Logbuch
DIESEL.
Der Einzelhandel mit den größten Preisschildern? Tankstellen. Und immer mit den strammsten Preisen. Die Öl-Konzerne bitten zur Kasse. Wir werden gleich mehrfach verarscht.
Die Preise richten sich nicht nach den Kosten. Was die BP & EXXON & SHELL interessiert, ist eine fiktive Größe. Die Herrschaften kalkulieren nach „Wiederbeschaffungskosten“ und das auch noch an solchen für kleine Händler, also einem referenzierten Börsenwert, der für sie gar keine Realität hat (Spotmarkt cif ARA). Demgegenüber haben die großen Konzerne mit eigenen Quellen und Raffinerien gewaltige Gewinnmargen. Was uns Verbraucher aber nix angeht.
Dann kommt das Gesetz von HASE & IGEL. Rauf gehen die Preise ganz flink, schnell wie der Rennhase. Speedy Gonzales. Wenn die Einstandspreise aber fallen, dann lassen wir uns Zeit; wir schlendern gemütlich wie der krummbeinige Igel. Hurtig rauf, gemächlich runter. Allein mit diesem Delta lassen sich gewaltige Gewinne machen. Das alles geht, weil im Oligopol der Anbieter, bei den Multis, niemand ausbricht. Monopolgewinne.
Im Wärmemarkt (Wohnungen beheizen) hat das Erdgas es verstanden, sich an die Preise für den Konkurrenten Heizöl zu koppeln, ein sehr auskömmlicher Windschatten. Und die Strompreise? Tja, da werden die Tesla-Deppen noch viel zu lernen kriegen, wie das so geht, wenn man mit der schwachen Schüssel an die Säule muss. Ich habe für Kohle, Strom, Öl und Gas gearbeitet und weiß ziemlich gut, wie man einen „Retailmarkt auscasht“; so der Jargon.
Das alles ist aber nur die eine Hälfte der Wahrheit. Die andere ist: 50% vom Tankstellenpreis sind Steuern. Jüngst erhöht mit einer Öko-Ausrede. Und die GRÜNEN feixen schon: Es können auch 3 € pro Liter werden. Lenkungswirkung erwünscht. Weil wir ja die letzte Generation vor der Apokalypse sind.
Warum russisches Erdgas aus Rohren böse, aber texanisches Fracking-Gas als Flüssiggas aus Riesentankern (LNG) gut, das kriegen wir später. Auch den militärischen Teil des Arguments. Ich muss gleich von Berlin nach Tübingen und heute Nachmittag zurück. Ich fahr jetzt zu JET und lege für 80 l DK (Dieselkraftstoff) 160€ hin, wenn das reicht. Das gibt mir eine Reichweite von deutlich mehr als 1000 km; dafür müsste ich mit dem Tesla allerdings dreimal an die Ladesäule. Also irgendwo übernachten. Aber auch das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
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MENU. NIE DAS.
Der wahre Kenner erweist sich dadurch, dass er nie das Menu nimmt. Immer a la carte. Und dann jedes Gericht verschlimmbessert. So geht KULINARISTIK.
Wenn der Kellner eine Speise empfiehlt, dann hat der Koch ihm zuvor gesagt, dass das Gericht jetzt weg muss. Zum Beispiel, weil der Fisch schon stinkt oder die Austern von Vorgestern sind. Die naive Frage des Gastes „Was können Sie empfehlen?“ klingt in den Ohren des Obers so: „Was muss weg?“
Wir tauchen in die umfängliche Speisekarte ein und stellen uns selbst etwas zusammen. Das macht schon einen guten Eindruck. Zum Restaurantkritiker wird man aber erst, wenn man auch noch die Komposition der Gerichte selbst ändert. „Kann ich bitte zu dem Saibling das Gemüse vom dem Wild haben?“ Oder: „Ich habe eine Koreanderallegie!“
Niemals eine Weinempfehlung akzeptieren. Sie drehen einem immer nur überteuerte Exotentröpfchen an. Ich sage nur Kröver Nacktarsch oder Blaue Nonne. In der Weinkarte umständlich suchen und sich den Unterschied zwischen Bordeaux und Bordell erklären lassen. Dann ein Jever Alkoholfrei nehmen. Und die Dame ein Schweppes Bitterlemon. Wohlbekomms.
Ach so, Speisenfolge ändern! Immer. Man nimmt erst das Dessert, dann den Käse, nicht anders herum, weil ja „Käse den Magen verschließt“, eh klar. Wenn das Brot, das die Vorspeise begleitet, kostenlos ist, bitte mehrfach nachbestellen, weil man so eine Grundlage für den Alkohol schaffen kann. Beim Türken schließlich nach einem Ouzo auf‘s Haus fragen.
Ich spreche, wie immer, aus Erfahrung. Ich werde nie die Frage des Notarztes vergessen, der mich morgens um 4 in meiner Berliner Wohnung an den Tropf legte, nachdem ich mir die Austern eine Nacht lang durch den Kopf hatte gehen lassen, und zwar als erstes, sofort, als er mit Sani die Wohnung betrat: „Na, wo waren wir denn? Bei Timm Raue oder im Grill Royal?“ Ich war sein fünfter Notfall in der Nacht. Wegen Menu. Alles klar?
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GETRENNT BITTE.
Wer zahlt im Restaurant die Rechnung? Der Herr lädt ein, die Dame dankt? Sie zahlt? Oder teilt man das? Geschlechterrollenspiel? Nein, Gastfreundschaft.
Wenn ich jemanden zum Essen einlade, dann zahle ich. Egal, ob Huhn oder Hahn. Also der Gast, nicht das Gericht. Und ich gebe großzügig Trinkgeld. Immer. Außer ich habe mich über das Mahl oder den Service regelrecht geärgert. Dann eben kein Tipp. Und wenn ich mich über den Gast geärgert habe? Dann „getrennt, bitte“? Niemals.
Kellner berichten von Tischen mit sechs Zeitgenossen, die alle je einzeln bezahlen. Und nicht mehr so genau wissen, was sie eigentlich hatten. Oder von ganz Unverschämten, die sich von der Tischmitte ihr Wechselgeld aus dem Trinkgeld anderer Gäste klauben und so den Ober betuppen. Leute, wenn es knapp ist, bleibt zuhause und macht Euch ein Butterbrot! Ins Lokal nur in Spendierhosen.
Jetzt lese ich in den Asozialen Medien: er (der Hahn) zahlt alles mit seiner Kreditkarte und will von ihr (Huhn) anschließend die Hälfte per Paypal zurück. So konnte er mit seiner Gold Card mackern, verliert aber kein Geld. Man kann sich richtig vorstellen, wie toll der Sex abschließend mit solchen Typen wird.
Ach so: Trinkgeld immer bar, nie als Aufschlag auf die Kreditkartenabrechnung. Wg. Finanzamt, Ihr Deppen. Fünfer, Zehner oder Zwanni neben die Karte. Und wenn es wirklich übel war? Und unverschämt? Nun, dann erledigt man das eben „französisch“: Zeche prellen! Ich habe mich im Elsässischen schon mal in einem Zweisterner französisch verabschiedet.
Seinen Deckel nicht zu zahlen, das galt unter Studenten nicht als ehrenwert, aber als regelrechte Schande haben wir das auch nicht eingestuft. Daran erinnerte ich mich, als ich das Auberge d‘ Illes durch den Hintereingang verließ. Übel nur, wenn die Kellnerin auf dem Bon sitzen bleibt. Das sollte man vermeiden.
Wie also lautet die Lebensregel? Nun : nie getrennt, meist zusammen, nur ganz selten Kniegas.
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Mord als Mittel der Politik – Die Grenze der Toleranz gegenüber Andersdenkenden
In der CDU findet eine Debatte über die Abgrenzung zur AfD statt, in der auch erwogen wurde, den Rechtspopulisten wegen ihrer Gesinnung Grundrechte streitig zu machen. Unser Autor Klaus Kocks nimmt das zum Anlass einer sehr grundsätzlichen Klärung, wie weit Politik gehen darf.
Wer bei schlechtem Schlaf nächtens zur Fernbedienung greift, kann im sogenannten Unterschichtsfernsehen erstaunliche Entdeckungen machen. Aber auch die nicht ganz so bildungsfernen Sender halten Bemerkenswertes bereit. So sehe ich gelegentlich lehrreiche Dokumentationen, jüngst einen Bericht über einen jungen Mann, der als Jäger in der Wildnis Alaskas lebt. In der Natur, sagte er, sei man entweder der Jäger oder die Beute. Die Geschöpfe mit leerem Magen hätten einen ganz spezifischen Blick auf wehrlosere Wesen niederer Arten. Das ist, wenn man kein Anhänger der Grünen ist, der Naturzustand. Fressen oder gefressen werden. Der Mensch des Menschen Wolf. Das Gesetz des Dschungels. Das beginnt beim Kampf der Bäume um‘s Licht und endet bei der Nahrungskette. Die Natur ist kein Ponyhof.
Du sollst nicht töten
Der Gesellschaftszustand sollte darin bestehen, so die Vertreter dessen, was man Zivilisation nennt, dass man seine Artgenossen nicht umbringt. Jedenfalls nicht unter uns menschlichen Wesen. Diese einfache Regel hat Moses vom Berg Sinai mitgebracht. Und noch neun andere Gebote, an die sich unsere Spezies wie an das Tötungsverbot leider auch nicht immer halten. Du sollst nicht töten. In der Generation meines Großvaters hat es davon eine allgemein anerkannte Ausnahme gegeben, die Franzosen. Sie galten dem kriegswilligen Deutschen als Erbfeind. Und in der Generation meines Vaters war der Staat in der Hand von Radikalen, die eine homogene Volksgemeinschaft wollten und all jene, die sie nicht dazu rechneten, zur Vernichtung freigaben. Einen Angriffskrieg auf Nachbarvölker hat es in dieser Zeit auch noch gegeben. Du sollst töten. Die Vorgeschichte des heutigen friedfertigen Europas als der Urzustand des Zorns.
Politik als Freund-Feind-Beziehung
Die Europäer meiner Generation sind nicht mehr thymotisch sozialisiert, also vernichtungswillig erzogen. Sie sind in einem Ausnahmezustand aufgewachsen. Es gab siebzig Jahre keinen Krieg mit den Nachbarn. Und die anderen Völker Europas galten ebenso wenig als Erbfeinde, die zu unterwerfen seien. Die Decke der Zivilisation erweist sich nun aber als dünn. Darunter lauert jener Naturzustand, in dem Politik eine Freund-Feind-Beziehung ist. Dieser Begriff des Politischen stammt von dem Plettenberger Philosophen Carl Schmitt, der damit den Naturzustand zum Prinzip der Zivilisation erhoben hat, weshalb er sich unsere Verachtung verdient hat. Was immer heute eine politische Kontroverse auszeichnen sollte, ich habe nicht vor, jene, die anderer Meinung sind, als Feinde zu betrachten.
Gewalt gegen Sachen, dann Personen
Gleichwohl hat meine Generation eine Diskussion um den Imperativ „Du sollst töten“ erlebt, nämlich im linksradikalen Terror der sogenannten Roten Armee Fraktion. Die RAF ist aus den außerparlamentarischen Protesten gegen die spießbürgerliche Bonner Republik und gegen den Vietnam-Krieg der Amerikaner hervorgegangen. Sie hat sich aus einer verschwurbelten Vorstellung von legitimer Gewalt gegen Sachen zu einem Mordkommando gegen politische Feinde entwickelt. Daraus lässt sich ein ganz einfaches Kriterium ableiten, mit dem man eine linke Gesinnung, was immer das sein mag, von dem trennen kann, was hier linksradikal genannt wird. Mord als Mittel der Politik, das ist die rote Linie.
Rechts ist nicht rechtsradikal
Es gehört zum Selbstverständlichen der Zivilisation, dass der Andersdenkende ein Gegner sein kann, aber wie erwähnt kein Feind ist. Wir unterscheiden uns von den Raubtieren, weil wir einander nicht abschlachten. Und damit ist dann die Definition, wann eine rechte Gesinnung rechtsradikal ist, klar: Sage mir, wie hältst Du es mit Mord als Mittel der Politik? Das ist die Gretchenfrage unserer politischen Kultur. Aber so klar das scheint, so schmerzlich ist die Erkenntnis, dass genau dies strittig ist. Wie soll man das werten, wenn ein Abgeordneter bei der Ehrung eines politischen Mordopfers demonstrativ sitzen bleibt, während alle anderen sich erheben? Wie soll man das werten, wenn manche User in den sozialen Medien öffentlich Verständnis für die Motive eines politischen Mörders geäußert wird, weil das Opfer ungewünschte Ansichten gehabt habe? Man muss das als Versuche werten, sich außerhalb der Zivilisation einen politischen Bewegungsraum zu schaffen.
Rechtes Ritual vermeintlicher Missverständnisse
Der sitzengebliebene Abgeordnete hat sich entschuldigt. Oder doch nicht? Wer sich selbst korrigiert, sollte das dürfen. Jeder menschliche Fehler sollte, so wirklich bereut, verzeihlich sein. Auch die AfD hat dieses Recht. Manchmal wird eben nur rhetorisch gespielt. Nicht täuschen lassen darf man sich dabei aber von einem notorischen Propaganda-Trick des Rechtspopulismus. Die Wissenschaft nennt das Allusions-Rhetorik. Dabei wird ein Tabubruch nur angedeutet, aber nicht offen begangen, um ihn in einem zweiten Akt der vermeintlichen Distanzierung als unbeabsichtigt auszugeben. Das ist ein hinterhältiges Spiel. Es lässt die Kritiker waffenlos zurück, sorgt aber in der eigenen Klientel für unbändiges Vergnügen, weil man dort den rhetorischen Trick durchschaut. Man darf sich nicht zum nützlichen Idioten der rechtsradikalen Propaganda machen lassen.
Gegner, nicht Feind
In der Demokratie herrscht Friedenspflicht. So folgerichtig dieser Gedanke sein mag, er hat auch seine Grenzen. Wenn der Mord ein Mittel der Politik wird, ist dann nicht der zum Morden bereite Gegner eigentlich ein Feind? Soll man ihm nicht seine Menschenrechte absprechen? Es gibt diese Diskussion. Und sie ist unglückselig. Auch der Gegner der Demokratie bleibt ein Gegner. Wer ihn zum Feind machen will, gibt die Zivilisation für sich verloren. Darum kennt unser Rechtsstaat keine Todesstrafe. Er kann auch gegenüber Mordwilligen nicht selbst zum Mörder werden wollen.
Quelle: starke-meinungen.de