Logbuch
BARMHERZIGKEIT.
Ich kann von dem Berliner Krankenhaus namens BARMHERZIGKEIT nicht reden, ohne dass mich eine gewisse Sentimentalität angeht. Der sterbende Bertolt Brecht hat hier sein letztes Gedicht geschrieben, das an Größe nicht zu übertreffen ist.
Heute ist die gelernte Bettenburg der DDR eine moderne Klinik, schon organisatorisch ein Meisterwerk; ich darf das sagen, weil ich drei Jahrzehnte in der deutschen Industrie verbracht habe und weiß, wie Missmanagement geht. Man riecht das nach einiger Zeit und sieht es schon an Details. Ich höre stets am Ton der Domestiken, ob die Herrschaft was taugt.
Also, ich bedanke mich bei meinem Operateur für gute Arbeit und er erwidert, der glückliche Ausgang sei dem Umstand geschuldet, dass ich ein guter Patient sei. Wenn nicht glatt gelogen, so ist das doch übertrieben. Aber der kleine Dialog hinterlässt uns beide als Sieger. Wie klug.
Im Wartebereich hängen die Motive einer Imagekampagne an den Wänden. Mein Fach. Und ich staune: wirklich gut gemacht. Die Themen stimmen, der Slogan passt. Glatt getextet, interessant fotografiert, raffiniert gestaltet. Wer so für sich wirbt, kann nicht doof sein. Und das bei dem miefigen Erbe des Sozialismus in dieser Stadt der dreisten Inkompetenz.
Ich habe heute keinen Skandal zu beklagen und keine Idioten zu geißeln. Vom Pförtner bis zum Patrizier alles patent. Das ist das Ende der Literatur, jedenfalls des Journalismus. So kann kein Mensch bloggen!
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ANGEBEREI.
Die amtierende Bundesministerin des Äußersten interpretiert ihre Rolle als feministisches Vorbild für die Völker der Welt. Und verbittet sich amtlich jedweden Spott. Das geht, sage ich voraus, schief.
Frau Baerbock gibt sich eine Rolle, die sie nicht mit Substanz zu nähren weiß, sondern so notorisch untererfüllt, dass man die Differenz von Anspruch und Erfüllung peinlich bemerkt. Der Rock der Dame ist zu kurz. Sie meint dazu aufgerufen zu sein, Südafrika Noten zu geben und gönnerhaft dem Land eine Vorbildfunktion zuzuweisen. Das hören die gern von ehemaligen Kolonialmächten. Ein Leuchtfeuer der Hoffnung. So steht es in ihrem Manuskript. Die Vokabelkenntnis ist aber unzureichend. Die Minderbegabte spricht stattdessen vom Speck der Hoffnung.
Das kann passieren. Nicht passieren darf, dass „das Amt“ dann dem Volk seine Lust am Witzereißen untersagt. Wir haben von ihr lernen müssen, dass sie in London Völkerrecht studiert haben will und dass es mit ihr nun eine feministische Außenpolitik gebe. Wenn die Heroin dann mit der Qualifikation einer Realschülerin radebricht, so ist Parodie erlaubt.
Lektüre-Empfehlung: Man lese „Der Bürger als Edelmann“ von Molière; eine wunderbare Satire auf die Angeberei von Minderbegabten, die sich zu Höherem berufen fühlen. Übrigens ein Stück mit außenpolitischem Hintergrund. Es ging um die Prunksucht der Osmanen. So nannte man damals, liebe Frau Baerbock, die Türken. Das ist, wo diesen Erdowan Chef ist. Aber Speck geht nicht, weil vom Schwein. Was Speck angeht, sind die da voll vegan, die Osmanen. Das nur zur Ministerinstruktion.
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ALPTRAUM.
Seit Menschengedenken träumen wir. Und manchmal nicht nur wünschbares, sondern böse Inhalte. Ich werde dann wach und muss mir selbst versichern, dass es nur ein Traum war. Sofort schlafe ich wieder ein. Denn Träume sind ja nur Schäume.
So ganz auf die leichte Schulter hat man Alpträume nicht immer genommen. Den Alten erschienen sie als Vorboten des Schicksals. Man glaubte an Elfen (oder Alpen) als Schattenwesen und Todesbotinnen. Der Wiener Bildungsbürger Sigmund Freud hat dem Irrationalen einen vernünftigen Anschein verliehen und es analysiert als Mischung aus Tagesresten und seelischen Abgründen. Das scheint mir plausibel, die Vorstellung einer nächtlichen Verdauung der Seele.
Jetzt aber zu dem, was mich wirklich ärgert. Meine Träume sind schlicht banal. Nicht Sagengestalten der Antike treiben mich um. Es drohen keine Menschheitskatastrophen. Oder auch nur Peinliches. Mein Alptraum besteht darin, dass ich telefonieren muss und mein Handy geht nicht. Darüber werde ich im Traum rattendoll.
Wie abhängig kann man von dem kleinen Scheißding sein?
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Geld spielt doch keine Rolex
Im Fälschen von Bildern haben die Machthaber Russlands so ihre Erfahrungen. Früher schnitten sie den gerade von Stalins Schergen in Mexiko mit einem Eispickel erschlagenen Leo Trotzki einfach mit der Schere aus den politischen Portraits heraus. Heute gibt es Photoshop.
Der orthodoxe Patriarch in Moskau wird auf einem Foto mit einer Schweizer Uhr gezeigt, die im Wert eines guten deutschen PKW steht. Kritik an dessen feudalem Lebensstil wird laut. Schwups kommt ein retuschiertes Foto. Leider schlecht gemacht: Die Edeluhr ist am Handgelenk verschwunden, ihr Spiegelbild auf der Tischplatte aber noch zu sehen. Erwischt.
Unmut regt sich in Diktaturen am korrupten System. Die Luxusuhr brandmarkt. Zweites Beispiel aus China. Nach einem verheerenden Bahnunglück sollen die Trümmer der Züge mit den darin noch verkeilten Leichen der verunglückten Passagiere in einem Rutsch entsorgt werden.
Menschenverachtung pur. Und am Handgelenk eines der dabei agierenden Politikers eine Schweizer Edeluhr, die das Zehnfache seines Jahresverdienstes kostet. Die Internetgemeinde durchkämmt Pressefotos. Eine ganze Kaste wird bei einem Luxus erwischt, der auf Korruption schließen lässt.
Nur in Diktaturen? Nein, der legendäre Klaus Kleinfeld ließ als Siemens-Chef ein Portraitfoto im Geschäftsbericht „ent-rolexen.“ Und seine Presseabteilung beflunkerte dazu behend die Öffentlichkeit. München war so doof wie Moskau heute. Der Pfusch flog auf.
Warum besorgen die Jungs sich teure, sündhaft teure Uhren, wenn sie sich dann damit gar nicht zeigen können? Gute Frage. Die Erklärung ist mehrstufig. Erstens reden wir von Männern an der Macht, jedenfalls von Männern in ihrer Funktion als Gockel. Sie wollen den Hühnern imponieren. Bunte Federn.
Der Uniformzwang in gewissen Kreisen grenzt die Möglichkeiten aber ein. Es werden graue Anzüge getragen, schwarze Schuhe und verhalten bunte Krawatten. Auch da gibt es Unterschiede, sogar gewaltige, aber alles in allem trägt die Business Class eben Business Class. Uniformiert sein und sich abheben wollen, dieser Widerspruch zeigt, dass es schwierig wird. Jungs haben es nicht leicht.
Der Balletttänzer mag sich noch eine Hasenpfote vorne in die Strumpfhose stecken, oder der O-Beinige einen indischen Schneider mit seinen Hosengestaltungskünsten bemühen. Dandy-Naturen wagen eine Blume im Knopfloch oder ein gewagtes Einstecktuch. Die wirkliche Schlacht der Differenzierung tobt aber am Handgelenk.
Mann und Technik, das passt eh. Jetzt also: Mann und Zeitmessung. Zeige mir Deine Uhr, und ich sage Dir, wer Du bist. Natürlich ist ein elektronisches Werk asiatischer Herkunft tief verpönt. Profis sehen schon an der Bewegungscharakteristik des Sekundenzeigers, ob es sich wirklich um ein mechanisches Werk handelt.
Hochwertige mechanische Uhren beginnen beim Monatsgehalt und enden beim Preis eines Einfamilienhauses. Manufakturen fertigen Geniales. Wirkliche Kenner lassen sich ihre Uhr persönlich anfertigen. Und holen sie selbst ab.
Swiss made, so lautet das Motto, jedenfalls gängiger Weise. Neben die Technik treten seltene Materialien, Gold ist dabei das Wenigste. Warum aber nicht einfach Schmuck? Mit Brillanten ließe sich doch protzen. An jedem Finger ein Ring, Ketten um den Hals. Nun, Männer unterliegen, wenn sie richtige Männer sind, einem Schmuckverbot.
Das Gerät am Handgelenk kann Dinge, von denen die Mädchen nicht mal gehört haben. Wissen Sie, bis wann auf der alten Rolex Air King noch „superprecision“ steht, und wann nicht mehr, als mit dem anderen Kaliber die Chronographenqualität erreicht wurde? Wenn Sie das nicht abgrundtief fasziniert, sind Sie ein Mädchen. Und wenn Sie eine Rolex mit Fischauge tragen, dann sind Sie Zuhälter oder Russe.
Der komplizierteste Widerspruch ist der calvinistische. Wir sollen demütig leben. Selbst für Katholen ist Gier eine Todsünde. Und ob wir in den Himmel kommen, das ist vorbestimmt, Also nicht durch gute Taten erwirkbar. Da könnte man ja gelassen eine Swatch tragen, bis der Herrgott einen hoch ruft ins Paradies.
Aber wir würden gerne schon vorher wie Erwählte wirken und so behandelt werden. Deshalb will auch der Calvinist, dass an ihm Gottes Gunst erkannt wird. Da man nicht ins Herz schauen kann und nicht ins Depot, trägt er den Beweis am Handgelenk.
Osterausflug für alle Jungs: ab in die Züricher Bahnhofstraße. Uhren schauen. Und wenn es am Geld fehlt, dann klaut man sich halt eine. Oder sucht sich einen Posten, wo es das unterm Tisch gibt. Wie habe ich mal in Wolfsburg an einem alten Golf gelesen: „Keine Airbags. Wir wollen noch sterben wie Männer!“
PS.: Der Autor dieser Zeilen vertraut auf Dornblüth & Sohn aus Sachsen-Anhalt. Was soll man tun, wenn schon jeder Pope und Bonze Schweizer Marken trägt? Dornblüth baut auf einer Dreiviertelplatine. Sagt Ihnen nichts? Dachte ich mir. Sie Mädchen.
Quelle: starke-meinungen.de