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RAUCHERECKE.

Auf dem Pausenhof meiner Penne gab es eine Raucherecke, die den Primanern zugänglich war, also besonders attraktiv für jene, die noch nicht öffentlich rauchen durften. Der Konsum von Tabak galt als Ausweis von Reife. Man schaute französische Filme, in denen schwarzer Tabak der Marke „Zigeunerin“ gepafft wurde, Zigaretten in Maispapier. Das galt als Lebensart.

Ich blicke beim Besuch eines hochmodernen Krankenhauses in einen versteckten Innenhof und sehe dort auf Getränkekästen sitzend OP-Personal in den Hygienekitteln hockend, um gierig eine Zigarette zu rauchen. Es ist das „Team Time Out“, so nennen sich heute die Narkoseärzte. Man sollte glauben, dass gerade die andere Möglichkeiten haben, sich Drogen zu besorgen. Aber man pafft.

Denn eigentlich ist die Nikotinsucht eine soziale Indikation geworden. Menschen mit einem gehobenen Sozialstatus rauchen nicht mehr. In den Büros sind sie verbannt, die Zigaretten; auf dem Bau sehe ich sie noch. Und verstärkt bei Frauen, vielleicht eine Frage der Wahrnehmung. An Schmuddelpunkten hinter Einkaufszentren und Hotels finden sie sich noch, die Raucherecken. Freilich inzwischen ohne das Charisma der großen Freiheit. Der Raucher erscheint als Junkie.

Dass die soziale Stigmatisierung des Rauchens selbst in Eckkneipen gelingt, hätte ich nie gedacht. Aber es ist so. Ich erinnere mich noch an die Zeit als bei mir eine Reizkopplung wirkte und mit dem vermaledeiten Glas zu viel auch die Nikotinsucht erwachte. Hat sich irgendwie verloren. Das soziale Stigma ist in eine Verhaltensnorm umgesetzt. Haschisch wird stattdessen legalisiert, die Droge der ewig Albernen.

Wenn sich das bei den Grünen rumspricht, werden sie uns auch die Wurst nehmen und das Steak und wir werden uns ernähren wie die Kaninchen. Insofern ist es ein Trost, dass wenigstens die Ärzte das Venengift schätzen und brav noch immer rauchen.

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MANTA GRÜN.

Farbenlehre, daran hat sich schon Goethe versucht. Und ein Psychologe namens Lüscher, der Erfinder des gleichnamigen Tests. Verlässlich ist das nicht, was da über den menschlichen Charakter vermutet wird. Der Test ist eher der Opel-Manta der Psychologie. In der politischen Farbenlehre steht gerade schwarz-grün an.

Ich habe als Demoskop dieses Indianertalent: ich höre die herantragenden Gäule mit einem Ohr auf dem Prärieboden kommen. Der neue „mainstream“ bildet sich aus dem schwarzen und dem grünen Lager. Hier sind die merkelschen Mehrheiten der Mitte. Man richte den Blick nach Nordrhein-Westfalen und Hessen. Die dortigen Ministerpräsidenten sind die Köpfe dieser Zukunft.

Auch wenn die Nation noch nicht aufspringt, wenn jemand Boris Rhein sagt oder Hendrik Wüst; die Herren können den neuen Typus. Beide sind in den Wendungen und Windungen des politischen Geschäfts erfahren, aber das ist nicht ihr Geheimnis (und sie haben eines). Die Herren sind in Seele und Gemüt tiefschwarz, zeigen es aber nicht. Man verbirgt vor dem Wähler den konservativen Kern hinter einem freundlichen Gesicht. So geht „liberal“ auch ohne FDP.

Da waltet eine intelligente Doppelstrategie, die weiß, dass die eigenen Leute schon heraushören, was den Anderen nicht auf die Nase zu binden ist. CHRISTLICH seien sie, nicht konservativ oder rechts. Aber auch das ist nur eine Metapher des Unbestimmten. Offen antisemitische Töne passieren Herrn Rhein nicht mehr (hatten wir auch schon anders), so wie Herr Wüst Muslime zu schätzen weiß (ganz im Duktus von Türken-Armin Laschet).

Wer würde besser zur Gattung dieser Chamäleons passen als die Grünen? Sie schmeißen sich in Wiesbaden wie Düsseldorf ran. Das neue Schwarzgrün vereint dann die Stimmung im jüngeren Teil der Wähler mit der bei den älteren. So entsteht ein Klima fragloser Hegemonie. Und beide, der Boris wie der Hendrik, haben die Haare schön. Ideale Schwiegersöhne. Aus dem Holz schnitzt man Kennedys.

Was mir stinkt? Das Politische diskreditiert meine ästhetische Veranlagung. Denn eigentlich ist die Mischung des Grün mit einem schwarzen Grundton meine Lieblingsfarbe: RACING GREEN. So kamen besonders edle Sportwagen daher. Jetzt ist es die Rüsselsheimer Tönung des politischen korrekten Opel. Die Mitte der Manta-Fahrer. Bitter.

 

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MULTI KULTI.

Die Neue Rechte ist zwar eine reaktionäre Truppe, aber sie hat Humor. Ein Beispiel aus England. Ich höre dabei Kipling aus dem Grab lachen.

Am Fall der englischen Stadt Leicester (sprich: Lester) sehe man klar, dass Multikulti nicht funktioniere, sagt die amtierende britische Innenministerin Suella Breverman, der man zutraut Regierungschefin werden zu können. Das ist biografisch interessant.

Die Dame ist Einwanderungskind eines Inders, der aus Kenia kam, und einer Tamilin aus Mauritius, die sich in GB trafen und ihre Tochter Cassiana unter dem Familiennamen Fernández auf eine englische Schule schickten. Eine Kurzzeitehe mit einem Rael Breverman beschied die strebsame junge Frau später mit ihrem sprechenden Nachnamen („tapferer Mann“).

Wie kommt es zu dem synthetischen Vornamen Suella, den sie heute trägt? Nun, ihre Eltern liebten die amerikanische TV-Serie DALLAS und dort besonders die Gattin des Helden JR Ewing, eine Alkoholikerin namens Sue Ellen, was der Taufname von Cassiana Fernández wurde: Sue-Ellen. Jetzt heißt es: „Suella 4 leader“.

Das Vielvölkergemisch im englischen Leicester ist ihr lästig; sie will illegale Zuwanderer nach Ruanda, Afrika, deportiert wissen. Ihren Amtseid für das Kabinett Ihrer Majestät hat sie auf ein unaussprechliches indisches Kochbuch abgelegt; sie ist Buddhistin.

Zu all dem könnte ich in meiner Lieblingsrolle als JR etwas sagen. Aber da werden sich nur die Älteren unter uns erinnern. Ich sage daher in den Worten eines amerikanischen Zirkusdirektors: „Noch nie hat man ein Publikum verloren, indem man es unterfordert .“

 

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Statt der deutschen will ich die englische Leitkultur: Ich migriere!

Meine Herbstferien habe ich in London verbracht. Während ich den alten Koffer ausräume, räsoniere ich. Das ist, wenn mir kreuz und quer so allerlei durch den Kopf geht. Will ich in Deutschland mit Erika Steinbach und Horst Seehofer allein sein? Sie kennen doch die berühmte Frage: Wen würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen? Würde ich also in einem kleinen Paradies in der Südsee auf deutscher Leitkultur bestehen? Ach ja, das Leid mit der Leitkultur.

Da fallen mir Zeitungsausrisse aus einer englischen Tageszeitung in die Hand, die ich bei meinem London-Besuch in den Koffer gestopft hatte. Sie waren mir so wichtig, diese Dokumente einer anderen Welt, dass ich sie aufheben wollte. Jetzt halte ich sie wieder in Händen und in mir wächst der Entschluss: Ich werde auswandern! Ich migriere auf die Britischen Inseln. Drei Gründe reichen, um auch in Ihnen diesen Wunsch entstehen zu lassen. Erstens: Blitzer. Die neue britische Regierung (schwarz-gelb) hatte per Haushaltsbeschluss die Verfolgung von Temposündern durch die automatischen Blitzer abgeschafft. Noch stehen einzelne der unseligen Automaten, aber alle sind abgeschaltet und werden bald das Land nicht mehr verschandeln.

Diese Politik wurde so begründet: Es sei sinnvoller, an das Verantwortungsgefühl der Autofahrer und ihren „common sense“ zu glauben als an willkürliche Strafverfolgung und das Abkassieren. An die Stelle des Raubrittertums ist bei Unfallschwerpunkten eine Anzeige des gefahrenen Tempos getreten.

Jetzt hat man Erfahrungen, wo diese Einstellung hinführt: Die ersten Ergebnisse zeigen, dass die Anzahl und die Schwere der Unfälle gesunken sind. Ich halte den Zeitungsausriss in Händen und betrachte ihn wie eine Reliquie. Wem könnte man so etwas im Land von Armeegeneral Ramsauer an den Verstand bringen? Ich höre sie schon aufheulen, die Renault-Fahrer der Anti-Raser-Fraktion. Die Öko-Hedonisten stehen im Moment vor dem Stuttgarter Bahnhof und verhindern das ökologischste Verkehrssystem überhaupt. Warum, weiß kein Schwein. Deutschland als Hort des Irrationalen.

Zweiter Artikel aus meinem Koffer: Trotz aller Kampagnen von selbsternannten Umweltschützern zu Klimakatastrophen aller Art war das Vereinigte Königreich nie dichter und gesünder bewaldet als heutzutage, ist da zu lesen. Der Bewaldungsgrad entspricht dem von 1750, also den Zeiten vor der industriellen Revolution. Die Natur hat sich vom Smog des 19. Jahrhunderts erholt. Es geht ihr prächtig. Das wird dem englischen Zeitungsleser in ruhigen Worten vorgetragen, während in meinem Vaterland der Jesuit Geißler den Versuch moderiert, für eine Eisenbahnstrecke ein paar Parkbäume zu fällen.

Dritter Ausriss aus der Presse meiner neuen Heimat: Weil der Ausbau der stadtnahen Flughäfen von London an seine Grenzen stößt, will der Londoner Bürgermeister Boris Johnson in die Themsemündung zwei große künstliche Inseln bauen und darauf einen neuen Flughafen errichten mit insgesamt fünf Landebahnen und zwei Schnellzuganbindungen an die City. Die Boris-Islands würden zugleich als Flutbrecher wirken können und so die Hauptstadt vor Sturmfluten beschützen. Man kalkuliert im Moment etwa 40 Milliarden Pfund für das Projekt. Der gleiche Boris hat in London ein gewaltiges System von Leih-Fahrrädern aufgebaut, mit denen man blendend durch die Stadt kommt. Beide Projekte begeistern mich. Ich will in einem Land leben, das vom Auto auf’s Rad umsteigen kann und von einem miefigen innerstädtischen Flughafen mit zwei Bahnen auf eine gigantische Insellösung mit fünf. Begründung des Großprojektes: Man müsse darauf achten, dass man wettbewerbsfähig bleibe. Der Maßstab ist Singapur oder Hongkong oder Shanghai. Man wolle die Metropole der Metropolen bleiben. Da müsse die alte Tante Heathrow halt in Pension. Das ist meine Welt. Ich bin dann mal weg.

Quelle: starke-meinungen.de