Logbuch

DAVOS FRÜHER WAR.

Wer bisher darauf vertraute, dass Soros und ich es in DAVOS richten, wird jetzt ganz stark sein müssen: Ich komme nicht. Die berühmte Hütte im Nachbartal bleibt vakant. Wohlgemerkt, ob Soros und Gates wieder in dem Städtchen vor Davos nächtigen, das weiß ich nicht, aber ich habe mich abgemeldet. Ich kann nicht, weil ich Ende Januar in die USA muss, respektive darf. Ich sage nur: Inauguration. Ich habe mich da in eine Delegation reingefummelt. Ja, das heißt auch, dass der Verkehrsgerichtstag in Goslar ohne mich auskommen muss; aber das schafft er.

Wir erleben nicht nur faktisch und personell international einen Elitenwechsel, es ist auch ein Bruch im Stil. Musk beschimpft öffentlich die alten Eliten; der Wille zur Pejoration ist so ausgeprägt, dass man von Invektiven reden muss. Es wird gepöbelt. Musk sagt so Sachen über Trudeau und Scholz oder Stamer, die ich nicht wiederhole. Nur zum Beispiel: der „Spiegel is paid propaganda.“ Die neue Elite liebt es kurz und bündig (das Lakonismus-Gebot der Neuen Rechten) und schlachtet gern die Heiligen Kühe der alten Eliten, die sie gerontologisch beschreiben. Man mag selbst auch über 70 sein, aber eben nicht fußlahm und 80 oder 90.

Die Greise der neuen Elite sind virile Phänomene der „longitivity“: sie werden ewig leben; sagen sie. Während die Churchills der alten Eliten am Stock gehen, wiegen sie kein Gramm zu viel und zeigen es auch (es gibt eine neue „H culture“, deren dünne Beinchen Bände sprechen). Das fällt mir auch auf, als ich den avisierten Kanzler Österreichs durch die Wiener Hofburg schreiten sehe; billiger Anzug, aber hauteng. Aber das ist, wie Kipling und Haider sagen, eine andere Geschichte.

Also, wer immer sich in diesem Jahr um den Gin&Tonic in Davos kümmert, ich grüße aus dem Land des „black jack“ (Jack Daniels; obwohl, es könnte sein, dass es Coke Zero wird und Veterenärisches). Davos früher war, da ist es nicht mehr.

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DER KONGRESS TANZT.

Durch eine Tapetentür betritt in der Wiener Hofburg ein grüner Bundespräsident den politischen Raum mit dem Plan, die blauen Freiheitlichen zu einer Regierungsbildung aufzufordern und mit der schwarzen Volkspartei unter einem rechtspopulistischen Kanzler eine Vernunftehe zu bilden. Aus der Illusion einer Brandmauer ist eine Melange geworden. So miefig piefig geht heutzutage Machtergreifung.

Hinter der deutschen Tapetentür lauert die begattungswillige Alice Weidel und der unentschlossene Friedrich Merz; Herr im deutschen Haus der Macht ist der ungeliebte Frank Walter Steinmeier. Dem Mann ist alles zuzutrauen. Man hört ihn bis in den Garten von Bellevue eine Weise summen, die da lautet „Tu felix austria, nube!“ Heirate nur, Du glückliches Österreich. Es werden die Glocken auf Notstandsregime eingestimmt.

Ob die AfD durch die Hintertür an die Macht kommt oder man durch‘s breite Portal schreitet, das liegt im deutschen Vaterland in der Hand des Wählers, um den ab heute, dem Drei-Königs-Tag ganz offen geworben wird. Die ersten Anzeichen einer offenen Feldschlacht sind schon da. Die Union diskreditiert die Sozialdemokraten als Fünfte Kolonne Moskaus; ein Erfolgsrezept seit Adenauers Tagen. Olaf Scholz soll als Putins Pudel erscheinen.

Weiter so! Mehr davon! Jetzt ist also tatsächlich D-Day und offene Schlacht, von mir aus auch „blood on the floor“; nur bitte keine Tapetentüren zu den muffigen Hinterzimmern der Macht. Der Kongress mag tanzen, wo er will; hier ist Preußen. Keine Wiener Hofburg an der Spree!

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BANANENREPUBLIK.

Propaganda ist ein so unschönes Wort. Der Gründungsvater dessen, was man heute PUBLIC RELATIONS oder kurz PR nennt, war Edward Bernays (1891 - 1995), ein in die USA emigrierter Wiener Jude mit verwandtschaftlicher Verbindung zu Sigmund Freud. Man findet seine Monografie zu moderner Propaganda auf dem Buchmarkt (mit einer kleinen Einleitung aus meiner Feder). Der verheerende Joseph Goebbels soll das Buch geschätzt haben (erzählt Bernays); aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Berichten möchte ich von einem Kontakt, den Bernays als BERATER der UNITED FRUIT Comp. zum Herausgeber der New York Times, einem Arthur Hays Sulzberger, aufnahm, um Journalisten des Blattes auf Kosten des Bananenimporteurs 1944 nach Guatemala zu schicken, wo eine zwar demokratisch gewählte, aber leider linke Regierung die Vergesellschaftung und Reprivatisierung von Plantagen plante. Die Leser des Blattes konnten sich in der Folge davon überzeugen, dass es sich um kommunistische Umtriebe einer marxistischen Regierung handelte. Die Interessen von UNITED FRUIT waren durch diesen Kleinbauern-Unsinn natürlich nachhaltig berührt.

Ob es zu einer militärischen Intervention gekommen ist oder geheimdienstlich begleiteten Umstürzen in der Bananenrepublik, entzieht sich meiner genaueren Erinnerung. Jedenfalls gab es dort ab 1954 eine Militärdiktatur. Was mich eigentlich interessiert ist, wie haben Bernays und Sulzberger die PR-Nummer damals benannt? Wurde da Klartext geredet? Oder hat Bernays Grüße von seinem Onkel Siggi aus Wien bestellt und auf die Vorteile einer Banane für die Volksgesundheit verwiesen? Wie redet solches PR mit Verlegern?

Er war durchaus erfahren in Fragen der Volksgesundheit; er hatte ja große Verdienste um Fluor im Trinkwasser und bei der Durchsetzung von „bacon & eggs“ als Frühstück sowie der Einführung des weiblichen Zigarettenrauchens. „Thank you for smoking here!“ AMERCAN TOBACCO war sein Kunde. Wenig, von dem was heutzutage auf TELEGRAM oder TikTok passiert, überrascht mich wirklich; sehr wenig.

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DICKE HOSE.

Man sieht im Netz eine faszinierende Szene: Angela Merkel im akademischen Habit, dem Doktorengewand, an einer amerikanischen Uni, auf die Frage, was sie am ersten Tag nach dem Ausscheiden aus dem Amt vorhabe. Uneitel, gänzlich uneitel, geradezu obszön bescheiden (wenn man das so sagen darf). Eben keine „dicke Hose“. Führt sich nicht auf wie Graf Koks von der Gasanstalt. Allenfalls eben die (protestantische) Eitelkeit der gänzlich Uneitlen. Männern fällt das schwerer, aber auch prahlende (!) Frauen hatten wir in der Spitzenpolitik.

Man will ja Peinlichkeiten vermeiden, also nimmt man sich vor, missverständliche Dinge mit Bedacht zu formulieren. Aber ohne Klartext geht es halt nicht. Frau BÄRBOCK hätte ein „Dicke-Hose-Problem“ gehabt, soll ihr Parteifreund, Herr HABECK, diagnostiziert haben. Stimmt vielleicht in der Sache, aber die Sprache! Das geht so doch nicht. Ein Bildbruch, nennt sich Katachrese.

Beginnen wir mit der Semantik: einem auf dicke Hose machen, das meint, ein Angeber gewesen zu sein, geprahlt zu haben. Ergänzt aus der Pragmatik: gemeint ist die Hose im Bereich der Hüfte, der sogenannten „primären Geschlechtsorgane“, meist weniger um einen etwaigen Erregungszustand zu beschreiben als die Größe der beigeordneten Hoden. Der Volksmund spricht, obwohl Kastrationen auch bei Sopranen eher selten geworden sind, von „Eier haben“. Oder eben nicht.

Nun zur Metaphorik: mit diesem bildhaften Ausdruck sind eigentlich nur männliche Wesen zu beschreiben, aus biologischen Gründen, aber eben auch aus sozialpsychologischen. Die Rede ist von Testosteron gesteuertem virilen PRAHLVERHALTEN. Alle Frauen, die ich schätze, belächeln das. Bei männlichen Jugendlichen ist es im Getto am verbreitesten; also nicht nur entwicklungspsychologisch, sondern auch sozial indiziert.

Frau BÄRBOCK hatte angegeben wie ein Mann; das war der Vorwurf. Inzwischen bemüht sie sich mit Erfolg um einen Ton, der weniger jakobinisch herrisch klingt.

Wie gibt man geschickter an? Ich hätte Ratschläge, wenn mich jemand fragen würde. Erstens: immer mit klarer Selbstironie. Zweitens: immer mit deutlicher Untertreibung. Drittens: nie allzu glatt oder perfekt, eher verlegen bis unbeholfen. Wie Hugh Grant in Notting Hill: verdruckst und mit „understatement“. Und bitte, ohne jeden Bezug auf Körperorgane und deren Besamungs- oder Stillvermögen. Auch VOLLE BLUSE ist wohl daneben. Schade eigentlich.

PS: Hugh Grant in Notting Hill? Könnte das das „role model“ von Robert HABECK sein? Interessante Vermutung.