Logbuch
GOTTES HUMOR.
Ob Gott wohl Humor hat, das ist eine riskante Spekulation für jene, die glauben den HERRN eines Tages wiederzusehen und sich dann im Rahmen eines JÜNGSTEN GERICHTES seinem Urteil stellen zu müssen, zumal wenn man ahnt, wie groß die Höllenqualen sind, die einem dann im PURGATORIUM bevorstehen können. Eine kühne Wette also.
Der selige HARRY HEINE aus Düsseldorf hat es ausprobiert. Er hat sein Verweilen in einem Pariser Bett, das ihn sieben Jahre gefesselt hatte, mit dem Spruch beendet: „Gott wird mir verzeihen, das ist schließlich sein Beruf.“ Auf französisch „son metier“.
Mutig, wenn man bedenkt, dass ihn eine im Bordell erworbene Syphilis in der MATRATZENGRUFT festgehalten hatte. Doppelt mutig, wenn man weiß, dass er konvertierter Jude war, also womöglich vor zwei HERREN muss. Auf der anderen Seite, er war, so vermute ich, Atheist (Agnostiker, glaube ich). Führt mich zu der Frage, wie viele Höllen es wohl gibt. Muss ich befürchten, dann da auf der Büßerbank neben rheinischen Katholiken oder gar schwäbischen Pietisten, also den gänzlich Humorlosen, zu sitzen? Kann ich den Numerus Clausus für den Himmel noch mal sehen?
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FLOHMARKT-REGEL.
Der amerikanische Präsident George W. Bush, nicht die hellste Kerze auf der Torte, hat im Jahr 2003 eine militärische Invasion des Iraks angeführt, bei der ihm die Engländer unter dem Premierminister Tony Blair gefolgt sind, Deutschland aber nicht. Bundeskanzler Gerhard Schröder und sein Außenminister Joschka Fischer waren vom Kriegsgrund nicht überzeugt. Der Kriegsgrund, bei den Alten CASUS BELLI genannt, im Englischen WAR CASE, der war schlecht erdacht. Eine dümmliche Lüge.
Ich höre Joschka noch in München im Bayrischen Hof, wie er dem amerikanischen Kriegsminister Donald Rumsfeld ins Gesicht sagte: „I am not convinced!“ Das hat mir damals sehr imponiert. Den Mut hatten Colin Powell und Condi Rice nicht, der übrigens bei mir um die Ecke am Spreeufer eine ganze Häuserzeile gehört. Aber das ist eine andere Geschichte, wie Kipling sagt.
Bush hatte in einem Akt der Selbstüberredung den irakischen Diktator als „bösen Typen“ identifiziert, den er killen müsse, und ihm durch die Desinformationstruppe der CIA unterstellen lassen, dass er über Massenvernichtungswaffen verfüge und enge Verbindungen zu islamistischen Terroristen,sprich Al Quaida, habe. Ein Unsinn. Saddam Hussein war ein säkularer Sunnit. Ein Land zerbrach also im Chaos. Es starben mindestens 200.000 Zivilisten und knapp 5000 Militärs; die ersten auf irakischer Seite, die zweiten auf Seiten der Invasoren. Ein Desaster.
Das britische Militär soll sich, entnahm ich neulich einer englischen Quelle, dabei dramatisch blamiert haben. Auf ihre Nordirland-Erfahrung verweisend haben die Herren in Khaki sich im Irak als überfordert erwiesen; nicht mal Befragungen unter Zwang, vulgo Foltermethoden, haben es ermöglicht, eine Besatzungsordnung zu errrichten. Man floh bei Nacht und Nebel unter amerikanischem Schutz. Und Toni Blair hat, out of office, über die Kanzlei seiner Frau jedwedem Despoten der Region als Berater gedient, sagen seine Feinde.
Warum hat man Bush nicht von Anfang an von diesem Irrsinn abgehalten? Der Präsident war zwar für sich sehr entschieden, sagen Zeitzeugen, aber eben auch extrem leichtgläubig. Das hätte klappen können. Er war bekanntermaßen zwar einsinnig, litt aber unter einem „utter lack of inquisitiveness“ (Robert Draper), das ist die Unfähgikeit, kluge Fragen zu stellen, oder dumme. Jedenfalls nachzufragen.
Außenminister Colin Powell hatte, lese ich bei Robert Draper, dazu diese Regel aus dem Scheunenbazar mit antikem Porzellan („Pottery Barn Rule“): Wer es zerbricht, der hat es damit gekauft. You break it, you own it. Aber so vordergründig kann doch Weltgeschichte nicht sein. Aber was weiß ich schon.
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GENERATION FUCK OFF.
Ich habe zur laufenden Pandemie keine Meinung, die ich äußern möchte. Vielleicht mit einer Ausnahme.
Wir haben es zugelassen, dass so priorisiert wurde, dass der VIERTEN GENERATION die erste Impfwelle zustand. Nennen wir sie die 90jährigen. Die DRITTE ist inzwischen wohl auch geimpft, die 60jährigen. Die Last der Heimarbeit und des Schulversagens hat zu einem guten Teil die ZWEITE getragen, die 30jährigen. Das Impfen ist aber nur ein Thema von tausenden. Fundamental falsche Prioritäten.
Ja, die ERSTE GENERATION. Den Jüngeren in Kitas, Schulen und Hochschulen haben wir den Mittelfinger gezeigt, bis heute, ich fürchte, bis übermorgen. Es mag sein, dass die Gesundheitspolitiker in der Pandemie einen ganz guten Job gemacht haben; für die Bildungspolitiker gilt das nicht, nicht mal in Ansätzen. Das wird sich hoffentlich nicht als HISTORISCHE SCHULD erweisen. Wohl ist mir dabei nicht.
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Wessen Staatsoberhaupt?
Fußball interessiert mich nicht. Ich habe von Sport keine Ahnung. Und Fan-Kulturen sind mir völlig fremd. Es hat mich zwar mal eine Edelfeder in einem Zeitungskommentar „Hooligan“ genannt, aber das war wohl nicht wegen meines Sportsgeistes, sondern wegen meiner schlechten Manieren.
Ich stehe fassungslos vor Menschen, die sich darüber unterhalten, ob sie für die Borussen sind oder für die Bayern und das für ein Thema halten. Mich ergreift nicht mal Hochgefühl, wenn, knister-knaster, Deutschland gegen England spielt.
Meine einzigen näheren Begegnungen mit dem Fußball bestanden darin, dass ich mich mit einem afrikanischen Spieler beschäftigen musste, der den Kindersklavenhandel, der seiner Familie in Afrika nachgesagt wurde, für einen legitimen Teil seiner kulturellen Tradition hielt und gleichwohl gerne in Wolfsburg auf den Platz gelaufen wäre. Das war mir nicht recht. Was ich dann an Spielervermittlern, Anwälten und sonstigen Geschäftemachern des Sports erlebt habe, roch für mich nach einer hochorganisierten Halbwelt. Jedenfalls bin ich kein Fan.
Für mich möge der Bessere gewinnen, egal, woher er kommt. Vieles mutet bei den regionalen Clubs wie den Nationalmannschaften ohnehin an wie das Auftreten von international zusammengekauften Söldnerheeren, die ein re-nationalisiertes TV-Event abziehen. Eine globale Akrobatengruppe, die sich weiße oder rote T-Shirts überzieht, um wie Deutsche oder Türken auszusehen. Und das Tor für Deutschland schießt dann ein gebürtiger Pole. Was für eine Kasperei! Kurzum: Man kann nicht desinteressierter an der EM-Qualifikation sein als der Autor dieser Zeilen.
Und doch stutze ich jetzt, den Fernseher in meiner Stammkneipe hörend. Da buht der Mob auf den Rängen einen Spieler bei bloßem Ballbesitz aus, einen netten Jungen mit der Trikotnummer Acht, den die notorisch frechen Berliner am Tresen „Fischauge“ nennen. Der junge Mann stammt von Zuwanderern aus der Türkei ab, ist hier in meiner Heimat aufgewachsen und hat einen deutschen Pass; sein Religionsbekenntnis interessiert mich nicht, weil in diesem Land jeder nach seiner Facon selig werden darf.
Unser Staatsoberhaupt wird dort wohl dienstlich gewesen sein, als Präsident meines Landes, mein Staatsoberhaupt.
Und was tragen die beiden Staatsschauspieler? Jeder einen Fan-Schal, der zur einen Hälfte die deutschen Mannschaft preist und auf der anderen die türkische. Die politische Pose sagt: Beim Spiel Deutschland gegen Türkei ist man für beide; das soll mir jetzt was sagen; irgendwas Anti-Sarrazinisches.
Ich bin nachhaltig empört, über beide Schals, weil ich es nicht liebe, wenn Politik mich verarscht. Bei Erdogan bin ich sauer, weil er eine Islamisierung der Türkei betreibt, die einen ehedem modernen Staat wieder in die vormodernen Gefilde des Gottes-Staates zurückführt. Erdogan sorgt dafür, dass die Türkei nicht in die Europäische Gemeinschaft aufgenommen werden kann; er steht für einen politisierten reaktionären Islamismus, der, wenn ich ihn als politische Programmatik ernst nehme, nach Faschismus riecht. Ich will an dem Mann keine deutsche Fahne sehen.
Und der Amtsinhaber Wulff, der Softie im höchsten Amt meines Staates, setzt auf Multi-Kulti („Der Islam gehört zu Deutschland!“). Ich will an meinem Präsidenten keine türkische Fahne sehen, wenn er neben Herrn Erdogan steht.
Wir müssen, habe ich von einem klugen Professor in der letzten Woche gelesen, unsere Freiheit, die ganz wesentlich auf der Trennung von Staat und Religion beruht, mit Klauen und Zähnen verteidigen; wer meine Frau und meine Tochter dem Sachrecht zuweisen will, darf auf meine Fan-Zuneigung nicht rechnen. Und auch nicht auf die Unterwürfigkeit des Staatsoberhauptes. Es gilt ausschließlich das Grundgesetz, nicht die Scharia, Herr Wulff; nicht die Hälfte vom Grundgesetz und die andere Hälfte aus der Scharia!
Ich verlange, dass Sie klar Flagge zeigen. Dafür sitzen Sie im Schloss Bellevue, nicht für das Wischi-Waschi einer islamisch-jüdisch-christlichen Bundesrepublik mit flexibler Leitkultur und Menschenrechten auf Abruf. Entscheiden Sie sich, wessen Bundespräsident Sie sein wollen! Und für diese klare politische Logik, da bietet der Sport doch das ideale Verständnis. Deutsche und Türken sind Gegner in einem fairen Spiel. Gegner, nicht Feinde.
Aber diese billige und effekthaschende Abstauberei des konfliktscheuen und leisetreterischen Herrn Wulff, offensichtlich ein Warmduscher in Fragen des Patriotismus, die widert mich an. Bei Amtsantritt habe ich die Befürchtung geäußert, dass dieser Präsident in die Heinrich-Lübke-Galaxie eintauchen wird. Das werde ich noch bereuen, denn Lübke war ein älterer Herr, frei von jeder Ambition, Wulff hat noch was vor. Erschreckt frage ich mich: In wessen Namen?
Quelle: starke-meinungen.de