Logbuch
COUSINEN KULTUR.
Es gibt Leistungsträger und Anspruchsträger. Das eine sind die Köpfe, da andere die Ärsche der Parteien. Auch die Hinterteile wollen ein Beamtenkissen. Das gilt für alle Parteien.
Die Übernahme des Bundeswirtschaftsministeriums durch die Grünen hat dazu geführt, sagt mir BILD, dass alle Leitungsebenen mit der Nachhut des Ministers besetzt wurden.
Vetternwirtschaft. Wo Cousins und Cousinen nicht reichten, waren dann auch noch Trauzeugen dran. Ein Clan richtet sich also ein im Staat. Ist dies als Kritik an den Grünen lauter?
Gedankenspiel. Diese Sichtweise wäre natürlich berechtigt, wenn die FAMILIE aus der “Atom-Mafia“ stammte. Oder einem Wirtschaftszweig angehörten, der mit Kohle, Öl oder Gas zu tun hätte. Die geheimnisumwitterten FOSSIS.
Aber bei den ERNEUERBAREN sei das etwas anderes. Das sind doch die Guten. Die VETTERN im Wirtschaftsministerium wie die COUSINEN im Ministerium des Äußeren seien vom Fach und zwar dem richtigen, lese ich zur Verteidigung der Postenschieberei auf Twitter.
In der Parteiendemokratie wird im Proporz der Koalitionäre der Staat immer zur Beute der jeweiligen Entourage, die dann dort, wegen der Remanenz des Beamtenapparats, auch Regimewechsel überlebt und so den öffentlichen Dienst allmählich zum Spiegel der minderbegabten Gesellschaft werden lässt. Die Köpfe gehen, die auf den Kissen Sitzenden bleiben.
Darum sind häufige Machtwechsel so wichtig. Klar? Nur so hat jede Partei eine Chance all ihre Anspruchsträger auf die Kissen zu kriegen. Dass der öffentliche Dienst dabei immer breiter wird, ist leider unvermeidlich. Eine Nation der nachgelassenen Kissenpuper.
Das ist die eigentliche Klientelpolitik.
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WISSENSCHAFT.
Lese mal wieder was Akademisches aus meinem Fach. Zugegeben die modischeren Themen, die dem Zeitgeist hinterher hecheln. Viel dünnes Zeug, auch richtig dummes.
Das meiste kommt in Pigeon-Englisch daher: Liedership, Diversity, Dschendern, Agilität, Resilienz. Und immer gilt: Sie sagen „Sprache“, meinen aber „Sprechen“. So wie sie „Klima“ sagen und „Wetter“ meinen.
Es ist wie in der Zimmerei: Man sieht, wie sie den Hammer halten und weiß, ob der Nagel krumm wird. Meine Frau Mutter hat als Zahnarzthelferin („MFA“) gearbeitet und schon bei der bloßen Ansicht bestimmter Backenzähne das OP-Besteck bereitgelegt; weil sie wusste, dass der Doc den nicht heil, sprich ganz, herauskriegt.
Ein von mir sehr geschätzter Werksarzt hat mir mal gesagt, er sähe an der Art, wie die Patienten den Raum betreten, was die haben; und der Mann war ein Heiler, er hat in meinem Beisein mal einen Verstorbenen zurückgeholt.
Während ich die modischen Gelehrsamkeiten durchblättere und die Kunst des Feuilletons studiere, auf einer Glatze Locken zu drehen, frage ich mich, von welchem Studium ich am meisten gelernt habe. Soweit man das überhaupt selbst sagen kann.
Kybernetik. Das ist, wenn man weiß, was in einem System eine Struktur ist und was eine Funktion. Oder was Wetter ist und was Klima. Mit diesen Fragen könnte man heute ganze Lehrkörper entvölkern. Und natürlich plaudere ich hier die Lösung nicht aus.
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TATTERGREIS.
Die Wiederwahl des Rechtspopulisten Donald Trump als Präsident unserer Hegemonialmacht soll ein älterer Herr verhindern, der, wie ich, nicht mehr ganz trittfest ist. Nicht Euer Ernst, liebe Demokraten.
Stammesälteste nannte der unsägliche Karl May die Anführer der Rothäute, die man für Indianer hielt. Ob dieses SENIORITÄTSPRINZIP wirklich herrschte, wissen wir nicht. Meinen Herrn Vater hat der weiße Manitou fast 100 werden lassen, bevor er verunglückte, aber er hätte sich nicht zugemutet, in Verantwortung noch jene Schwächen zu besiegen, die die Altersdemenz ihm zumuteten. Er wusste darum und klagte: „Ich habe keine Speicher mehr!“ Ein kluger Mann.
Nennen wir die Generation Joe Biden Ü80. Der erste Kanzler der Bundesrepublik, der senile Konrad Adenauer, war deutlich Ü80, als er zum dritten Mal wiedergewählt wurde; ich zweifle, dass man als Ü70 noch an die Spitze treten sollte; als Ü80 ist das absurd. Das kann man einsehen, ohne einen abgebrochenen Studenten (Ü20 bis Ü30) als hinreichend erfahren betrachten zu müssen.
Alter ist kein Verdienst. Aber einen Baum gepflanzt, Kinder großgezogen, Anstand gezeigt zu haben. Man erlaube mir eine biografische Arabeske. Ich war Ü10 unsportlich und wasserscheu; trotzdem legte ich eine Prüfung ab, die „Frei- und Fahrtenschwimmer“ hieß. Weil man Ü20 nicht als Bleiente fristet. Weil man frei sein wollte und auf große Fahrt gehen. Da musste man halt durch. Disziplin.
Und bei meinem Bildungsgang ist man Ü30 promoviert. Diese „scheinfreien“ Vor-Karrieren von Ricarda Lang und Kevin Kühnert irritieren mich. Man hängt nicht zwei Jahrzehnte ohne Abschluss an der Uni rum; nicht mit anschließendem Führungsanspruch. Wohlgemerkt, jeder Lebensweg ist mir recht, der Mensch ist aus krummem Holz, aber nur Arbeit adelt.
Und was ist nun mit Ü80? Klare Antwort: Waldorf & Statler.
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Die Dinner Party von abgehalfterten Politikern beim ZDF
Das ZDF ist ein Kombinat. Und Wandlitz will das Sagen haben. Das wissen wir jetzt, Roland Koch sei dank.
Um das Zweite Deutsche Fernsehen tobt eine öffentliche Debatte, die die Gemüter erhitzt. Auslöser ist nicht das TV-Programm, dessen Kernzielgruppe (Durchschnittsalter 70) ohnehin bereits aus dem Altersheim zuschaut.
Hier erregt nichts, weil es nichts Erregendes gibt. Wer jemals den Geist des Ortes am Sitz der Anstalt in Mainz-Lerchenberg geatmet hat, weiß, warum der Vergleich mit einem Kombinat polemisch angemessen ist: Ein Staat im Staate hat sich hier etabliert, dessen Beamte aus gutgepolsterten Sesseln auf die Holzbänke der freien Medienrepublik herabblicken. Darum gebaut ist eine Landschaft von festen Freien für die wirkliche Arbeit.
Wer den ausgeschiedenen und den amtierenden ZDF-Intendanten jemals mit Wagnerschem Mantel hat durch die Menge schweben sehen, weiß, was Mediokratie ist. Jetzt geht es um den Einfluss der Politik auf das Haus, das Konrad Adenauer einst als Alternative zu dem linken Sumpf namens ARD gegründet hat.
Eine von dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch organisierte Mehrheit von Unionspolitikern will den Chefredakteur Nikolaus Brender abgelöst wissen, früher oder später. Man bezichtigt ihn aus der Union der Zivilcourage und professionellen Arbeitens ohne Ansehen der Person. Das führt reflexartig zum Aufheulen des Intendanten-Hofstaats und aller Kombinatsmitarbeiter und mühsam organisierter Hilfstruppen, weil damit die „Staatsferne“ des Rundfunks gefährdet sei. Dies ist eine hohe Zeit der Krokodilstränen und der Pharisäersprüche. Man wird einiges unterscheiden müssen, will man den Kopf aus dem liberal gestimmten Empörungssumpf stecken.
Man muss nicht Hegel gelesen haben oder Preuße sein, um zu ahnen, dass das Geplärre der kleinen Seelen in den immer kleineren Parteien alles sein mag, aber nicht der Staat. Das ZDF wird, sagen auch unverdächtige Insider wie Claus Kleber, von „parteipolitischen Seilschaften“ bedroht, aber nicht von staatlichem Handeln. Die Legitimation der Heckenschützen des Roland Koch ist weit geringer, als angenommen wird.
Zweitens: Das ZDF finanziert sich aus Zwangsgebühren, die es über die GEZ in rüder und obrigkeitsstaatlicher Manier bei uns einzieht, ob wir uns das Langweilerprogramm aus Mainz ansehen oder nicht. Derart durch quasi-staatliche Macht privilegiert, soll es durch einen Verwaltungsrat beaufsichtigt werden, der diese institutionelle Macht legitimieren soll.
Das ist nach meinem staatsrechtlichen Verständnis nicht eine Dinner Party abgehalfterter Politiker, sondern eine hoheitliche Behörde, sagen wir, besetzt mit Richtern oder Philosophen, jedenfalls Beamten. Wer aber sitzt dort? Franz Maget, Christine Bergmann, Edmund Stoiber, Dietmar Bartsch, David McAllister, Laurenz Meyer…eine bunte Schar zweit- und drittrangiger Parteisoldaten, deren staatliche Qualität nicht erkennbar ist, weil sie gar keine Ämter innehaben, die sie als Staatsdiener ausweisen können. Erneut weht der Ludergeruch parteipolitischer Geschaftlhuberei.
Drittens: Ein stattliches Quorum von 35 deutschen Staatsrechtlern bemängelt folgerichtig den Fall Brender als den Versuch, „den Einfluss der Parteipolitik zu stärken“. Dabei weiß man, dass die bunte Mischung ohnehin nicht verfassungsgemäß ist; was Roland Koch dreist öffentlich eingesteht. Aber man will dem ZDF-Intendanten Markus Schächter, eigentlich ein Parvenu mit erstaunlicher diplomatischer Gelenkigkeit, der hier unerwartet Versteifungen bis an den Rand eines eigenen Willens erkennen ließ, den Rücken stärken. Denn er hat in der Vergangenheit dafür Sorge getragen, dass Einflussnahmen nicht öffentlich wurden, vulgo: die Unabhängigkeit des Senders gewahrt. Demokratietheoretisch ist aber der offene Eklat der verdeckten Einflussnahme vorzuziehen.
Viertens: Wenn der Rundfunk staatsfern sein soll, dann gilt dieser Abstand allemal für die Parteien. Sie schicken sich immer öfter und immer dreister an, den Staat zu ihrer Beute zu machen. Das ist das generelle Problem, das hier aufscheint. Liberales Denken handelt aber von den Grenzen des Staates, nicht von einer freiheitlich gestimmten Allgegenwart.
Fünftens: Die ARD-Anstalten sind nicht besser. Auch ein Überflug von Hamburg Lokstedt zeigt ein Kombinat, den NDR. Die Existenzberechtigung des öffentlich rechtlichen Rundfunks liegt in den besonderen Möglichkeiten eines Qualitätsjournalismus jenseits der Quote, der Parteipolitik und der Werbewirtschaft. Ich kenne niemanden, der diesen Gedanken in den Anstalten wirklich wirken sieht. Wäre man radikal, würde man die Zwangsbewirtschaftung an diese publizistische Qualität binden. Für ein RTL III ,und sei es von Herrn Schächter und seinem Major Domus Kurt Beck, gebe ich die Gebühren nicht her.
Siebtens: All diese Fragen stellen sich nicht mehr im Internet, in dem niemand mehr Herr und niemand mehr Knecht ist. Sagen dessen euphorische Freunde, die allzeit grundnaiven Blogger. Worüber sich Google totlacht. Für die dezentral privaten Nutzer des Webs gilt, dass nicht alle frei sind, die ihrer Ketten spotten.
Achtens: Die Meinungsfreiheit hängt an der relativen Freiheit von Redaktionen, nicht prinzipiell an dieser oder jener ökonomischen oder politischen Verfassung von Medien, solange diese in einem Wettbewerb auch um Reputation, sprich vertrauenswürdige Inhalte, stehen. Das Wesen von Presse in einer aufgeklärten Gesellschaft ist einerseits Verlegermacht, private oder staatliche, andererseits aber Redaktionsfreiheit.
Um diese relative Freiheit des Journalisten gegenüber seinem Verleger geht die Auseinandersetzung. Da gibt es Freunde großer Freiheiten und Gegner, weil es unterschiedliche Entwürfe von Freiheit gibt. Koch sei dank kann das jetzt jeder wissen.
Quelle: starke-meinungen.de