Logbuch
INFLATION.
Meine ROLEX heißt AIR KING, kommt aus den fünfziger Jahren und ich habe sie mir als Student in Plymouth gebraucht gekauft. Für einen BAFÖG-Satz, das konnte ich mir gerade so leisten. Irgendwas um 250€ nach heutigem Geld. Daran dachte ich gestern wehmütig.
Das Städtchen Münster an einem sonnigen Mittag, ein nettes Restaurant mit Tischen vor der Tür. Dicke Bohnen mit Speck. Die Welt ist in Ordnung. Bürgerliche Idylle. Insbesondere wenn man die Tristesse von Koblenz kennt. Und dann sehe ich zwei Oligarchen vorfahren, den Maybach ins Halteverbot stellend und hinter einem Bauzaun verschwindend. Sonst verirren sich nur wohlhabende Holländer in dieses beschauliche Studentenstädtchen. Man fährt Fahrrad. Viele Beamtenmienen.
In der besten Lage baut ein Juwelier sein Geschäft um; er modernisiert das Ladenlokal in den historischen Arkaden. Man investiert, wohl weil man sich auch künftig gute, sehr gute Geschäfte verspricht. Der eigentliche Gegenstand des Geschäftes ist aber nicht Schmuck, also Juwelen, sondern Uhren, Armbanduhren, vornehmlich Schweizer Fertigung. Eine andere Kundschaft als die trendigen Apple-Watcher mit den iPhone-Ührchen.
Ich gehe nach dem Lunch zu einem noch erhaltenen Schaufenster und betrachte die Auslage. Da fallen sie mir auf, die kleinen Schildchen zwischen den ROLEX, die ausweisen, dass man hinter dem Panzerglas nur ANSICHTSEXEMPLARE zeige. Die ROLEX stehen nicht zum Verkauf, trotz der saftigen Preise, die überall ausgewiesen sind. Verstehe ich das? Fehlen etwa die Werke in den Uhren? Hat man Angst, dass die Scheibe sonst von Bösewichten zertrümmert wird und sich die teuren Zeitmesser auf den Weg nach Moskau machen? Neugierig versuche ich den Laden zu betreten.
Die Tür ist verschlossen, ein Sicherheitsmensch öffnet mir. Ich finde mich schnell belehrt. Die Lieferfristen betragen mehrere Jahre. Man nimmt aber ohnehin zurzeit gar keine Bestellungen an. Ich bin entlassen und echt verwirrt. Später erfahre ich, dass es einen Schwarzhandel im Netz gibt, bei dem ein Vielfaches des Listenpreises aufgerufen wird. Mit dem Risiko, dass es sich um sogenannte BLENDER handelt, also Markenpiraterie aus Asien. Immer Faktor 5 oder 10. Ich bin baff. Und die Oligarchen sitzen bräsig in Sesseln und halten Champagnergläser. Shampanskoje.
Logbuch
DER NÄCHSTE KANZLER.
Wer folgt auf den Sozialdemokraten Olaf Scholz als nächster Kanzler, sprich wer wird es nach der nächsten Bundestagswahl? Ein GRÜNER und zwar Robert Harprecht. Wir sind uns da sicher.
Diskussion vor Kommilitoninnen und Kommilitonen der Politischen Wissenschaften an der ehrwürdigen Universität zu Bonn am Rhein. Mit mir, dem Freischärler der Feder, auf dem Podium ein wirklich kluger und kreuznetter Chefredakteur einer wichtigen Regionalzeitung; Namen tun mal nichts zur Sache, weil ich ihn gleich für ein Urteil in Anspruch nehmen will, ohne dass ich das mit ihm abgestimmt hätte. Und ein ehrwürdiges Mitglied des Lehrkörpers. Ein Triumvirat also von Intellektuellen aus drei Generationen.
Der Ratschluss: Der nächste Kanzler wird ein GRÜNER. Frage der Parteienpräferenz. Die Grünen können inzwischen alles bedienen. Ich sage: alles vom Pazifisten bis zum Bellizisten… Und der Kanzler der Grünen wird dann ROBERT HAARPRACHT. Ja, der Kinderbuchautor aus dem Norden. Wenn ich sehe, mit welchem Fleiß sich Robert Hagenbeck von Entscheidung zu Entscheidung quält, wie er es kaum schafft, täglich zu duschen oder sich anständig zu kleiden, wie er ergraut. Sich verzehrend dient er. SERVIENDO CONSUMOR, so lautet der Lehrsatz des preußischen Beamten.
Seine Kollegin von den Grünen, die „aus dem Völkerrecht“, die spielt das lifestyle-Püppchen, sagt empathische Sätze, aber leidet sie? Ergraut sie? Verzehrt sie sich? Das alles ist natürlich nur meine Sicht der Dinge. Ich gehe immer eher vom Oberflächlichen her an die Dinge. Und kann mir keine Namen merken. Der Akademiker und der Journalist sehen das sachlicher. Kommen aber zum gleichen Urteil.
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WEISSER RITTER AUF TWITTER.
Elon Musk, der Multi-Milliardär, dem jetzt Twitter gehört, will die MEINUNGSFREIHEIT stärken, indem er dort die Anonymität von Personen und Robotern unterbindet. Das gefällt nicht jedem.
Reflexartig kommen die Einwände gegen einen offenen Marktplatz freier Menschen mit offenem Visier. Von links. Damit würden ohnehin marginalisierte Randgruppen dem offenen Hass ausgesetzt. Anonymität soll bleiben dürfen. Aber wohl nicht für jeden. Nur für die Guten. Wer also entscheidet künftig über den Zwang zum Klarnamen und das Recht auf Tarnung? TI alias Intransparency International? Oder Jan Böhmermann?
Das Angebot des Multi-Milliardärs ist in sich widersprüchlich. Der Algorithmus soll künftig öffentlich sein & alle Roboter kenntlich. Ein solches Versprechen kann man nur sehr naiven Menschen machen, die noch mit dem Abacus rechnen oder an den Fingern abzählen. Denn eine plausible Transparenz der KI gibt es nicht, weil sie per Definition „kontraintuitiv“ ist, eben nicht „plausibel“, oder „kausal“, sondern strikt „korrelativ“. Wer den Algorithmus aber als „open source“ offenbart, spricht eine Einladung an alle „spam bots“ aus; dem vodka-getränkten Missbrauch sind dann Tür und Tor geöffnet.
Ohnehin sind schon heute viele vermeintliche Roboter in den Sozialen Medien in Wirklichkeit nur einsinnige Menschen; das Analyse-Instrument taugt nichts. Man kann so doof sein, dass man wie eine Maschine wirkt. Noch entschieden dümmer. Hier läuft gerade ein ganzer Schwarm vom Wissenschaftler:Innen (sic) in die Irre. Aber das ist, wie Kipling sagt, eine andere Geschichte.
Die haltungsjournalistische Blase ist seit längerem tiefenverwirrt über Elon Musk, einem Genie der Inszenierung. Er wirkt wie ein kiffender MAVERICK, ist aber hinter seiner Clowns-Maske die LOGIK DES KAPITALS in reinster Form. Ich kann das sagen; ich habe glaube nicht an die Batterie und habe alle drei Bände des KAPITALs von Karl Marx gelesen. Und verstanden.
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QUAX DER BRUCHPILOT.
Unter den Schlapphüten (Nachrichtendienstler, Geheimagenten, Verfassungsschützer) da heißen die besonders wichtigen „Einflussagenten“, weil sie einen ebensolchen haben. Natürlich zählt dabei nicht der Bäcker von der Ecke oder der Kegelbruder, sondern nur eine hochgestellte Persönlichkeit. Sagen wir: der nächste Papst. Wer den näher kennt, der gilt was; weil er möglicherweise höheren Orts einen Einfluss hat. Oder, noch besser, schmuddelige Sachen aus der Sakristei weiß, die man noch mal zur Erpressung nutzen könnte.
Unter Journalisten gibt es dazu einen besonderen Wettbewerb. Sie sind nämlich alle berufsbedingt schizophren; sie wollen einerseits die Kritiker der Mächtigen sein, noch lieber aber geliebt werden und von deren Tisch essen. Viele geborene Speichellecker. Ich selbst habe nie einen Einfluss gehabt, aber einige Journalisten dieses Kalibers gekannt. Das geht mir durch den Kopf, da ein neuer Kanzler ins Amt kommt. Wer mag sich jetzt als Confident von Friedrich Merz in Pose werfen? Wer weiß wirklich kompromittierendes Zeug?
So hat mir mal ein Journalist, deutlich angeheitert in einem einschlägigen Strandrestaurant auf Sylt, erzählt, dass er mit der Konkubine des Kanzlers gut sei. Wohlgemerkt, nicht die Gattin war gemeint, sondern die Geliebte. Das ist lange her, der Kanzler schon unter der Erde, aber ich habe ihn, den Mann von Einfluss noch letzte Woche im Borchardt gesehen. Anderer Journalist, späterer Kanzler; man sei, behauptet er kühn, zusammen in México im Puff gewesen. Dolles Ding. Dönekes? Von Whisky-Willy will ich erst gar nicht anfangen, weil ich das nur dem Hörensagen nach kenne.
Von dem kommenden Kanzler kann man sich so was gar nicht vorstellen. Juristen stehen ohnehin im Verdacht, sich durch Zellteilung zu vermehren, allemal bei den Eingeborenen aus dem Sauerland. Dröge Dörfler. Womit wir bei der Frage wären, ob die kinderlose Merkel, Mutti nur dem Namen nach, Freunde unter den Journalisten hatte. Jedenfalls keine, die ihren vermeintlichen Lover kannten oder angeblich mit ihr im Puff waren; das halte ich für sicher. Bei näherem Hinsehen entdeckt man, dass gar keine Freunde von ihr bekannt sind, jedenfalls nicht unter Journalisten. Ein beachtlicher Befund.
Ich habe ihre Autobiografie nicht gelesen, aber mit einem Historiker geredet, der sich das angetan hat. Er berichtet von einer frugalen Ödnis, einer protestantischen Freudlosigkeit, die ihres gleichen suche. Fritze ist aber katholisch. Das wird also beim incoming boss anders sein. Quax in fidel. Die Hoffnung stirbt zuletzt.