig bleibt, und in Berlin, wo sich bisher heiratende Lesben eigens ein Schwulenpärchen zur Zeugung suchen mussten, den Familienstand sichern und und und. Um ehrlich zu sein, es gibt Tage, da sehe ich meinen Kollegen am Schreibtisch gegenüber an und frage mich, ob wo bei ihm der Stecker zum Nachladen ist.

Schluss mit der Kritik an dem flotten Hugenotten. Sonst kommt eine Drohne.

Quelle: starke-meinungen.de