Logbuch
DIE KLEINE FRAU.
Immer wieder wird geklagt, dass die große Geschichte hinter dem Rücken einfacher Menschen ablaufe. Tragischer sind aber die umgekehrten Fälle. Lese eine Biographie über ETHEL ROSENBERG, ein tragisches Leben in der mörderischen Logik des Kalten Krieges. Scapegoat nennt sich im Englischen der Sündenbock. Hier eine Böckin. Zunächst zum Hintergrund. Japan kämpft an der Seite von Deutschland einen Weltkrieg. In Pearl Harbour wird die amerikanische Flotte von japanischen Fliegern zerbombt.
Diesen Weltkrieg haben die Amerikaner dann spätestens durch den Einsatz einer Plutoniumbombe auf das japanische Nagasaki beendet, eine, wie man heute sagt, disruptive Technik. Das sogenannte Manhattan-Projekt unter Präsident Truman leitete Leslie Groves, von dem eine Rede vor New Yorker Publikum zitiert wird, in der er den zeitgenössischen Sowjets vorwarf, nicht mal einen Jeep bauen zu können.
Das sollte sich als arroganter Übermut erweisen, spätestens als die Russen 1949 im heutigen Kasachstan einen Atombombentest durchführten, der so viel Plutonium in die Atmosphäre brachte wie ‚Fat Man‘ auf Nagasaki. Das konnte nur auf Verrat beruhen; man glaubte, dass Spione die Baupläne verraten hatten. Da fiel dann der Name KLAUS FUCHS, aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte. Und JULIUS ROSENBERG kam in den Fokus, der Ehemann von ETHEL ROSENBERG.
Über deren Prozess, der im März 1951 vor einer Grand Jury begann, erfährt man eigenartiges. Weil sie größer war als ihr Mann, und durchgängig vor Gericht ein Pokerface zeigte, machte man sie zur Drahtzieherin einer russisch geführten, kommunistischen Spionage-Organisation; die Todesstrafe war ihr gewiss. Eine Hexe, halt. Der Gerichtsreporter schrieb, sie habe eben nicht ihre „extremly intelligent eyes“ verbergen können. Eine einfache Frau, Migrantin aus Galizien, arme Leute im jüdischen Viertel der Lower East Side, deren Mann allenfalls ein Schrauber, aber kein Physiker war, beide mit politischen Sympathien für das Land Lenins. Sie wurden exekutiert wegen Verschwörung zum Zwecke der Spionage. Ach. So bricht sich Weltgeschichte in das Leben kleiner Leute, selten ein Glück.
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RESPEKT FÜR DICH.
Respekt für Dich? So steht das auf Wahlplakaten. Ein Versprechen. Und dreister Unsinn. Respekt hat man vor jemandem, nicht für ihn.
Was die SPD auf dem Olaf-Scholz-Plakat bedienen möchte, ist eine Ghetto-Hoffnung. Wer in meiner Berliner Hood ausdrücklich RESPEKT verlangt, möchte, dass sein provokatives Fehlverhalten auch noch durch Achtung belohnt wird. Es geht eigentlich sogar um mehr. Nicht nur Achtung, sondern Beachtung. Eine passive Aggression verlangt ostentative Bewunderung. Erfährt sie aber Ächtung, bricht sie aus und wird übergriffig. Beleidigungen, Anspucken, Angriffe, Bedrohung.
Respekt hat man vor jemandem; genauer gesagt: vor jedermann. Das hat nur vordergründig mit RECHTSGLEICHHEIT zu tun. Eher mit Ungleichheiten. Weil die Menschen verschieden sind und genau daraus der Reichtum einer Gesellschaft besteht. Da ist der Kern christlichen Denkens, dass das, was man dem Geringsten tut, man dem HERRN antut. Auch andere Religionen mögen das so sehen. Respekt ist ein MENSCHENRECHT. Das kann Olaf nicht verschenken, wenn man ihn wählt; damit man ihn wählt.
Mir wäre lieb, wenn der STAAT prinzipiell Respekt vor mir als Individuum hat. Das ist nämlich etwas anderen als jenes wohlfeile Geschenk, das da auf den Plakaten steht. Man kann mir nicht schenken, was man mir gar nicht hat nehmen können. Das ist diese Übergriffigkeit der Pandemie-Regime. Freiheit wird ein wenig erlaubt. Respekt für Dich, Du Untertan.
Menschenrechte sind „unveräußerlich“, so steht es in der Amerikanischen Freiheitserklärung. Eine Verfassung, die angesichts des eigenen Ursprungs als Sklavenhaltergesellschaft entstand. Als Ausgang aus der Versklavung. Man hatte den Sklaven genommen, was man gar nicht nehmen kann. Und man kann es nicht mit großer Geste zurückschenken. Danke Olaf, aber das ist verlogen. Lass stecken.
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OXYMORON.
Wie bereitet man Fisch zu? Nicht mit heißem Honig. Falsch. Die Einheit des Gegensätzlichen. So wie „bitter-süß“. Nennt der alte Grieche ein Oxymoron.
Der Gastro-Kritiker der WELT am SONNTAG schrieb gestern von seinen Erlebnissen in der WIENER Küche. Dabei prominent erwähnt das STEIERECK. Jetzt angeblich renoviert, aber mit dem alten Programm. Muss ich mal wieder hin. Lob findet in der Zeitung der Brotwagen, dessen Auswahl schon immer gigantisch war. Ein beredeter Kellner bietet geradezu ein Weltreich köstlicher Brotspezialiäten; man läuft Gefahr, schreibt auch die WamS, satt gegessen zu sein, bevor es überhaupt losgeht. Weshalb der berühmte Gastro-Kritiker Vijay Sapre von der Feinschmecker-Illustrierte EFILEE niemals Brot nimmt. Nicht nur wegen der Silberfische, die manchmal in Brotwagen hausen. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Die Ösis machen das mit dem Saibling so: Man nehme zwei nicht zu kleine Filets des BACHSAIBLINGS, lege sie in ein Holzkästchen und gieße die ganze Form gut (ein bis zwei Liter) mit sehr heissem Honig aus. Man lasse die Form auskühlen. Der Fisch ist nun über den heißen Honig leicht angegart. Die Filets lassen sich bequem aus dem Honigbett herauslösen. Eine Köstlichkeit!
Man achte auf den Fisch. Ich hatte in Singapur in der Howard Road mal einen SEESAIBLING süß-sauer; nicht zu vergleichen. Na ja, der Laden gehörte einem ehemaligen Banker, der sich zum Koch berufen fühlte. Das geht nie gut. Die ELSÄSSER haben versucht den SEESAIBLING mit dem BACHSAIBLING zu kreuzen; hatte ich mal beim ILLHÄUSER. Ein Monsterfisch. Sittenwidrig.
Ich warte darauf, dass sie Fisch vegan anbieten, aus Tofu und Soja, sprich Fischfutter, bevor es durch den Fisch ging. Den NORWEGERN wäre das zuzutrauen. Zuchtlachs ist ohnehin nahe dran. Jene Fische, die gegen den Strom schwimmen, sind keine Haustiere. Mein Gott, ich höre mich schon an wie der WWF.
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Die Banken in Volkes Hand
Wenn das Volk kein Brot hat, soll es doch Kuchen essen. Die Armut kommt von der Poverte. Und das Problem unserer Wirtschaft sind die Banken. Schon der zum Bundespräsidenten aufgestiegene Sparkassenpräsident Horst Köhler hat vom Monster des Kapitalmarktes gesprochen.
Banken sind so böse, weil sie gierig sind. Sie nehmen Zinsen und Zinseszinsen. Ob das ethisch in Ordnung ist? Jesus jedenfalls hat die Geldwechsler aus dem Tempel getrieben; Tempelreinigung genannt. Müssen wir unsere Welt von den Banken reinigen? Bedingungsloses Grundeinkommen, Zinsverbot und Freibier für alle. Jedenfalls nicht Champagner und Koks für Banker. So geht das Piratenlied.
Besonders übel sind Investmentbanken. Keine Ahnung, was das ist, eine Investmentbank, im Unterschied zu einer normalen Spaßkasse. Jedenfalls ist die Spaßkasse nicht gierig. Sie ist nicht in Händen von Heuschrecken, sondern gehört der öffentlichen Hand. So wie die Volksbanken, die in den Händen des Volkes sind.
Schon mein Großvater mütterlicherseits hat gewusst, wie man das Problem löst: “Expropriiert die Expropriateure.“ Den Spruch hatte er von Teddy Thälmann, dem Vorsitzenden der KPD. „Enteignet die Enteigner.“
Mein Opa Heini war in seiner Jugend Kommunist und hat mit Kreide an den Grubenhund geschrieben: „Die Gruben in Volkes Hand!“ Dafür wurde die Förderung vom Steiger genullt; das Gedinge blieb lohnfrei. Nichts zu beißen, wegen politischer Umtriebe. Bald hatte der Berg ihm die Wirbelsäule gebrochen, ein Knappschafts-Krüppel, Invalide genannt, was aus dem Lateinischen kommt und „nichts mehr wert“ heißt.
Nachdenkend fallen mir drei Gründe ein. Zunächst mal, das mit der DDR hat irgendwie nicht so richtig geklappt. Auch Kuba gefällt mir nicht so richtig. Dann habe ich gelernt, dass in der jüngsten Finanzkrise die mit Abstand größten Verluste jene Banken gemacht haben, die schon in öffentlicher Hand sind. Bei den Spaßkassen der Bundesländer war ganz schnell Schluss mit lustig. Irgendwie will ich der Kaste der Politiker von Lafontaine bis Mappus nicht meine finanzielle Zukunft verdanken müssen.
Nun gut, es gibt aber auch moralisch erhabene Politiker, nämlich die der SPD. Das wäre meine letzte Hoffnung. Käme ich nicht aus NRW, wo Sozis die Landesbank zum Moloch ausgebaut hatten. Und wohnte ich heute nicht in Rheinland-Pfalz und Berlin, wo Herr Beck den Nürburgring saniert hat und Herr Wowereit gerade einen Weltstadtflughafen eingeweiht. Bitter, bitter.
Was also will ich: Die Banken bitte nicht in Volkes Hand! Man soll den Kapitalismus von jenen betreiben lassen, die das wirklich können. Ich hatte kein Problem mit Joe Ackermann oder dem blasierten Inder, der ihm gefolgt ist.
Aber die Parlamente und die Wirtschaftspolitik, die gehören dem Souverän. Die Politik in Volkes Hand! Wenn Sigmar Gabriel das gemeint hat, dann wähle ich ihn. Das wird dann auch dem politischen Erbe meines Opas gerecht, der die Sprüche Teddy Thälmanns im Alter durch „Willy wählen!“ ersetzt hat.
Und den Politikern, den kann man zwar nicht in den Aufsichtsräten der Banken trauen, aber in Regierungsämtern? Unsinn! Man muss drauf achten, dass sie für das geliehene Vertrauen auch Zinsen zahlen. Sonst führen sie das bedingungslose Grundeinkommen ein, für sich selbst.
Quelle: starke-meinungen.de