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DIE NATUR IST KEINE IDYLLE.

Man soll ja keine Wortwitze wiederholen, schon gar nicht, wenn eine ernste Sache ansteht. Trotzdem geht mir nicht aus dem Sinn, dass die Etymologie meist eine Etymogelei. Es geht um die Wissenschaft von den Ursprüngen sprachlicher Eigenheiten. Mit der etymologischen Wortherkunft will man klären, was die Dinge wirklich bedeuten; dass nennt der Altgrieche „etymos“, wahr, weil wirklich. Welch ein Irrtum.

Heute: die Sintflut. Die Flut wg. Sünde. Der Westerwald ist gerade Opfer eines bösen Unwetters geworden; die Nachrichten sprechen von sintflutartigen Regenfällen. In Höhr-Grenzhausen die Hölle. Eine Sintflut. Der Mythos geht zurück auf Noah, der sich vor dem Zorn seines regenmachenden Gottes in einer Arche zu retten wusste. Der Gott des Alten Testaments ist kein „sugar daddy“; er will notorisch sein Volk wg. Sünde vernichten. Noah rettet die belebte Welt mittels Einschiffung von gebärfreudigen Pärchen aller Art. Übrigens ist der Handlungsort dieser gewollten Katastrophe, wie reden von Armenien und dem Berg Arafat, in der Neuzeit eine christliche Nation. Mein kreuznetter Schuhmachermeister im türkischen Moabit kommt da her und weiß noch von ganz anderen Völkermorden zu berichten. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.

Die Sintflut hat nichts mit Sünde zu tun. Man wird nicht Opfer der Elemente wg. moralischer Verfehlung. Das ist das Schuldbewusstsein, das uns die Grünen einreden wollten, als ihr Zauber noch wirkte, dass der Klimawandel menschengemacht sei, also eine Sünde, die die göttliche Strafe geradezu erbettelt habe. Eine Etymogelei. Die Natur hat keine moralische Instanz, sie ist von einer vernichtenden Sinnlosigkeit. Man höre sich am Berg Arafat um oder im Ahrtal. Das „sint“ meint im Althochdeutschen „groß“. Unwetter eben. Die Elemente sind immer ein Problem, manchmal eine Katastrophe. Mehr ist nicht. Die Grünen-Drohung hat ihre Kraft verloren. Noch nicht bei allen, aber bei immer mehr Menschen. Hegemonie dahin. Ende der Wende.

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MAGDEBURGER HOCHZEIT.

Im Flächenland Sachsen-Anhalt stehen Landtagswahlen an, die die politische Rechte für sich entscheiden wird. Rechts der Mitte liegt eine absolute Mehrheit von satten sechzig Prozent. Auf das Spektrum links der Mitte entfällt allenfalls ein Drittel. Die SPD muss mit sieben, acht Prozent zufrieden sein, wenn es gut für sie läuft. Sagen die Wahlforscher mit relativ einheitlichem Votum. Neue Geometrie: die Mitte ist verrückt.

Gestern besuche ich den Magdeburger Dom, eine evangelische Predigerkirche gotischen Ausmaßes. Eine der ersten Kathedralen mit Raumheizung, kein Scherz. Bei einer Raumhöhe von dreißig Metern. Mir fällt auf: Sie ist leer. Es ist allerorten ungeheuer, was der Bildersturm den Gotteshäusern angetan hat. Und Magdeburg war sehr protestantisch. Man macht heute ein riesen Gewese darum, dass man hier Kaiser Otto den Großen ausgegraben hat. Um seinen Sarg eine Holzhütte, die Neugierige abhält, aber viel Presse und die Männer mit den Mienen als Kommentatoren vor den Kameras. Die Totenruhe eines Prommis gestört. Zweifelhafte Errungenschaft. Es bleibt das Gefühl, eine leere Halle besucht zu haben.

Otto, das ist tiefes Mittelalter, knapp tausend Jahre nach Christus. Ein Heiliges Römisches Reich Deutscher Nationen schickt sich an. Die Kaiserlichen Katholischen sollten siebenhundert Jahre später wiederkommen. Unter Tilly und seinen Pappenheimern wird die Jungfrau Magdeburg geschändet. Es wurde vergewaltigt, geplündert, ermordet und schließlich angezündet, was da an Protestantischem zu finden war. Man spricht im Zynismus der Sieger von der Magdeburger Hochzeit. Hieran wäre zu erinnern in der Otto-Stadt; aber das Versagen der Historiker bei signifikanten Vergleichen ist ja notorisch.

Von der neuen politischen Mehrheit ist über kurz oder lang zu erwarten, dass der Heilige Mauritius, der Mohr zu Magdeburg, aus dem Dom entfernt wird. Vielleicht sagen die Historiker dann dazu mal ein klares Wort. Man wünschte sich für das Land einen Westfälischen Frieden. Stattdessen werden Sigismund Tilly und seine Pappenheimer ins Amt gehoben. Magdeburger Hochzeit.

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ENTE.

Das englische Feuilleton beschäftigt sich gerade mit zwei Neuerscheinungen, Biografien des nordkoreanischen Herrschers Kim Il Sung; man ist interessiert, wie eine regelrechte Dynastie entstehen und so lange überleben konnte. Es müsste sich um den Großvater des gegenwärtigen Imperators handeln. Und wir sind historisch beim schrecklichen Ende des Zweiten Weltkrieges durch den amerikanischen Einsatz von Atomwaffen gegen Japan sowie den folgenden Wirrungen des Kalten Krieges, die die koreanische Halbinsel in einen kommunistischen Norden und einen amerikanisch gestimmten Süden teilte. Ein Kuriosum wie einst mein Vaterland.

Nordkorea liegt zu seiner Geburtsstunde im Schatten zweier befreundeter Weltmächte, China und Russland, und der gelernte Guerillakämpfer Kim Il Sung weiß sich hier eine Territorialmacht kleiner Geographie, aber großen Anspruchs aufzubauen. Heute handelt der amerikanische Präsident mit seinem Enkel oder dem Sohn, ich bin mir nicht sicher. Aber das ist bei einer Dynastie ja auch egal; ich meine die koreanische. Jedenfalls erinnere ich, dass ich 1971 eine deutschsprachige Ausgabe der Reden und Aufsätze des Kim Il Sung in Händen hielt, erschienen in einem Verlag namens Roter Stern in Frankfurt, und leicht amüsiert ins Regal der kleinen Buchhandlung in Bochum-Querenburg zurückstellte. Ich hatte einen Aufsatz zur Durchsetzung des sozialistischen Prinzips in der Hühnerzucht angelesen.

Der große Vorsitzende sorgte sich dort um die Proteinversorgung der Landbevölkerung und empfahl neben der Hühner- die extensive Entenzucht. Dreißig pro Familie. Das war mir damals nicht so dringend, obwohl in Korea wohl bis heute ein Thema. Jedenfalls muss es jemanden gegeben haben, der die Übersetzung und den Druck Ende der Sechziger finanziert hat. Die intendierte Leserschaft war wohl im Linksradikalen; von uns seinerzeit scherzhaft „die Peking Enten“ genannt. Maos Jünger.

Heute also Studien dazu, wie man eingeklemmt zwischen deroutierten Großmächten eine nationale Identität baut.  Auch ein deutsches Thema. Der amtierende Spross der Imperatoren zu Korea spricht übrigens ein lautreines Schwyzer Deutsch; er ist dort in einem berühmten Internat auf seine imperialen Ambitionen vorbereitet worden. Es ist zu erwarten, dass er seinen Gesprächspartnern bei der dritten Weltmacht intellektuell gewachsen ist. Weiter will ich mich zur Weltpolitik nicht äußern. Ich habe das Werk damals ja ins Regal der Querenburger Buchhandlung zurückgestellt. Soweit zur Entenfrage.

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Die Grünen im freien Fall: Der Wähler flieht vor dem Spinat-Diktat

Das Wort von der Tugenddiktatur ist ein Kompositum; es besteht aus zwei Teilen. Es erzählt mit Pathos von der Tugend. Und davon, wie sich deren Wächter die Umsetzung vorstellen. Auch die Französische Revolution begann mit Liedern auf die Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und wendete sich alsbald zum blutigen Terror. Wie bei allen Volksverführungen soll der Glanz der hehren Idee über die Niederungen der Wirklichkeit hinwegtäuschen. Moral in der Politik ist immer Doppelmoral. Die Grünen treiben dieses Prinzip zum Exzess.

Es geht jüngst um den Veggie-Day, den Plan eines allwöchentlichen Rituals der Zwangsernährung rechtsmündiger Erwachsener mit Gemüse, das hoheitlich erzwungen werden soll. Schon heute kann jeder Vegetarier oder Veganer oder wie die Salatfresser alle heißen mögen, in jeder Kantine dem vermaledeiten Schnitzel und der Currywurst ausweichen und jedwedes  Kaninchenfutter zu seiner Ernährung wählen. Es geht also nicht darum, dass man tierische Produkte nicht vermeiden kann, wenn man dies so will, sondern darum, dass man dazu gezwungen werden soll. Tugenddiktatur, die Doppelmoral der Grünen.

Die Vorstellung des Tugendsamen, von welchem Fanatiker religiösen oder ideologischen Ursprungs auch immer ersonnen, setzt den verachtenswerten Sünder voraus. Wer erhobenen Hauptes auf seine Mitmenschen herabzusehen gedenkt, braucht jene, die man als erbärmlich brandmarken kann. Das sind den BulimikerInnen der Ökos die Adipösen des Subproletariats, die den Versuchungen von McDoof und WürgerKing nicht widerstehen können und Fleisch fressen, bis ihnen die Augen zuwachsen.

Das Mitgefühl mit fehlernährten Fettleibigen hielte sich noch in Grenzen. Das ist nicht die Klientel der Grünen. Es geht eigentlich nicht um die armen Sünder mit den geblähten Leibern, sondern um die Mitgeschöpfe aus der Massentierhaltung, die ihr Leben für Steak und Hamburger lassen müssen. Und um Mutter Natur selbst, die ja im tropischen Regenwald wohnt und dort herausgeforstet wird, weil die Menschen sich sittenwidriger Weise von Pilzsammlern zu Farmern wandeln.

Es geht beim Stimmenverlust der Grünen um den Veggie-Day, der diesen Teufelskreis rund um den Verzehr von tierischem Eiweiß zu unterbrechen weiß. Die Zwangsernährung mit Grünkohl und Löwenzahnsalat knüpft in der Heilserwartung an das segensreiche Heilfasten an und verspricht uns jene Metaphysik, die der Muselmann während des Ramadan hat und die Christen am Freitag, dem Todestag ihres Religionsstifters. Die jahrhundertelange katholische Doppelmoral um Starkbier in der Fastenzeit und Maultaschen, die als „Herrgottsbescheißerle“ das Fleisch in Teigtaschen verbergen, wird von den Grünen gebrochen. Hier herrscht der protestantische Furor: Veggie-Day als Hoheitsakt.

Veggie-Day mag eine alberne Episode sein. Für die Öffentlichkeit war dies ein Symbol weitgehender Bedeutung. Pars pro toto: Es hat sich gezeigt, wo die Reise mit diesen Herrschaften hingeht. Das Spinat-Diktat hat die grüne Maske heruntergerissen und wir blicken in die Fratze einer Diktatur. Man gebe Diktatoren keine Macht, auch wenn sie glühende Vegetarier sind und es nur gut mit uns meinen, den Schweinen und dem Regenwald. Das haben sie immer alle gesagt, dass sie es nur gut mit uns meinen. Jede Diktatur verbirgt sich hinter ihren Tugenden.

Quelle: starke-meinungen.de