Logbuch
BOMBENSTORY.
Das amerikanische Recht lässt in manchen Gerichten wohl eine TV-Übertragung zu, was nicht unproblematisch ist, aber authentische Einblicke gewähren kann. Mich ergreift daraus die kurze Szene, in der die Richterin Mindy S. Glazer in dem Delinquenten Arthur Booth einen Klassenkameraden wiedererkennt. Und dann er sie.
Sie erinnert in einfachen Worten daran, dass man auf der Mittelschule Fußball zusammen gespielt habe. Der Straftäter sei das netteste Kind gewesen und die anderen Kids hätten zu ihm aufgeblickt. Sie habe sich immer gefragt, was aus ihm wohl geworden sei. Erst auf Erinnerung erkennt der drogensüchtige Einbrecher auf dem Richterstuhl seine alte Klassenkameradin und bricht in Tränen aus.
Eine kleine Szene, die eine ganze Tragödie in sich birgt. Zwei Biografien blättern sich auf, von der Juristin, die es geschafft hat in die Robe zu kommen, und dem schwarzen Getto-Kid, das ins Milieu abrutschte. Dann nach dreißig Jahren das unverhoffte Wiedersehen. Mitleid und Reue. Eine Gesellschaft erlaubt einen Blick in ihr Innenleben.
Friedrich Schiller hätte daraus eine Tragödie, zumindest aber eine Geschichte vom Verbrecher aus verlorener Ehre gemacht. Mich erinnert es an einen Kitschroman, die „Love Story“ des Erich Segal, über den ich vor fünfzig Jahren mal was publiziert habe. Der Roman wärmte Schillers „Kabale und Liebe“ auf. Es ging um klassenübergreifende Liebe.
Stoffe, aus denen die Träume sind. Episoden, die ganze Leben spiegeln. Ein kleiner Teil, der das Ganze zeigt. Gute Geschichten eben. Ein wenig Kitsch gehört dazu. Wir sind zur Rührung begabte Wesen.
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DER BAUM.
„Sollte ich ihm mit einem Worte treffen, so wäre er erhaben zu nennen. Gut zwei Generationen steht er da und lässt sich Zeit. Einen ganzen Jahreslauf nutzt er für neue Höhe und ein wenig mehr Umfang, Jahresring um Jahresring. Hektik ist ihm fremd.
Ein Menschenleben weiter wird sein Stamm nicht mehr mit Armen zu umfassen sein. Das ist seine Stattlichkeit. Seine Pracht aber bildet die Krone, ein Universum an Ästen und Blättern, deren Fläche in Summe den halben Garten zu bedecken wüsste. Das stünde als Wand keinem Sturm stand, darum lässt er ihn durchrauschen, den Wind. Ihm geht es nur um die Sonne, der er hundertfach einfängt.
Von seinen Früchten zu sprechen, wäre profan; das überlassen wir den Bauern. Während wir auf der Rasenbank ihm gegenüber hocken, Bein über Bein, fasziniert etwas anderes. Er ist zweiköpfig, dem Gotte Janus gleich. Dem gewaltigen Haupt, das er stolz gegen den Himmel streckt, entspricht nicht minder groß ein Wurzelwerk, das ihm Stand gibt und der Erde das Wasser raubt. Der Baum spannt seine bescheidene Pracht zwischen der dunklen Hölle unter und dem Lichte über uns.
Jetzt ruht er eine Zeit, von Schnee bedeckt, bald aber weiß er wieder Vögel auf seinen Ästen, die nach den ersten Knospen schauen.“
(Lampazzi Vagabundus, Aus dem Schatzkästlein des kunstliebenden Klosterbruders, 1748)
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KANZLERSCHELTE.
Der Oppositionsführer im deutschen Bundestag hat den Kanzler kritisiert; das ist seine Aufgabe. Dabei kommt es zu mindestens zwei Selbsttoren. Friedrich Merz ist ohne Geschick.
Olaf Scholz sei kein großer Politiker der SPD wie Brandt, Schmidt und Schröder vor ihm; die Schuhe, in denen er stolpere, halt zu groß. Sagt Merz. Ich stelle zunächst mit Befriedigung fest, dass Gerd Schröder zu den großen Kanzlern gehört: Das finde ich nämlich auch. Wenn das das Gardemaß ist, dann vermessen wir jetzt Friedrich Merz.
Hat der Mann die Statur von Adenauer, Kohl und Merkel? Wohl kaum. Ein verquerer Zauderer, dem linkischen Habitus verfallen. Keine Größe, es fehlt an Gravitas. Das ist also das erste Eigentor. Dann sucht er den Scholzomaten abzuwerten, indem er ihn einen „Klempner der Macht“ nennt. Das zweite Eigentor. Man schmälere nicht das ehrliche Handwerk. Ein Meister ist ein Meister, auch wenn er im Sanitären unterwegs ist. Was bildet sich dieser Anwaltspinsel ein?
Dem Vaterland ist zu wünschen, dass Quax, der Bruchpilot aus Brilon, nicht Kanzler werden muss; das ginge ja mit den Stimmen von Union und AfD. Dieser Hagestolz kann das nicht. Da hatte Merkel einfach recht, die ihn am ausgestreckten Arm verhungern ließ, den Fritze.
Merz persönlich ist zu wünschen, dass, so im heimischen Brilon ein Rohr verstopft, sich der herbeigerufene Meister nicht an den Spruch über Klempner erinnert und wieder geht. Dann könnte es sehr bald schwierig werden mit „Rohr frei - immer dabei!“ Denn dann müssen die Nougatbohrer ran.
Sagen wir es offen: Merz ist ein Trottel.
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AUFRUF ZUR ALLGEMEIN ENTSPANNUNG.
Ich habe noch keine Drahtnachricht aus der Reichshauptstadt. Es könnte aber sein, dass sie ein Raub der Flammen geworden ist. Schließlich war gestern Silvester, wo das Gewaltmonopol des Staates aufgehoben ist und die Ghettos an die Gewehre dürfen. Pyro ist angesagt. Das verbreitete Feuerwerk ist immer eine besondere Herausforderung für die FEUERWEHR.
Diese Braven der Feuerwache hätte man gestern aber nicht erreichen können, da der Notruf 112 ausgefallen war. Das teilt mir, der ich über die Feiertage in die Wälder geflohen, eine bundesweite Warn-App namens NINA mit. Der erste Schrecken darüber, dass meine Freunde von der Vigili del Fuoco nicht erreichbar sind, legt sich mit der Mitteilung von NINA, dass es in Berlin ohnehin kein Löschwasser gäbe.
Im Wedding hat die Seestraße ihrem Namen alle Ehre machen wollen und den Asphalt in einen Teich verwandelt. Der Rohrbruch war gewaltig, so dass der Wasserdruck insgesamt dramatisch abfiel, so dass zumindest der Norden der Metropole trocken fiel. Dunkelflaute am Hahn.
Spannungsabfall ist offensichtlich in allen Netzen ein Problem, jedenfalls bei Strom, Wasser und Erektionen. Beim Strom, entschuldige Robert, dass ich das erwähne, kommt noch hinzu, dass nicht nur Stromstärke und Spannung eine Rolle spielen, sondern auch die Frequenz; man hätte schon gern 50 Hertz. Aber das gleitet schon wieder ins Sachliche ab. Damit ist Streit nahe. Genau dem soll hier aber ein Veto erteilt werden.
Ich plädiere im Neuen Jahr für eine allgemeine Entspannung. Statt die Volksseele mit syrischem CAPTAGON zu fluten, bin ich für eine freie Abgabe von VALIUM, die berühmte „Rosa Brille“ (in der DDR als FAUSTAN bekannt). Die Pille zur allgemeinen Entspannung. Wir haben allerdings aus der Corona-Epidemie gelernt, dass eine Abgabe durch Spritzen („Impfung“) nur zu Paniken führt, weil man nicht gepiekst werden will (lieber ersticken). Und die Pille nehmen, das kann ja vergessen werden; man weiß, was ich meine.
Ich rate deshalb dazu, von der zwangsweisen Anreicherung des Speisesalz (Natriumchlorid) mit Jod (Iodat) zu lernen; in manchen Gegenden zusätzlich mit Fluorid. Man hat dann weniger Kröpfe und bessere Zähne. Dass dramatisch schlechte Gebiss von Karl Lauterbach ist hier kein Argument, da er nicht bürstet und sich salzfrei ernährt. Aber doch ein Hinweis epidemiologischer Art: Man wird das VALIUM verdeckter verabreichen müssen. Etwa durch heimliche Zugabe zum Leitungswasser.
So kann 2025 ein entspanntes Jahr werden. Auch wenn das sprichwörtliche Rom niederbrennt, werden wir halt am Löschwasser nippen, wenn es denn welches gibt.