Logbuch

SAUNA-DIPLOMATIE.

Wenn sich die Kriegsherren nur als Menschen begegneten, dann wäre das Leben friedfertiger. Zum Beispiel nackt wie der Herrgott sie erschuf in der Sauna. Ein Ostergedanke.

Aus Zeiten der Sowjetunion wird folgende Episode erzählt: Der Herrscher des Sowjetreiches Nikita Chruschtschow sei vom finnischen Regierungschef zu einem gemeinsamen Saunabesuchs verleitet worden, bei dem der Nackte aus Moskau dem Nackten aus Helsinki vorgeschlagen habe, die Völkerfreundschaft noch enger zu gestalten und doch auf getrennte Regierungen zu verzichten. Da habe der Finne Uhro Kekkonen gesagt, das sei prinzipiell eine gute Idee, aber er fühle sich altersbedingt nicht mehr fit genug, auch noch die Sowjetunion mit zu führen.

Während meiner Studentenzeit gab es das Schimpfwort der FINNLANDISIERUNG, politisch aus der schwarzen Ecke. Gemeint war eine freiwillige Minderung der eigenen Souveränität, in der man sich in sein Schicksal als Pufferstaat schicke und Neutralität übe. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass es einen milden Vorhof von Diktaturen geben könne, in dem der große Bruder dem kleinen ein besonderes Kastratentum gönne. Schöner gesagt: das Schweizer Modell.

Dass Deutschland eine bittere Bindung an den Osten nach dem verlorenen Krieg im Endeffekt erspart geblieben ist, kann man als Erfolg von Adenauer und Kohl feiern oder schlicht Westbindung nennen. Ein unverdientes Geschenk der Geschichte. Jetzt gehört auch Finnland zur NATO; Schweden wird folgen. Der Mythos der Sauna-Diplomatie ist dahin.

Darf ich als großer Freund der Schwitzkiste eine landeskundliche Anmerkung machen? Zur finnischen Sauna gehört nicht nur der kalte See vor der Hütte und das Birkenreisig, mit dem man sich gegenseitig verdrischt, sondern hinter der Saunahütte auch eine kleine Destille. Es wird schwarz gebrannt. Die schwitzenden Nackten saufen Schnaps. Da lag die Brücke zum Russischen, sagten damals die Finnischen. Nüchtern betrachtet, war der Mythos wohl hohl.

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UNTER STROM.

Aktuell erzeugen wir Elektrizität zur Hälfte aus Erneuerbaren, sprich Sonne und Wind. Der Ausfall von russischem Pipeline-Gas hat nicht zu „black outs“ geführt; immerhin. Zu verdanken ist das auch dem Drittel, das die Kohle beiträgt. Glückauf!

Was mir an Sonne & Wind gefällt, ist nicht so sehr die Klimafrage, ein ohnehin spekulativer Aspekt, sondern die Importunabhängigkeit. Macht keinen Oligarchen stark und keinen Scheich reich. Mit einem Drittel ist allein der Wind dabei; so stark wie die Kohle. Kompliment.

Nur Laufwasser finde ich noch sympathischer. Es klappert die Mühle am rauschenden Bach! Da ist der Norden gesegneter; Norwegen, mehr noch Kanada. Netzausbau, Freunde! Jetzt aber ein Wort zur Wundertechnologie der Wärmepumpe. Das klappt in sehr gut isolierten Häusern bei geringer Differenz zur Außentemperatur. Ein ganz schmales Delta muss hier verdichtet werden, aus 3 Grad zaubert man 18, Faktor sechs.

Stelle mer unz ma janz dumm un fraschen: watt isse ne Wärmepump? Die Wärmepumpe ist ein umgedrehter Kühlschrank. Der nicht funktioniert, wenn die Türe ständig offensteht. Ich habe gerade ein dreihundertjähriges Fachwerkhaus zum Passivhaus umgebaut. Holzverschalung außen (Hamptons), Holzverschalung innen (Bauhaus), Hof verglast (Treibhaus). Viel Arbeit. War nicht billig.

Bei allem aber braucht es dann doch vor allem Strom. Von mir aus dekarbonisiert. Dass die Kernenergie hierzulande abzuschalten ist, aber in der Ukraine weiterlaufen soll, so die Expertise des grünen Wirtschaftsministers, wirft bei mir allerdings Fragen auf. Ich weiß nämlich noch, wo Tschernobyl liegt, nämlich genau dort. Und dieser GAU war kein Erdbeben wie der in Fukushima. Fragen.

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GARAGE.

Was hat man idealerweise in der Garage stehen? Wenn Geld keine Rolle spielt und Platz genug ist für vier Gefährte. Oldtimerwartung inklusive. Interessantes Gedankenspiel.

In einem Roman, der in Zürich spielt, wird das mit einer Daimler Limousine, einem Mini, einem Landrover und dem Jaguar E-Type gelöst. Ganz gut angedacht, aber: Das überzeugt mich noch nicht.

Nein, kein Tesla; Ich glaube nicht an die Batterie. Nein, nichts von BMW, ob jetzt mit Niere oder ohne. Aber die Struktur der Garage in dem Roman war nicht schlecht.

Statt des Landrovers eine Doka Pritsche T6 Diesel Automatik. Das ist gesetzt. Als Limo den Peugeot 504 TI oder die Göttin DS von Citroën; wenn neuer, dann Audi Q7 mit dem Achtzylinder Diesel. In der Stadt? Bike! Italienisch. Entweder Roller oder eine schwerere Guzzi.

Es fehlt noch der Sportwagen. Offen geht gar nicht. Zuneigung zu Porsche habe ich sozialisationsbedingt verpasst. Mittelmotor Wankel? Wär das was? Obwohl ich eigentlich keine Reisschüsseln fahre. Aber bei Uhren habe ich mich ja auch eines Besseren belehren lassen. Seiko überzeugt mich mittlerweile auch beim Mechanischen.

Die Frage wird mich über Ostern beschäftigen: Was stelle ich statt des J-E-Type in meine ideale Garage? Welches Auto für Sonntagsnachmittags? Was passt zwischen eine Pritsche, einen SUV mit Bentley-Diesel und die Guzzi?

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Die Revolution der Parteien durch Gabriel: Entmachtung der Lähmschicht

Nichts überzeugt mehr von den Vorteilen einer Diktatur als eine halbstündige Diskussion in einer Fussgängerzone. Das hat Winston Churchill gesagt. Ich ergänze: Wer dann trotzdem noch an eine Demokratie glaubt, sollte bei irgendeiner Partei auf eine Ortsvereinssitzung gehen. Den ultimativen Schock kriegt, wer sich sehenden Auges in der Kantine einer Partei ansieht, wer da so arbeitet.

Wie alle Vorurteile, stimmt das Vorurteil gegenüber den Kolleginnen und Kollegen, die man „fee burner“ oder Sesselfurzer nennt, und es stimmt nicht. Ungerecht ist es allemal, für Einzelfälle, vielleicht sogar für die Mehrheit. Aber keine Bürokratie hat Sex Appeal; die Beamtenschaft möge mir verzeihen. Wer sich das Funktionärswesen in Parteien, Gewerkschaften und Verbänden ansieht, weiss, dass Franz Kafka mit seinen Alpträumen von der Bürokratie noch untertrieben hat.

In der Industrie unterscheidet man zwischen der „workforce“, die im Blaumann in der Fabrikhalle baut und schraubt, und der Leitung, die mit weißem Kragen in der Büroetage entscheidet, wo die Reise hingeht. Wir gehen mal davon aus, dass die Arbeiter anständig bezahlt sind und die Bedingungen menschengerecht. Und der Vorstand sein unverschämt hohes Gehalt durch übergroße Weitsicht auch tatsächlich verdient.

Nach diesen kühnen Annahmen scheint das wirkliche Problem auf. Zwischen diesen beiden Ebenen der Führung und der Ausführung liegt das sogenannte Mittelmanagement. Im übelsten Fall ist die Organisation eine Zwiebel: oben dünn, unten dünn, in der Mitte ein fetter Bauch. Unten arbeiten die „fee earner“ und vielleicht auch oben, aber in der Mitte das sitzt die Lehmschicht. Der Lehm verhindert, dass irgendetwas von oben nach unten dringt. Und wohl auch, dass etwas von unten nach oben.

Ein berühmter spanischer Kollege, den ich mal im Vorstand eines Industrieunternehmens erleben durfte, nannte die Lehmschicht immer Lähmschicht. Ob das an seiner schlechten Intonation lag oder an höherer Einsicht, ist egal. Er hatte recht. Dieser Teil des Managements beeinträchtigt die Führungsfähigkeit der Institution; man spricht von großen Tankern, die nicht mehr steuerbar sind.

Die Mitgliederbefragung beendet die Funktionärsdiktatur der Lähmschicht in Parteien.  Deshalb heult die Kaste der Funktionäre auf: Machtverlust. Das ist die Revolution, die Sigmar Gabriel für die SPD durchgesetzt hat: Die wirklichen Mitglieder bekommen wieder das Sagen, jedenfalls bei den prinzipiellen Fragen. Alle anderen Parteien werden sich künftig genau so verhalten müssen.

Deshalb springt Horst Seehofer Gabriel bei. Und der Ingrimm in der CDU gegenüber dem Regime Merkel ist groß. Warum, fragen die Mitglieder der Union, wird über unsere Köpfe entschieden? Innerparteiliche Demokratie wird künftig sehr oft Mitgliederbefragungen nutzen. Das Internet eröffnet da völlig neue Möglichkeiten. Und das ist keine Piraterie…

Zu den dümmlichen Unterstellungen von Frau Slomka in dem sogenannten Interview mit Gabriel ist alles gesagt. Es geht natürlich nicht um imperative Mandate für Abgeordnete. Der Bundestag ist gewählt. Eine Partei entscheidet anschließend, weil es keine klare Mehrheit gibt, ob sie ihrer Führung empfiehlt eine bestimmte Koalition einzugehen. Man kann nun beckmessern, dass die Parteien nicht die Fraktionen sind; die Frage hat eine ordnungspolitische Dynamik. Da können die Verfassungsrechtler mal was Kluges sagen.

Es geht bei der Mitgliederbefragung innerhalb der eigenen Organisation darum, die Lähmschicht in den Organisationen zu entmachten. Es geht um das Ende der Funktionärsdiktatur. Es geht um Mitwirkung, um Teilhabe. Das wird Politikverdrossenheit mindern. Wir reden also über den demokratischen Kern unseres Landes. Die Verdienste von Sigmar Gabriel genau darum sind schon jetzt historisch.

Quelle: starke-meinungen.de