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DER FEIND MEINES FEINDES.

Dass jener mein Freund ist, den mein Feind zu seinem Feind erklärt, das mag sein, muss aber nicht. Denn das ist ausschließlich meine Entscheidung, nicht die der anderen, die sich da bekriegen.

Friedenswahrend ist, was die NATO den Bündnisfall nennt. Alle Bündnispartner werten einen Angriff auf einen ihrer Partner als Angriff auf sich. So geht militärisch Solidarität. Gut. Wenn aber ein Dritter einen Vierten befehdet, dann gibt es keine Zwangsläufigkeiten, darin Kriegspartei zu werden. Sonst wäre ich ja die Geisel jedes Kriegstreibers weltweit. Oder das Bündnis. Es gibt ein starkes Gebot, möglichst nicht beteiligt zu sein. Der Bündnisfall soll eine sehr, sehr seltene Ausnahme sein, nicht ein propagandistisches Allerweltsmittel.

Überhaupt habe ich gelegentlich unter Umständen GEGNER , aber nie FEINDE. Überhaupt habe ich vielleicht politische Gegner, aber sicher nie ethnischen Feinde. Überhaupt bin ich eventuell in einem Konflikt, aber nie zur Vernichtung anderer aufgerufen. Kühle Klugheit, Verantwortungsethik, Mitte und Mass, Angemessenheit, all das auch angesichts großen Unrechts. Man muss der fundamentalen Radikalität jedweder Kriegspropaganda und ihren Polarisierungen widerstehen wollen.

Dann die Sache mit der GEMEINSAMEN SACHE. Tenor: Mein Messias soll der Jesus des einen sein, weil der besser ist als der Messias des anderen. Ich habe keinen Kreuzzug bestellt. Ob nun Gegenreformation oder Reformation, ich nehme an Glaubenskriegen nicht teil; jedenfalls lasse ich mich nicht von Dritten ideologisch rekrutieren. Ich lasse mich ungern diesem oder jenem Lager zuordnen, wenn ich auf dem jeweiligen Schlachtfeld einer wahren Lehre gar nichts zu suchen habe.

Und wenn doch, dann zöge ich aus freien Stücken als Partisan in den Bürgerkrieg, würde aber nicht von der Propaganda irgendwelcher Warlords gezogen. Ciao bella ciao.

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MORAL. GRUNDSÄTZE DER.

Wer feste Werte hat, kann hart urteilen. Woher aber kommen die Tugendwerte? Aus dem Wissen um die Sünde. Weil man ihr eben auch erliegen würde. Der ist rigoros gegen andere, wer die Versuchung zuvor in sich verspürt.

Kurz zur Vorgeschichte um eine gewisse Connie Chatterley: Die der Lebensfreude zugeneigte Gattin wendet sich von dem kriegsversehrten und daher impotenten Herrn des Hauses affektiv ab zugunsten eines etwas proletigen, aber wirkmächtigeren Jägers und wird von eben diesem schwanger, was der Gatte als eher nebensächlich hinnimmt, weil er den Erben als Kuckuckskind zu akzeptieren gedenkt. Ein Erfolgsroman. Erst in der dritten Version ist diese eigentlich schlichte Geschichte mit expliziten Schilderungen sexueller Vorgänge angereichert worden. Wie schon mein Freund Jürgen sagte: „A tergo in Ehren/ Kann niemand verwehren.“

Das Werk galt als obszön und zwar zu Zeiten als dieses geschmackliche Urteil noch moralisch war und obendrein ein Verbot rechtfertigte. Wir sind im England des Jahres 1959. Die Anklage gegen das obszöne Werk führt der ehrenwerte Mervyn Griffith-Jones QC und er verliest im Plädoyer im Old Bailey vor einer Jury eine Passage mit der ausführlichen Beschreibung der „sensation of anal intercourse without spelling out what it is“. Er tut dabei so, als verstehe er nicht. Am Rand des vom ihm gelesenen Buchexemplars steht aber, so die neuste Forschung, als seine Notiz „buggery“. Ein Klartextausdruck. Doppelmoral.

Gefragt, wie er, der Sittenwächter, entscheide, was so obszön sei, dass der Staat einzuschreiten habe, sprich wann Pornografie klagewürdig werde, hat der ehrwürdige Mervyn Griffith-Jones QC geantwortet, er lese, was ihm von seinen Staatsanwälten vorgelegt werde; wenn er dabei eine körperliche Reaktion habe, dann klage er an („if I get an erection we prosecute“). Was zu beweisen war.

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EINHOLEN.

Früher holte man, was jetzt gebracht wird. Einkauf hieß Einholen, nicht Bringenlassen. Fundamentaler Wandel von EINZELHANDEL. Ein Heer der Bringdiener flutet die Städte. Auf dem Land nicht minder: bis zu sechs Dienste am Tag.

Viele junge Männer in ebenso vielen Mercedes-Transportern verstopfen wildparkend die Straßen; sie eilen mit Paketkarren von Tür zu Tür: Amazon ergießt sein Glück aufs Land. Als ich noch bei der Post urlaubsjobbte (Briefzusteller) hießen diese Kollegen PAKETBULLEN. Kein Ehrentitel. Kräftig sollten sie sein, nicht schlau.

Während hier neue Beschäftigung für junge Männer entsteht, muss sie für Verkäuferinnen (ich meine Frauen) im sterbenden Einzelhandel verloren gehen. Die immer pissige Karstadt-Verkäuferin sieht schon entsprechend grundfrustriert aus. Und die Innenstädte mit Fußgängerzonen als Einkaufsmeilen geplant, werden veröden. Leerstände an Lokalen sind in Wohnungen zu wandeln: so wie Büros, deren Funktion das HOME OFFICE erledigt hat. Neue Städte entstehen, ödere.

Während ich über diesen sozialen Wandel sinniere, komme ich auf dem Nachhauseweg an einer Muckibude vorbei und sehe hinter der verglasten Front die Laufgeräte rammelvoll. Die COUCH POTATOES simulieren an Automaten jene körperliche Aktivität, die sie auf den PAKETBULLEN delegiert haben. Das hat etwas spätrömisches: weil die Sklaven schuften, treiben die so entlasteten Herren Sport in solchen Galeeren. Zur Kompensation des Verlustes der natürlichen Bewegung.

Übrigens wären die Dieseltransporter die ideale Anwendung für Batterieautos, weil Nahbereich mit periodischer Nutzung. Das ist das Segment. Nicht Limousinen, Nutzfahrzeuge, zumal Kleinlaster, wären ideal für Batterien. Aber das Thema haben ein Professor aus Aachen und die gelbe Post schon ruiniert. Tragisch. Weil eine richtige Idee für eine Industrie nicht in die Hände von Bastlern gehört. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

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Religionsfreiheit ist nicht Freiheit der Religionen, sondern die Freiheit von der Religion

Doofe haben nur eine Chance, die Dinge, für die sie zu doof sind, doch noch irgendwie zu verstehen: Sie legen eine Magie zugrunde. Mutter Natur oder finstere Mächte, selbstgemachte Götter. So entstehen alle Religionen. Statt Physik gibt es Metaphysik. Religion ist Magisierung des Lebens.

Magien sind allzu menschliche Erfindungen, die sich zur Beherrschern des Menschen verselbständigen. Fetischismus nennt man das. Aber gemach, hier soll nicht gegen Religiöses gehetzt werden. Im Gegenteil. Aber es geschieht ja Ungeheuerliches: Korane werden verteilt.

In der Fußgängerzone, dem deutschesten aller deutschen Orte, werden diese Bücher verschenkt. Und die Herrschaften, die dort agieren, sind Salafisten. Ich habe keine Ahnung, was Salafisten sind, und will es auch nicht wissen. Die allgemeine Aufregung ist unangebracht. Ich bitte um Entspannung.

Ist das zu sorglos? Sollten wir die bösen Bücher nicht verbannen? Hallo? Man soll alles lesen können, so man lesen kann. Aber der Verfassungsschutz warnt doch, dies sei Propaganda. Das sind die beamteten Schlafmützen, die das Nazi-Bafög erfunden haben und braune Mörderbanden über Jahre agieren ließen. Die sollten ihren wirklichen Job machen und sich nicht als Reichsschrifttumskammer gerieren.

An der Straßenecke steht ein älterer Herr, der hält ein Blättchen hoch, auf dem „Wachturm“ steht. Er möchte ausweislich seiner Headline, dass ich erwache. Aha. Ich habe keine Ahnung, was die Zeugen Jehovas sind, und will es auch nicht wissen. In meinem Kiez suchen sie die Türschilder nach italienischen Namen ab und klingeln dann. Es gibt eben auch italienische Zeugen Jehovas. Es interessiert mich nicht.

An bestimmten christlichen Feiertagen gibt es, kein Scherz, Tanzverbot. Ich bin aus dem Alter, in dem ich nach Tanzvergnügen strebe. Und als ich in dem Alter war, war es mir völlig egal, was Kirchen darüber dachten, wann und wie ich abrockte. Wir haben uns damals darüber amüsiert, dass in der DDR „auseinandertanzen“ verboten war. Weder Staat noch Kirchen entschieden über’s Tanzen. Oder die Art der Drogen.

Zu jener Zeit agierte in Albanien ein kommunistischer Diktator namens Enver Hoxha, der alle Kirchen und Moscheen schleifen ließ, weil er einen atheistischen Staat wollte. Man kann das Anti-Klerikale eben auch bis zum Gegenteil der Befreiung treiben, der Unfreiheit einer bösen Diktatur. Bildersturm unter Marx, Engels und Lenin. Das fanden wir schon damals bescheuert.

Im Spätkauf in meinem Kiez trägt die Tochter des Besitzers seit neuerem Kopftuch. Eigentlich ist mir das egal, weil ich Zeitungen und Zigaretten will und keine religiöse Debatte. Weil ich aber den Verdacht habe, dass dies ein Diskriminierungsmerkmal für Frauen ist und sie es nicht freiwillig tut, kaufe ich da nicht mehr. Geschäfte unter vorsätzlicher Menschenrechtsverletzung behagen mir nicht.

Zu den großen Errungenschaften der Moderne gehört, dass Staat und Kirche getrennt sind. Unser gesellschaftliches Leben wird nur durch Recht und Gesetz beschränkt. Und ansonsten durch nichts. Wir kennen keine Staatsreligion. Und der Glaube, das Bekenntnis sind Privatangelegenheit. Säkularisierung heißt das, und es ist klasse.

Religionsfreiheit ist eben nicht die Freiheit einer Religion, von jedermann zu verlangen, was ihre Vorstellungen für erstrebenswert halten. Und zur Not die Menschen mit einem Bannstrahl zu strafen oder zu steinigen. Religionsfreiheit ist die Freiheit von Religionen. Sie sind Privatsache, aber nicht Sache des Staates.

Deshalb ist es falsch, dass der deutsche Staat für die Kirchen die Mitgliedsbeiträge als Steuer eintreibt. Deshalb ist es ein Witz, dass Kirchen in Kindergärten, in denen sie gerade mal 10 Prozent der Kosten tragen, Tendenzbetriebe sehen, in denen sie die eigene verlogene Sittenlehre über das Arbeitsrecht stellen. Deswegen gehört das Verkaufsverbot an Sonntagen aufgehoben.

Dass die islamischen Vorstellungen von Gottesstaaten vormodern sind, Tarnungen von totalitären Regimen und menschenverachtenden Mächten, ist damit gesagt. Zugleich ist der Papst in seine Schranken verwiesen. Und der Protestant, auch wenn er bei uns Kanzlerin und Präsident ist.

Jeder darf nach seiner Fasson selig werden. Dieser preußische Grundsatz sagt vor allem: Selig werden, das ist kein Staatsakt. Sondern eine Privatsache. Daraus erklärt sich eine gewisse Zurückhaltung, die den Religionen in modernen Gesellschaften aufzuerlegen ist. Ganz entspannt, aber eben auch ganz entschieden.

Und wenn in Moscheen gegen Recht und Gesetz verstoßen wird, dann ist das eine Frage von Recht und Gesetz, ungeachtet der Tatsache, ob es Kathedralen, Moscheen oder Parteizentralen sind, in denen der Rechtsbruch stattfindet. Volle Härte des Gesetzes, kein Freibrief für die Mullah-Magie.

Mit der Freiheit von der Religion steht diese nicht mehr als Kriegsgrund zur Verfügung. Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Und dann kann ich mich dem moralischen Gesetz in mir widmen, eine wichtige private Tätigkeit. Dabei will ich für mich, dass die Maxime meines Handelns zugleich Grundsatz einer allgemeinen Gesetzgebung sein könnte. So wird das Moralische politisch. Nur so.

Quelle: starke-meinungen.de